Warum Süßstoff dick machen kann

11. Februar 2008, 10:34 Uhr

Sie enthalten kaum Kalorien, trotzdem fördern sie möglicherweise Übergewicht: Die Verwendung von Süßstoffen wird schon länger kontrovers diskutiert. Nun zeigt eine neue Studie, wie die künstliche Süße die Verdauung beeinflusst.

Schmeckt süß, entählt aber keien Kalorien: Diätdrinks verwirren anscheinend den Körper©

Wer mit Süßstoffen versetzte Getränke konsumiert, tut dies meist um Kalorien zu sparen - also um kein Gewicht zuzulegen. Doch es gibt immer mehr Belege dafür, dass die kalorienfreien Getränke eher zu Übergewicht führen, als helfen es zu vermeiden. Eine aktuelle Laborstudie an Ratten zeigt jetzt, wie der Süßstoff Saccharin das Fressverhalten der Tiere beeinflusst. Über ihr Experiment berichten schließen Susan Swithers und Terry Davidson von der Purdue-Universität in West Lafayette im Fachmagazin "Behavioral Neuroscience".

Swithers und Davidson fütterten für die Studie Ratten mit Joghurt, der entweder mit normalem Zucker oder mit kalorienlosem Saccharin gesüßt war. Ratten, denen der Süßstoff vorgesetzt worden war, fraßen später größere Mengen kalorienreicher Nahrung und nahmen in der Folgezeit mehr Gewicht zu als die anderen Ratten. Die Forscher erklären sich ihre Ergebnisse folgendermaßen: Gibt es keine Verbindung zwischen Süße und Kalorien mehr, fährt der Körper bei weiteren süßen Mahlzeiten die Verdauung nicht mehr auf das normale Level hoch. Die Verwertung der Nährstoffe wird schlechter und der Körper verlangt mehr süße Produkte als zuvor. Dies bleibt auch dann noch der Fall, wenn die Süße wieder durch kalorienreiche Kost hervorgerufen wird.

Veränderte Temperatur

Untermauern konnten die Wissenschaftler ihre Erklärung durch Messungen der Kerntemperatur der Ratten. Diese steigt, wenn der Verdauungsapparat aktiviert wird: Je höher die Temperatur, desto aktiver ist die Verdauung. Swithers und Davidson maßen bei den mit Süßstoff gefütterten Tieren eine deutlich geringere Kerntemperatur als bei den Vergleichsratten. Dies belege, so die Forscher, dass die Verdauung nach der Aufnahme von Süßstoff weniger effizient arbeite als vorher.

Die Forscher betonen, dass weitere Untersuchungen notwendig sind und Versuche, die an Ratten durchgeführt wurden, nur sehr bedingt auf den Menschen übertragbar sind. Allerdings zeigen Studien aus den USA, dass seit Einführung von Diät-Erfrischungsgetränken die Zahl der Fettleibigen deutlich gestiegen ist . Andere Forscher haben außerdem einen Zusammenhang zwischen vermehrtem Genuss von Diätgetränken und höherem Risiko für Fettablagerungen in der Bauchhöhle, Bluthochdruck und Insulinresistenz beobachtet.

Saccharin ist laut der Futtermittelverordnung als "Aroma- und appetitanregender Stoff" bei der Aufzucht von Ferkeln zugelassen. Swithers und Davidson haben zwar nur die Wirkung von Saccharin untersucht, sie gehen aber davon auss, dass andere kalorienarme Süßstoffe, wie zum Beispiel Aspartam, die Verdauung in ähnlicher Weise beeinflussen.

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Joghurt Nährstoffe Ratten Süßstoff Übergewicht Verdauung
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Framel (12.02.2008, 14:38 Uhr)
Sind wir Ratten oder Schweine?
Es erstaunt mich immer wieder, dass sich Menschen von vermeintlich "neuen Studien" blenden lassen oder sich sogar bestätigt fühlen. Es gibt zahlreiche Untersuchungen an Menschen (!), die eindeutig zeigen, dass Süßstoffe sehr wohl beim Abnehmen oder Gewichthalten helfen können. Aber leider werden die Süßstoffe meist als "Alibi" benutzt. Die Cola mit Süßstoff und dazu die große Tüte Pommes mit (fettarmer) Mayo. Dicke Menschen kaufen meist viele Light Produkte, das stimmt. Aber sie kaufen auch wesentlich mehr Süßes als Normalgewichtige. Hallo? Merkt denn keiner was? Nicht die Süßstoffe sind an der Fettleibigkeit unserer Gesellschaft Schuld, sondern die Unfähigkeit Maß zu halten und sich vielleicht sogar mal zu bewegen. Aber es ist ja auch immer wieder schön, einen Sündenbock zu haben. Wenn schon nicht die Gene oder die Drüsen, dann eben die Süßstoffe! Prima, nur nicht an die eigene Nase, respektive den eigenen Bauch fassen. Das man Studien an Ratten heranzieht, um physiologische Untersuchungen zu machen, ist sicher richtig, aber nun auch auf psychologischer Ebene, die Ratten mit dem Menschen zu vergleichen finde ich ein starkes Stück. Ich jedenfalls muss nicht "fressen" was man mir hinhält und kann sehr wohl überlegen und entscheiden. Mal abgesehen davon, dass wohl kaum einer von uns sich wirklich von seinen inneren Instinkten leiten läßt - sonst hätten wir wohl kaum die Übergewichtsproblematik. Und dann wieder dieser Blödsinn mit der Schweinemast.Klar soll es den Ferkeln besser schmecken, aber die sollen doch nicht fett werden! Oder wollt ihr ein fettes Schnitzel auf dem Teller? Besser nachdenken, bevor man etwas schreibt! Der Punkt ist doch vielmehr, das Niemand verzichten möchte und erst recht nicht auf den guten Geschmack. Ich jedenfalls werde auch in Zukunft gezielt auswählen und wenn sich Zuckerkalorien einsparen lassen (vor allem so einfach wie in Getränken), dann werde ich das auch nutzen, denn auf den Genuß muss und will auch ich nicht verzichten.
Aurum (11.02.2008, 18:43 Uhr)
Welch Erkenntnis?
Das ist doch ein alter Hut! Seit Jahrzehnten zur Schweinezucht eingesetzt. Wird da ein altes Thema neu erforscht?
soulseeker (11.02.2008, 12:41 Uhr)
...
ihr habt ja beide sowas von recht :) ... ich lach mich schon seit jahren über die cola-light-trinker kaputt die immer mit verkniffenem gesicht behaupten das es ja auch besser schmecke ;).
es gibt nur einen grund für süsstoff - man umspült sich nicht die ganze zeit beim tee- oder kafee-trinken die beisserchen mit bakterien-nährstoffen. wenn auf der arbeit keine zahnbürste zur hand ist schon ein vorteil, abends kann man sich dann über 2 tafeln nougat hermachen *smile*.
Salzsteuer (11.02.2008, 11:51 Uhr)
Bauernweisheit
In der Schweinemast werden seit langem Süßstoffe zur Appetitanregung wegen der damit verbundenen schnelleren Gewichtszunahme eingesetzt.
Dazu braucht man kein Wissenschaftler zu sein, Bauer reicht.
Marc_R (11.02.2008, 11:17 Uhr)
neue Erkenntnis?
Also ich verstehe nicht was daran eine neue Erkenntnis ist. Mir würde schon vor 2-3 Jahren in der einfachen Sanitätsausbildung beigebracht, dass Süßstoffe durch den süßen Geschmack das vorhandensein von Zucker vorgaukeln.
Dieser schüttet Insolin aus und der Zuckerspiegel geht in den Keller. Das wiederum führt zu Heißhunger.
Kann natürlich sein das ich auf dem Schlauch stehe, aber neu wirkt das auf mich nicht.
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