
Automobilkonzern Toyota entwickelte einen Roboter, der nicht nur Violine spielen, sondern auch im Haushalt oder im Pflegebereich helfen kann© Katsumi Kasahara/AP Photo
Im Gegensatz dazu häufen sich in der Gedankenwelt des westlichen Kulturkreises die Beispiele vom Unheil stiftenden Kunstwesen - angefangen in der griechischen Mythologie. Demnach kommt alles Schlechte auf dieser Welt aus der Büchse der Pandora, einer wunderschönen Frau, die die Götter als Rachewerkzeug schufen, um die aufmüpfige Menschheit klein zu halten. Neueren Datums ist die moderne Sage von Frankenstein, der aus Leichenteilen ein Monster zum Leben erweckte. Unfähig, seine Kreatur unter Kontrolle zu halten, muss er miterleben, wie es mehrere Morde begeht. Angesichts dieses Hintergrunds verwundert es nicht, dass die meisten Europäer mit intelligenten Robotern oft etwas Negatives assoziieren. Hollywood-Blockbuster wie "Matrix", in denen die Menschheit von Maschinen versklavt wird, tun ein Übriges, um gängige Klischees zu verfestigen.
Dagegen pflegt Japans Manga-verrückte Bevölkerung auch in der Pop-Kultur ein eher familiäres Verhältnis zu Maschinen-Menschen. Seit 1951 verfolgen Leser sämtlicher Altersklassen das Leben eines Roboters, der in der Gestalt eines fünfjährigen Jungen mitten unter den Menschen lebt und dank seiner Superman-Fähigkeiten jede Menge Abenteuer zu bestehen hat. "Mighty Atom", in der deutschen Version Astro Boy genannt, verzaubert nicht nur Kinder, sondern animierte sogar eine Reihe namhafter Wissenschaftler dazu, im Jahr 2003, dem fiktiven Geburtsjahr des Roboterkindes, das "Atom Project" zu propagieren: Ähnlich wie beim Apollo-Programm der US-Raumfahrt sollte die japanische Regierung die Entwicklung eines Roboters nach dem Vorbild von Astro Boy über eine Zeitspanne von 30 Jahren mit mehr als 400 Millionen US-Dollar pro Jahr fördern, um damit die Robotik als eines der wichtigsten Wachstumsbereiche für Japans Wirtschaft voranzutreiben. Das kostspielige Projekt wurde allerdings nicht realisiert, und die Welt wartet weiterhin auf Roboter, die von Menschen nicht zu unterscheiden sind.
Trotz dieser Niederlage rechnet der Niederländer David Levy, Experte für künstliche Intelligenz, damit, dass Roboter um das Jahr 2050 so anspruchsvoll konstruiert sind, dass Menschen nicht nur ihre Abneigung verlieren, sondern sogar Liebesbeziehungen bis hin zu Ehen mit ihnen eingehen werden. Auch wenn das auf den ersten Blick utopisch scheinen mag, der machtvolle Einfluss seelenloser Maschinen wurde schon 1966 experimentell nachgewiesen. Der MIT-Informatiker Joseph Weizenbaum ließ Probanden mit einem Sprachprogramm namens Eliza kommunizieren, das deren Aussagen in Gegenfragen paraphrasierte. Dass die vermeintlich einfühlsame Konversation von einem Computerprogramm generiert wurde, war den Testteilnehmern bewusst - dennoch zeigten sie starke emotionale Reaktionen.
Der sogenannte Eliza-Effekt funktioniert immer noch. Wenn dazu die lebensecht wirkenden Androiden japanischer Forscher wie Hiroshi Ishiguro kommen, dann lässt sich zumindest ein Markt für Sexroboter kaum leugnen. Der Leiter des Intelligent Robotics Laboratory der Universität Osaka hat inzwischen sogar sich selbst nachgebaut und kann seinen Doppelgänger über Motion-Capture wie eine Marionette fernsteuern - sein Traum: zu Hause sitzen, während die Studenten der Vorlesung seines Androiden lauschen.
Bei wem sich spätestens jetzt ein mulmiges Gefühl einstellt, der ist damit nicht allein. Roboter wie der drollige "Kismet" von der Bostoner Elite-Uni MIT, der Emotionen wiedergeben kann, werden meist als niedlich empfunden: Kismet hat gemäß Kindchen-Schema übergroße Augen und kann mit seinen langen Wimpern klimpern. Doch dieses Spiel mit menschlichen Charakteristika geht nur so lange gut, wie ein Roboter noch als solcher erkennbar ist. Wird das Kunstwesen seinem Schöpfer zu ähnlich, dann kann die spontane Sympathie schnell in Abneigung umschlagen - der Blechkamerad wird zum Zombie. Diese These vom so genannten "Uncanny Valley" - das "unheimliche Tal" - bezieht sich auf die Sympathiekurve, die bei Stofftieren steil ansteigt, aber immer weiter abfällt, je menschenähnlicher eine Abbildung wird. Demnach ruft eine prothetische Hand bei den meisten Menschen eher Abneigung hervor. Ob es das "Uncanny Valley" wirklich gibt, ist unter Forschern noch umstritten, da Evidenz sowohl dafür als auch dagegen gefunden wurde.
Sollte sich die These langfristig als richtig erweisen, dann wird es für stark menschenähnliche Roboter zumindest in Europa kaum eine Zukunft geben. Dennoch müssen auch Europär nicht auf Service-Roboter verzichten, schließlich gibt es auch nützliche Anwendungen, die ganz und gar un-menschlich aussehen - wie der Roboterstaubsauger Roomba der amerikanischen Firma I-Robot. Mit mehr als 2,5 Millionen verkauften Exemplaren ist der kleine runde Roboter die bisher erfolgreichste kommerzielle Robotik-Anwendung für den Privatgebrauch.
Auch für die Altenpflege gibt es neue Ansätze, die nicht das Bild von der amoklaufenden Maschine heraufbeschwören. "Ich sehe einen Roboter nicht nur als ein mobiles Gerät, das irgendwo herumfährt, sondern auch als Sensoren oder Aktuatoren, die in die Umgebung eingebaut sind", erklärt Dieter Fox, Professor für Informatik an der Universität von Washington, Seattle. Mit diesen Hilfsmitteln lässt sich beispielsweise frühzeitig erkennen, wenn alte Leute im Anfangsstadium von Alzheimer anfangen, inaktiv zu werden." Zwar gebe es auch Betreuer, die vorbeikämen und dies per Fragebogen feststellten. Aber diese Methode sei teuer und fehlerbehaftet. "Bisher ist es so, dass Menschen zuhause zusammenbrechen und darauf warten müssen, gefunden zu werden", verdeutlicht Fox. Hier gehe es nicht darum, Menschen zu ersetzen - "ein Roboter kann helfen, wo mancher ansonsten schon ins Heim müsste. Denn wer kann es sich schon leisten, einen Betreuer ganztägig um sich zu haben?" Unsichtbare Helfer, die nicht an Terminator erinnern - damit könnten sich bestimmt auch Europäer anfreunden.