Heimliche Rückwürfe achtern sind nicht drin, versichert Lotte Kindt-Larsen von der DTU: Kameras und Sensoren an Bord sollen Schummeln unmöglich machen. In dem einjährigen Pilot-Projekt haben die Experten bis zum Sommer von den sechs Schiffen fast 14.000 Stunden Daten eingesammelt. Die Technik funktioniert, versichert Kindt-Larsen. "Und die Analyse dauert jeweils nur bis zu 40 Minuten."
Da das System Flexibilität erfordert, sollen die Fischer frei handelbare Fangrechte (Individual Transferable Quotas, ITQ) erhalten. Die Idee dahinter: Das Anlandegebot und der freie Handel mit Quoten sollen den Fischern ein Anreiz sein, schonender und ergiebiger zu arbeiten. Unrentable Schiffe sollen ihre Quoten an rentable verkaufen. Seit Dänemark auf nationaler Ebene das ITQ-System einführte, seien die Überkapazitäten um 30 Prozent gesunken, erklärt Regierungsberater Mogens Schou.
Oben im Steuerhaus der "Fru Middelboe" kann Kapitän Petersen auf einem Bildschirm die Aufnahmen der Kameras verfolgen. Er sieht das Ganze pragmatisch: "Das ist sehr bequem - eine viel bessere Methode, nachzuweisen, was wir tun, als von vornherein misstrauische Beobachter an Bord zu haben", meint er. Petersen weiß: Die Verbraucher wollen mehr und mehr wissen, wo der Fisch herkommt und ob er nachhaltig gefangen wurde.

Der Fang wird auf Laufbändern ausgenommen und sortiert. Beifang fällt tot hinten heraus© Dorothée Junkers/DPA
Auch wirtschaftlich macht es Sinn, argumentiert Schou. "Im EU-Rahmen glauben wir nicht daran, dass Fischer ein Eigeninteresse daran haben könnten, verantwortlich zu handeln. Darum arbeiten wir mit Kontrollen und mehr als 2000 Regeln, die keiner mehr versteht. Das wollen wir mit dem Anreizsystem ändern."
Grundsätzliche Zustimmung signalisiert die EU-Kommission ebenso wie die Bundesregierung. Es sei eine "interessante Idee", heißt es in einem Brief von Borg an Hansen. Aber der Malteser macht auch klar, dass die Gesamtquote für einen Bestand nicht erhöht werden dürfe. Für die vorgesehene Prämie müsse dann eben anderswo eingespart werden.
Agrar-Staatssekretär Gert Lindemann hat zudem Bedenken, was den EU-weiten Privathandel mit Quoten anbelangt. So leide die Flotte in Deutschland im Gegensatz zu den meisten anderen EU-Mitgliedstaaten nicht mehr an Überkapazitäten, erklärt er. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung überwache die deutschen Quoten. "Bei diesem System wollen wir es eigentlich belassen." Die deutschen Quoten dürften "nicht in anderen Staaten landen, die aufgrund ihrer nicht angepassten Fischereiflotte einen Riesenbedarf haben, irgendwo zusätzliche Quote kaufen zu können". "Das ist der falsche Weg, wenn man den Fangumfang reduzieren will, denn die privat gehandelte Quote wird mit Sicherheit anschließend bis zur Neige ausgeschöpft."
Schou verhandelt seit 1983 auf dem EU-Parkett mit und weiß: "Verpflichtend kriegen wir das nie durch den Ministerrat, aber als Fußnote, dass es die Option gibt für die einzelnen EU-Staaten." Schon 2010, glaubt Schou, könnten sich 30 dänische Boote, zehn deutsche sowie einige schottische und spanische beteiligen.
Irgendetwas werden die Fischereiminister ohnehin tun müssen - und sie werden bald anfangen müssen. Denn es gibt eine Frist für die Reform der Fischereipolitik: 2012. Das ist Gesetz.
Auf der "Fru Middelboe" lässt sich Skipper Petersen von den inzwischen meterhohen Wellen nicht aus der Ruhe bringen. Einen guten Fang hat er heute nicht gemacht. Gerade einmal 120 Kilogramm sind ihm ins Netz gegangen. Ob Zufall oder Folge der geschrumpften Schollen- Bestände: Petersen hofft, dass die Politiker handeln. Denn er liebt seinen Beruf.