Vom Bodensee nach Silicon Valley

26. Mai 2008, 17:26 Uhr

Andreas von Bechtolsheim gewann 1974 den stern-Wettbewerb "Jugend forscht" - danach hielt ihn nichts mehr in Deutschland. Er gründete das Unternehmen Sun, verdiente mit Google Millionen und ist inzwischen einer der reichsten Männer der Welt. Ein Porträt. Von Kristina Allgöwer

Zog in die USA und hatte Erfolg: Sun-Gründer Andreas von Bechtolsheim©

Gemächlich schlendern Touristen über die Lindauer Seepromenade. Hin und wieder bleiben sie stehen, stützen die Ellenbogen aufs Geländer und knipsen den Leucht-turm und den bayerischen Löwen, die das Hafenbecken säumen. Ein großer, blasser Mann mit grauen Haaren geht mit staksigen Schritten auf ein Straßencafé zu. Um seine Schulter hängt eine schwarz-rote Laptop-Tasche mit dem Google-Schriftzug, er trägt ausgewaschene Calvin-Klein-Jeans und schwarze Socken in Birkenstocksandalen. Die Sandalen sind neu, ein Sonderangebot, nach vier Jahren waren die alten durchgelaufen. Der Mann heißt Andreas von Bechtolsheim, und er ist einer der reichsten Männer der Welt.

In Lindau hat Bechtolsheim seine Jugend verbracht. In der bayerischen Kleinstadt ist er zur Schule gegangen und hat seinen ersten Computer zusammengeschraubt. Heute ist er 52 und entwickelt im kalifornischen Silicon Valley Computer, die zu den leistungsstärksten ihrer Generation gehören. Die Firma, die er vor 25 Jahren als Student gegründet hat, heißt Sun Microsystems, beschäftigt 38.000 Mitarbeiter und setzt jährlich mehr als 13 Milliarden Dollar um. Auf der vom US-Magazin Forbes erstellten "Midas-Liste", die die erfolgreichsten Kapitalgeber der High-Tech-Branche kürt, belegt er aktuell den fünften Platz. Bei der Internet-Suchmaschine Google gehörte er zu den ersten Investoren - und hat damit ein Vermögen gemacht.

"In Lindau verändert sich nichts"

Bechtolsheim ist lange nicht mehr in der alten Heimat gewesen. Sie ist einfach zu weit weg, er hat eine 80-Stunden-Woche. Trotzdem kennt er noch jede Gasse auf der Insel. "In Lindau verändert sich nichts", sagt er. Es ist das Gegenteil vom Silicon Valley. "Gemütlich ist es hier", seufzt Andreas von Bechtolsheim und lässt sich auf einen rot gepolsterten Stuhl fallen. Tutend fährt ein Schiff in den Hafen ein. "Deut-sche Gemütlichkeit, dafür gibt es im Amerikanischen kein Wort." Er spricht deutsch mit amerikanischem Akzent und englisch mit deutschem Akzent. Oft wechselt er die Sprache, ohne es zu merken. In Amerika ist er Andy, hier ist er "der Andreas". Im Café trifft sich Bechtolsheim mit seinem alten Schulfreund Hermann. Der ist braun-gebrannt und betreibt eine Surfschule. Vier Jahre haben die beiden eine Schulbank geteilt, jetzt teilen sie sich ein Stück Torte.

Bechtolsheims Eltern, ein Volksschullehrer und eine Hausfrau, wohnen noch immer in Nonnenhorn, einem Dorf sieben Kilometer von Lindau entfernt, in dem kleinen weißen Haus mit den blauen Fensterläden, in dem ihr Sohn aufgewachsen ist. Der Vater fährt jeden Tag mit dem Fahrrad zur Kirche. Der Sohn sagt: "Wenn man das Bedürfnis hat, die Welt zu verstehen, braucht man den lieben Gott nicht mehr, um sie zu erklären."

Andreas von Bechtolsheim wollte die Welt schon als kleines Kind verstehen. Mit drei Jahren wundert er sich, warum das Licht am einen Ende des Zimmers angeht, wenn man am anderen auf den Schalter drückt. Er fragt sich, warum der Himmel blau ist und warum eine Kompassnadel immer nach Norden zeigt. Mit sechs nimmt er den Kassettenrekorder des Vaters auseinander und setzt ihn wieder zusammen, als die-ser protestiert. Mit 14 montiert er auf dem Dach seines Elternhauses einen 25 Meter hohen Funkmast, den er mit Stahlseilen festzurrt. Der Sohn will die globale Kommunikation, der Vater fürchtet, das Haus stürzt ein.

In der Schule ist Andreas von Bechtolsheim ein Außenseiter. Als einziger lässt er sich die Haare bis zu den Schultern wachsen, und schon damals trägt er nur Birkenstocksandalen, er hält sie für die bequemsten Schuhe der Welt. Wenn dem Physiklehrer ein Experiment nicht gelingt, sagt der: "Bechtolsheim, machen Sie weiter."

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KOMMENTARE (7 von 7)
 
heiner5362 (30.05.2008, 19:06 Uhr)
diesem mann
gehört vollster respekt zugeschrieben.
der schlüssel zu seinem erfolg :
vom beamten-muff-banana-staat D in die sonne zu gehen.
aufgrund der wichtigtuenden sesselfurzer und deren drangsalien hier hätte er eher eine bäckerlehre begonnen.
keine sparkasse hätte ihm damals geld für seine "utopien" vorgestreckt, dann doch lieber an pooth da fällt noch ein flatscreen ab.
deutschland bremst sich selbst aus durch ein immer noch preussisch-gefärbtes hierarchisches beamtentum, das dem zeitgeist schon seit 40 jahren nicht mehr entspricht.
einen titel haben wir : paragraphenreiter.
weltmeister sind wir darin.
und das macht alles junge dynamische zunichte.
screne (30.05.2008, 09:40 Uhr)
Sehr gut
Talentiert, fleißig, intelligent. Wenn einer den Erfolg verdient hat, dann er. Im Gegensatz zu Bill Gates, der die Basis seines Erfolgs nur eingekauft hat: DOS. Und auch den weiteren Erfolg nur kopiert hat: Windows. Was ihm an Talent, Intelligenz und Integrität gefehlt hat, machte er mit miesen Geschäftsmethoden wieder wett.
H.P. (29.05.2008, 17:49 Uhr)
Ich gönne es ihm
Man muss nicht unbedingt nach Amerika oder Silicon Valley um Erfolg zu haben. Ich gönne es ihm, ob ich unbedingt mit ihm tauschen möchte, weiß ich nicht. Mir reicht mein Leben ohne Abitur und Studium um für mich Erfolg zu haben. Wer das Beste aus dem macht was einem möglich ist hat viel geleistet.
havranek (29.05.2008, 15:56 Uhr)
Top!
Ich liebe solche Berichte, interessant zu lesen und gut geschrieben!
Und das mit den USA ist nun mal so, (Jugend-)Förderungen sind hier ein Fremdwort, zuviele alte Säcke die zuviel Respekt erwarten. Dankt mal ab, den Jungen gehört die Zukunft!
Motte07 (29.05.2008, 11:50 Uhr)
@garnet
Auch wenn wir beide wissen, dass Sie für diesen Beitrag von manchen Usern hier Ohrfeigen kassieren werden, stimme ich ihnen voll und ganz zu. Eine gelungene Kurzanalyse.
Garnet (29.05.2008, 11:29 Uhr)
Gute Leute
wandern aus.Wenn Bill Gates Deutscher gewesen waere haette es Microsoft nie gegeben. Schade das in Deutschland die Leistung bestraft wird, Elite gehasst wird, Motivation durch Steuerpluenderung abgewuergt wird und eine in der Welt wohl beispielose Neidgesellschaft gefoerdert wird. Was waere aus dem Herrn geworden waere er nicht nach den USA gegangen? In Deutschland? Nicht viel. Welche der Deutschen Universitaeten haette ihm die gleiche Ausbildung wie in den USA bieten koennen? Bis Heute- keine!
Nicht eine einzige Universitaet reicht an die Top Universitaeten in den USA, England oder Australien heran.
winston00smith (29.05.2008, 11:05 Uhr)
Sympathisch
Ein interessanter Artikel, über einen Mann der etwas aus sich gemacht hat, ohne gleich allen anderen erzählen zu müssen wie's geht.
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