25. Juli 2010, 14:29 Uhr

Absturz des Überschallfliegers

Die Concorde-Katastrophe jährt sich zum zehnten Mal. Mit dem Absturz des Überschallflugzeugs ging eine Ära zu Ende. Bis heute gibt es keine Nachfolger.

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Das Archivbild zeigt die Landung einer Concorde auf dem Flughafen Karlsruhe - Baden-Baden©

Der erste und einzige Absturz einer Concorde riss vor zehn Jahren 113 Menschen in den Tod und läutete auf tragische Weise das Ende des zivilen Überschallflugverkehrs ein. Ein Metallteil auf der Startbahn verursachte das Desaster am 25. Juli 2000, bei dem auch 97 Deutsche ihr Leben ließen.

Flugnummer AF4590 mit Ziel John F. Kennedy in New York rollt an einem warmen Dienstagnachmittag auf die Startbahn des Pariser Flughafens Charles de Gaulles. Um 16.42 Uhr erteilt der Tower die Starterlaubnis, der Pilot gibt Schub und das Flugzeug beschleunigt. Nur zwei Minuten später ist alles vorbei. Ein pixeliges Amateurvideo zeugt davon, wie die Maschine kurz nach dem Abheben von der Startbahn bereits einen riesigen Feuerschweif hinter sich herzieht. Das Flugzeug stürzt nach etwa einem Kilometer auf ein Hotel in der Ortschaft Gonesse. Alle 100 Passagiere und neun Besatzungsmitglieder kommen ums Leben. Im Hotel sterben vier, Dutzende werden verletzt.

Unheilvolle Kettenreaktion

Wie sich später herausstellte, war der rechte vordere Reifen des linken Hauptfahrwerks geplatzt. Er war beim Start über ein Metallteil gerollt, das ein zuvor gestartetes Flugzeug verloren hatte. Teile des geplatzten Reifens wurden unter die linke Tragfläche geschleudert, der Tank Nummer 5 riss auf. Das Kerosin entzündete sich. Kurz darauf erschütterte eine gewaltige Explosion die Ortschaft Gonesse. Nur wenige Minuten nach dem Absturz erreichten die ersten Rettungsfahrzeuge die Unglücksstelle. Glücklicherweise stand das "Hotelissimo" nahezu leer: Eine Gruppe englischer Touristen war noch nicht eingetroffen, als die brennende Concorde auf das Hotel stürzte, polnische Gäste waren gerade unterwegs im nahen Paris.

Auf dem Weg in den Karibik-Urlaub

Im Laufe des Tages bestätigte der schleswig-holsteinische Reeder Peter Deilmann, die Concorde sei vom deutschen Reiseveranstalter gechartert worden. Die 96 deutschen Passagiere an Bord wollten in New York auf das Kreuzfahrtschiff "MS Deutschland" umsteigen. Ziel: Florida, dann die Karibik. Bei dem 97. Todesopfer aus Deutschland handelte es sich um eine Stewardess. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte alle Termine ab und schickte Verkehrsminister Reinhard Klimmt zum Unglücksort. Zwar hob die Concorde nach umfangreichen technischen Nachrüstungen im November 2001 wieder ab, doch mangelnde Nachfrage besiegelte zwei Jahre später das endgültige Aus des Überschallflugzeugs. Nach der Ausmusterung fanden die meisten Concorde-Exemplare den Weg ins Museum.

Der Prozess um die Verantwortung

Im Februar 2010 begann in Pontoise bei Paris der Prozess um die Verantwortung für das Unglück. Angeklagt ist unter anderem die US-Fluggesellschaft Continental, von deren Flugzeug die Titanlamelle stammte, die den Reifen zum Bersten brachte. Zudem saßen zwei ehemalige Verantwortliche des Concorde-Programms und ein früherer Mitarbeiter der französischen Flugaufsichtsbehörde DGAC auf der Anklagebank: Sie sollen aus ähnlichen Vorfällen mit platzenden Reifen nicht die nötigen Konsequenzen gezogen haben. Das Urteil des Gerichts in Pontoise soll Anfang Dezember 2010 verkündet werden. Den Angeklagten drohen Geldbußen und Bewährungsstrafen.

Zwanzig Jahre Liniendienst

Die in den 60er Jahren entwickelte Concorde absolvierte 1969 ihren Erstflug. Der erste Liniendienst wurde im Januar 1976 aufgenommen. Insgesamt wurden 20 Concordes gebaut. Die französisch-britische Gemeinschaftsentwicklung war das einzige Überschall-Serienflugzeug im Liniendienst. Nur British Airways und die Air France leisteten sich das Prestigestück. Eine sowjetische Entwicklung, die TU-144, wurde nach nur kurzer Bauzeit eingestellt. Die Concorde schaffte es auf 2.2000 Stundenkilometer, war schneller als der Schall. Nur drei Stunden und 45 Minuten dauerte der Flug mit der Concorde von Paris nach New York, herkömmliche Passagiermaschinen brauchen doppelt so lang. Ein Ticket kostete damals umgerechnet mehr als 10.000 Euro. Das Flugzeug stand im Ruf, nur für die Reichen und Mächtigen abzuheben. Wirtschaftlich war das Flugzeug mit der fast mythischen Aura nie ein Erfolg: Es flog oft unterbesetzt, der Spritverbrauch war hoch. Zudem waren die Triebwerke extrem laut.

AP
 
 
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