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1. November 2007, 07:27 Uhr
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Fingerabdrücke gehen auf Reisen

Ungeachtet deutlicher Bedenken von Opposition und Experten müssen die Bürger beim Antrag auf einen neuen Reisepass von nun an Fingerabdrücke abgeben. Wie das funktioniert, was es kostet, was sich ändert.

Umstrittene Neuerung: Fingerabdrücke im Reisepass© David Hecker/DDP

Wer ab dem 1. November einen neuen Reisepass beantragt, muss sich im Einwohnermeldeamt zwei Fingerabdrücke abnehmen lassen: Die zweite Generation elektronischer Pässe soll neben den persönlichen Daten und einem digitalen Passfoto auch Fingerabdrücke enthalten. Wie ein Schwerverbrecher muss sich bei der Grenzkontrolle aber auch künftig niemand fühlen. Die Fingerabdrücke werden nur auf einem Chip gespeichert, im Pass selbst sind sie nicht zu sehen.

Reisepässe mit Chip gibt es in Deutschland bereits seit zwei Jahren. Der winzige Datenträger steckt im vorderen Umschlagdeckel und ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Bisher wurden darauf ein biometrisch erfassbares Passbild und persönliche Daten wie Name und Geburtsdatum gespeichert. Als zweites biometrisches Merkmal sollen nun auch die beiden Zeigefinger des Passinhabers eingescannt werden. Die neue Technik soll den Pass noch sicherer machen: Anhand der biometrischen Daten sollen die Grenzbeamten bei der Einreise eindeutig feststellen können, ob Pass und Person wirklich zusammengehören. Terroristen oder Kriminelle sollen künftig weder mit einem gefälschten Dokument, noch mit dem echten Pass einer anderen Person einreisen können. "Die Sicherheit hat sich um Quanten erhöht", meint Matthias Merx von der Bundesdruckerei in Berlin, wo die deutschen Pässe und Personalausweise hergestellt werden.

Erfasst werden die Fingerabdrücke elektronisch - ohne Stempelfarbe oder andere Hilfsmittel. Der Antragsteller muss seine beiden Zeigefinger lediglich auf einen kleinen Scanner legen. "Die Aufnahme der Fingerabdrücke dauert in der Regel zweieinhalb Minuten", erklärt Martin Schallbruch, IT-Direktor im Bundesinnenministerium. Wer mit einer eingegipsten Hand zur Meldebehörde kommt, bekommt zunächst nur einen vorläufigen Reisepass ohne Chip. Bei schwerer wiegenden Verletzungen oder Behinderungen können auch andere Finger als die Zeigefinger eingescannt werden - zur Not entfallen die Fingerabdrücke ganz.

Erfolgreicher Testlauf in 28 Kommunen

Mit technischen Problemen und aufgeregten Bürgern, die die Abgabe der Fingerabdrücke verweigern, rechnen die Behörden nicht. Ein erster Testlauf sei sehr erfolgreich verlaufen, berichtet Schallbruch. 28 Meldeämter testeten im Sommer mit freiwilligen Versuchspersonen, ob Scanner und Computerprogramme funktionieren. "Die Abnahme der Fingerabdrücke verlief weitgehend reibungslos", erzählt Schallbruch. "Die Bürgerinnen und Bürger sind sehr gelassen damit umgegangen."

Unter Datenschützern war die Aufregung um die Aufnahme der Fingerabdrücke dagegen groß. Besonders umstritten war, ob die digitalen Daten auch für die Sicherheitsbehörden verfügbar gemacht werden sollen. Außerdem befürchten Kritiker, dass über die Funkchips auch Unbefugte auf die Daten zugreifen können. Der Chaos Computer Club bezeichnet den E-Pass daher als "Sicherheitsrisiko" und empfiehlt, ihn in eine beschichtete Schutzhülle einzuwickeln. Pass-Experten versichern jedoch, dass komplizierte technische Sicherheitsmechanismen einen heimlichen Zugriff auf die Daten verhindern. Die Pass-Daten könnten nur mit bestimmten Lesegeräten sichtbar gemacht werden, erklärt Schallbruch. "Zum Auslesen der Fingerabdrücke braucht jedes Gerät ein Berechtigungszertifikat." Nur Staaten, die von Deutschland spezielle, zeitlich befristete Zugangsberechtigungen erhalten, können auf den Chip zugreifen. Die Daten können auch nicht aus größeren Entfernungen erfasst werden. Die Reichweite der Lesegeräte betrage maximal zehn Zentimeter, erklärt Cord Bartels vom Chiphersteller NXP. "Sie müssen den Pass schon bewusst aus der Tasche nehmen und an ein Lesegerät heranführen", sagt der Chip-Experte. Kopiert, verändert oder gelöscht werden können die Daten ebenfalls nicht: Jeder Chip wird elektronisch versiegelt.

Pass wird nicht teurer

Teurer wird der Reisepass durch die Einführung der Fingerabdrücke nicht. Ein zehn Jahre gültiger Pass kostet weiterhin 59 Euro. Für einen sechs Jahre gültigen Pass, der für unter 24-Jährige ausgestellt wird, beträgt die Gebühr 37,50 Euro. Alle bereits ausgegebenen Pässe behalten ihre vorgesehene Gültigkeit. Ein vorzeitiger Umtausch ist also nicht nötig. Die USA haben den E-Pass allerdings zur Voraussetzung für die visafreie Einreise gemacht.

Neuerung bei Kinderreisepässen

Eine Neuerung gibt es auch bei den Kinderreisepässen: Kinder können künftig nicht mehr in die Papiere der Eltern eingetragen werden - sie brauchen einen eigenen Pass. Ein elektronischer Pass mit Fingerabdrücken wird in der Regel jedoch erst für Jugendliche ab zwölf Jahren ausgestellt. Für ein kleineres Kind gibt es den elektronischen Pass nur auf den ausdrücklichen Wunsch der Eltern - bei Reisen in die USA müssten sie ansonsten ein Visum für ihr Kind beantragen. Fingerabdrücke werden allerdings erst ab dem sechsten Lebensjahr ihn den Pass aufgenommen.

Stimmen zum neuen E-Pass Für Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sind die Fingerabdrücke vor allem eine Hilfe für den Staat, "Kriminellen technologisch einen Schritt voraus zu sein". Einreise mit gefälschten Pässen und Missbrauch von Pässen ähnlich aussehender Personen sollten unmöglich werden. Die Grünen-Fachpolitikerin Silke Stokar sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die Sicherheit der Daten kann vom Staat nicht garantiert werden." Der neue Pass sei "teuer, mit hohen Risiken belastet und ohne erkennbaren Sicherheitsgewinn". FDP-Politikerin Gisela Piltz warnte, es sei "nur eine Frage der Zeit", bis Hacker die Kontrollen überwinden. Außerdem: "Früher wurden Fingerabdrücke nur von Verbrechern genommen." Der Experte der Linken, Jan Korte, sagte, aus Sicherheitsgründen würden Diplomatenpässe ohne jene Funkchips hergestellt, die den Pass für alle anderen Bürger angreifbar machten. Für den Bundes-Datenschutzbeauftragten Peter Schaar ist der neue Pass "unnötig", wie er dem Sender N24 sagte. Die Deutsche Polizeigewerkschaft begrüßte, der Bund habe die Pass-Vorgaben der EU zügig umgesetzt.

Fides Middendorf/AP
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Facti (02.11.2007, 16:36 Uhr)
Superschnell vorauseilend
haben unsere Politfuzzis den EU-Wunsch nach dem Fingerabdruckpass erfüllt. Wären sie nur einmal so schnell bei der Umsetzung von EU-Beschlüssen, die dem Bürger zustatten kommen sollen, hier verstreichen die Fristsetzungen aber immer wieder ohne Resultate. Oder, Moment mal, was haben die Lobbyisten der RFID-Chip Produzenten gespendet, um sich an ihren Schnüffelchips, gesetzlich? dem Wähler in den Pass gezwungen, eine goldene Nase zu verdienen?
Sialan (01.11.2007, 13:55 Uhr)
@ScoutHH
... dass die Bundesdruckerei nur durch den Auftrag für den neuen Pass die Pleite abwenden konnte, ist bekannt. Auch der Stern schrieb hierrüber vor einiger Zeit.
Übrigens erhielt die privatisierte Bundesdruckerei den Auftrag vom BMI o h n e Ausschreibung, wo doch sonst jedes Blatt Toilettenpapier ordnungsgemäss ausgeschrieben wird. Alles sehr merkwürdig!

ScoutHH (01.11.2007, 13:25 Uhr)
Fingerabdrücke - W A R U M ????????
Hier geht es NICHT um evtl. mehr Sicherheit - sondern um Umsatz für die Sicherheits- und Passdrucker, und zwar europaweit!
Für die (privatisierte) Bundesdruckerei war der EU-Beschluss Rettung vor der Pleite in letzter Sekunde. Aber auch die Wettbewerber wie G+D, Oberthur, De La Rue, Crane/Setc, Tumba Bruk etc, liessen die Sektkorken knallen, als die EU beschloss, Fingerabdrücke in Pässe zu speichern.
Ein gigantischer Umsatz-Jackpot, der seinesgleichen sucht, wurde hier verteilt!! Hinzu kommt die gewaltige Peripheri wie Passleser, Fingerprint-Scanner, neue Software, laufende (kostspielige) Up-Dates, Umbauten an Flughäfen und Grenzkontrollstellen, neue Netzwerke etc. etc.
Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Sicherheitsbranche Osama Bin Laden ein Denkmal setzt.
Bin mal gespannt, wie viele Tage es noch dauert, bis der CCC vor laufender Kamera den Chip knackt und die Fingerabdruckdaten (das "Bild" des Fingerabdrucks") ausliest. Spätestens dann wird Schäuble Hochdeutsch sprechen!
kralli19 (01.11.2007, 11:49 Uhr)
Tja, wie nun...???
Tja, jetzt muss nur noch eine Gesetzesinitiative her, die Ausländische Attentäter / Terroristen dazu verpflichtet, vor der Einreise einen deutschen Reisepass zu beantragen. Wär ja noch schöner, wenn die unsere Sicherheitsinitative umgehen, indem sie einfach mit einem Reisepass aus ihrem Heimatland einreisen...
Euridike (01.11.2007, 11:29 Uhr)
Big Brother
ist watchin your - Orwells utopische Phantasien sind längst Realität! Das Schlimme aber ist, es regt sich schon kaum einer mehr darüber auf, man stumpft offensichtlich langsam ab gegenüber den vielen (subtilen) Überwachungsmechanismen.
@ Ernst1: Wieso Mikrowelle????
Rotwolf (01.11.2007, 10:04 Uhr)
Wenn
man es richtig bedenkt, ist dieser E-Pass wider unseres Grundgesetzes. In dem steht, dass ich als deutscher Bürger das Recht auf freie Bewegung habe, also überall hin reisen kann wohin ich will. Das kann ich nun aber nicht mehr. Gut, es gibt genug Länder, wo mein Personalausweis reicht. Aber was ist, wenn ich in ein Land muss, in dem ich einen Reisepass brauche? Und ich in dieses Land muss, weil ich nur da etwas lernen kann was ich brauche? (Nur als Beispiel.) Mein Recht auf Bildung wird also auch eingeschränkt. ... hmm... Und außerdem, diese Dinger helfen nicht VOR Terroranschlägen oder anderen Verbrechen, sondern nur diese AUFZUKLÄREN, also wenn es schon passiert ist. Die Argumentation für diese Dinger ist also falsch! arghs
romeodelta (01.11.2007, 09:40 Uhr)
Ich denke
wir müssen uns wehren und das wird Verzicht bedeuten - Ghandi hatte damit Erfolg und ist mein Vorbild. Mir ist es wichtiger keinen Pass zu beantragen, als überall in der Welt "frei" herumreisen zu dürfen. Deutschland ist schön und groß und es gibt viel zu sehen - ich brauche die anderen Länder nicht. Übrigens ich bin ein in Deutschland seit 30 Jahren lebender Ausländer und mein Pass ist schon abgelaufen. Ich beantrage keinen neuen mit biometrischen oder sonstwas für Daten - ganz einfach.
traldors (01.11.2007, 09:21 Uhr)
Ich werde mir (...)
keinen Reisepaß in diesem Leben mehr holen. Sollen doch die "Schafe" weiterhin denken, das eine "erkennungsdienstliche Behandlung" zu Ihrem besten ist.
Das haben sich bestimmt auch auch Millionen Menschen vor 1933 gedacht haben. Die Listen, also die Listen sind doch an sich harmlos (...)
limmer (01.11.2007, 09:12 Uhr)
Wieder ein Schritt näher....
...an der übersichtlichen Speicherung der personenbezogenen Daten eines ganzen Volkes. Diese Verlogenheit und Verharmlosung geht mir gewaltig auf den Zeiger. Datenschützer waren davor, werden aber von den Verantwortlichen nicht mehr ernst genommen. Und was machen wir dann wieder, wir akzeptieren es. In vernetzten Systemen ist die Weitergabe von Daten der Bürger dann ein Einfaches. Und ein BKA freut sich schon jetzt darauf, Fingerabdrücke aller Bürger abspeichern zu können. Das muss ja nicht offiziell passieren. Mir soll mal einer beweisen, daß es so nicht ist. Den Verantwortlichen glaube ich keine Silbe mehr ! Die Fakten wie von chris_le beschrieben, zeigen es doch auf !
Ernst1 (01.11.2007, 09:05 Uhr)
Mein Reisepass landet erst mal in der Mikrowelle
oder ich werde einen Reisepass ohne Fingerabdrücke beantragen. dann stelle ich halt ein Visum, wenn ich unbedingt in dieses Land muss. Und diese Ausweise sollen fälschungssicher sein. Ich lache mich tod.
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