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14. November 2007, 16:32 Uhr

In Hamburg wird doch per Hand ausgezählt

Bei der Bürgerschaftswahl im kommenden Februar müssen die Hamburger anders als ursprünglich geplant nun doch auf konventionelle Weise ihre Kreuze machen. Der so genannte digitale Wahlstift, ist nicht mehr als offizielles Wahlgerät möglich - aufgrund von Sicherheitsbedenken.

Die digitale Wahlstift sollte per eingebauter Kamera das Kreuzchen erfassen© Kay Nietfeld/DPA

Es sollte eine Hightech-Auszählung werden - aber nun müssen Tausende von Wahlhelfern doch wieder mühsam Hand anlegen. Der digitale Wahlstift, den der Hamburger CDU-Senat als technische Revolution zur Bürgerschaftswahl am 24. Februar 2008 präsentieren wollte, wird nun höchstens als Hilfsmittel eingesetzt. Zu groß waren die Bedenken von Experten und Politikern, dass bei der bundesweiten Premiere mögliche Sicherheitslücken im System das Vertrauen der Wähler in die Abstimmung erschüttern könnten. "Definitiv kann man davon ausgehen, dass der Wahlstift als Regelinstrument vom Tisch ist", sagt der Verfassungsexperte der CDU- Fraktion, Kai Voet van Vormizeele.

Dabei hatte der Senat voll auf die elektronische Zählung gesetzt, denn das neue Hamburger Wahlrecht ist kompliziert. Bei einer Wahlbeteiligung von 70 Prozent, wie zuletzt, kämen 9,6 Millionen Stimmen zusammen. Der Wahlstift, der einem Kugelschreiber gleicht und per eingebauter Infrarotkamera die Kreuzchen auf den Stimmzetteln registriert, sollte laut Innenbehörde dennoch schon am Wahlabend ein Endergebnis liefern.

Aber Experten vom Chaos Computer Club demonstrierten öffentlichkeitswirksam wie Wahlfälscher den Wahlvorgang manipulieren könnten. Bei einer Anhörung von Fachleuten im Verfassungsausschuss legten die Kritiker nach. Von einem "fahrlässig niedrigen Sicherheitsniveau" sprach etwa Klaus Brunnstein, Professor der Hamburger Uni.

"Noch kein vollwertiges Wahlgerät"

Die GAL-Fraktion sah sich bestätigt. Auch die SPD rückte von dem Wahlstift ab. Er sei "noch kein vollwertiges Wahlgerät" für den Einsatz schon im Februar 2008. Die CDU, die das neue System nur im Konsens wollte, musste ihr ursprüngliches Vorhaben aufgeben. Doch noch hat der Wahlstift die Chance auf einen kleinen Einsatz.

"Als Hilfe würden wir ihn gerne haben", sagt Ralf Kunz, Sprecher des Landeswahlamtes. Auch dann aber wäre die Auszählung ein großes logistisches Problem. Rund 11.000 Wahlhelfer stehen zur Verfügung. Das Amt jedoch braucht jetzt 15.000, um in drei bis vier Tagen durchzukommen. Schulen oder Kindergärten sind aber nur am Sonntag als Wahllokal zu haben, also müssten danach Hallen gemietet und bewacht werden. Am Wahlabend wären zumindest die Mehrheitsverhältnisse im Rathaus klar, verspricht Kunz. Wann ein amtliches Endergebnis vorliegen wird, kann er nicht sagen. "Wie wir das bewältigen, können wir uns im Moment noch nicht vorstellen."

Die Sorgen des Wahlamts mindern könnte der Verfassungsausschuss. Der will am Freitag entscheiden, ob der schon jetzt 4,5 Millionen Euro teure Wahlstift parallel zur Handzählung zumindest als zusätzliche Hilfe eingesetzt wird. Farid Müller von der GAL fordert auf jeden Fall "eine gewisse Grundsicherheit für das Ding", auch wegen denkbarer Wahlanfechtungen. Die SPD könnte sich einen Einsatz in einigen Wahllokalen vorstellen, gedacht als Test für die Zukunft. "Ich will den digitalen Wahlstift nicht in die Ecke stellen und sagen, das geht nie", meint SPD-Verfassungsexpertin Barbara Duden.

Stichwort: Digitaler Wahlstift Hamburgs neues, kompliziertes Wahlsystem sollte eigentlich unter Einsatz eines digitalen Wahlstifts praktikabel gemacht werden. Die Nutzung moderner Technik war für nötig befunden worden, um das vollständige Wahlergebnis noch am Wahlabend ermitteln zu können. Eine kleine Kamera im digitalen Wahlstift sollte die angekreuzten Wahlvorschläge anonym speichern. Dann sollte der Datensatz über eine feste Leitung auf einen PC übertragen werden. Immer mehr Experten äußerten in den vergangenen Wochen Bedenken gegen den Stift, weil Manipulationen nicht ausgeschlossen werden könnten.

DPA
 
 
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