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14. März 2009, 17:03 Uhr

Die Kamera im Augapfel

Der kanadische Dokumentarfilmer Rob Spence will sich sein zerstörtes rechtes Auge durch eine Miniaturkamera ersetzen lassen und diese zum Filmen benutzen. Familie und Freunde sind skeptisch, und auch Datenschützer sehen Probleme. Genau das soll das Thema der Dokumentation werden.

Rob Spence, Auge, Kamera

Rob Spence zeigt die Mini-Kamera, die in eine Augenprothese eingebaut wurde© Virginia Mayo/AP

Ein einäugiger Dokumentarfilmer aus Kanada hat für seine Arbeit eine ganz neue Perspektive gefunden: Für künftige Aufnahmen will er seine Kamera nicht mehr vor sich tragen, sondern eine Miniaturversion in seine Augenprothese einsetzen lassen. Dies wird es ihm ermöglichen, die Welt im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Auge des Betrachters festzuhalten, wie Rob Spence auf einer Konferenz über elektronische Medien in Brüssel erläuterte.

Die winzige Kamera wurde ursprünglich für Darmspiegelungen entwickelt. Die Herstellerfirma OmniVision aus Kalifornien zeigte sich von Spences Idee begeistert und passte sie für sein Projekt an. Darin sehe man ein gutes Potenzial für die Zukunft, sagt Produktmanager Zafer Zamboglu. Demnach ist es zweifellos eine Herausforderung, alle elektronischen Einzelteile der Kamera so in einem Glasauge zu verstauen, dass nach außen hin nichts davon sichtbar ist.

Rob Spence, Auge, Kamera

Spence setzt das Kameraauge ein. Sein Umfeld ist nicht begeistert© Virginia Mayo/AP

Die Idee zu dem Projekt kam Spence nach eigenen Angaben ganz spontan, als er einmal auf die winzige Kamera seines Handys schaute. Der Filmemacher war in den 70er Jahren ein großer Fan der US-Serie "Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann", die ein Jahrzehnt später auch im deutschen Fernsehen zu sehen war. Darin verfügt ein Mann dank einer teuren Operation nach einem Flugzeugabsturz über ein bionisches Auge. Dieser Gedanke hat Spence, dessen rechtes Auge bei einem Schießunfall in seiner Kindheit beschädigt und vor drei Jahren entfernt wurde, niemals losgelassen. "Als Dokumentarfilmer sucht man ja den unmittelbaren Kontakt zu den Menschen, über die man berichtet", sagt er. "Und natürlich gibt es keinen besseren Kontakt als eben den Augenkontakt." Aus dieser Perspektive heraus einen Dokumentarfilm zu drehen, könnte das Genre geradezu revolutionieren.

Furcht vor Überwachungsgesellschaft

Es gibt allerdings auch ethische Bedenken. Wenn die Kamera im Augapfel wirklich funktioniert, dann könnte Spence praktisch zu allen Zeiten Aufnahmen machen, ohne dass sich sein Gegenüber darüber im Klaren wäre. Damit werde das Auge des Betrachters praktisch zum Spion, warnt Marc Rotenberg vom Washingtoner Informationszentrum zum Schutz der Privatsphäre im Elektronikzeitalter. Viele Befragte stimmten mit Rotenberg darin überein, dass sie sich sehr unwohl fühlten bei dem Gedanken, auf diese Weise beobachtet zu werden.

Spence zeigte sich über solche Bedenken eher überrascht. Die Menschen würden tagtäglich an allen möglichen Orten von tausenden versteckten Kameras beobachtet, doch dies scheine sie weniger zu stören als die Kamera in seinem Auge. Allerdings räumt er ein, dass seine Freunde und Bekannten sichtlich nervöser werden, je näher die Umsetzung seines Vorhabens rückt. Sie hätten Angst, ständig gefilmt zu werden, und hätten schon angedroht, ihn dann nicht mehr treffen zu wollen. Deshalb will Spence genau diese Ängste zum Thema seiner künftigen Dokumentation machen und einen Film über die weit verbreiteten Überwachungsanlagen drehen. Er werde mit der Kamera im Auge die Überwacher überwachen und eine Antwort auf die Frage suchen, "ob wir schlafwandlerisch in eine Überwachungsgesellschaft wie in Orwells Roman '1984' schlittern".

Holly Fox/AP
 
 
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