7. Mai 2006, 08:39 Uhr

Auf Sieg programmiert

Warum bringen Forscher Robotern das Fußballspielen bei? Nicht nur, um bei der Robocup-WM in Bremen zu siegen. Es geht um unsere Zukunft. Von Sven Stillich

Die Roboterfußballer aus Freiburg: Konstrukteur Michael Schreiber (l.), Teamleiter Sven Behnke und Programmierer Jörg Stückler (r.)©

Langsam bewegt sich Jupp in Position hinter den Ball. Wie in Zeitlupe setzt er einen Fuß vor den anderen, dreht langsam den Körper, holt schließlich mit dem Bein aus. Jupp ist Fußballroboter - und er will ein Tor schießen. Leise surren die Elektromotoren in seinen 19 Gelenken. "Die Hüfte neigt sich, das Fußgelenk wird angewinkelt, außerdem müssen die Arme das Gleichgewicht halten", kommentiert Michael Schreiber, der den Roboter konstruiert hat. Schließlich schießt Jupp, der Ball kullert los. Tor!

Der 28-jährige Schreiber ist Mitglied der Roboter-Arbeitsgruppe der Uni Freiburg, die seit zwei Jahren Fußballroboter baut. Zurzeit trainiert die Mannschaft rund um Teamleiter Sven Behnke besonders hart. Sie bestreiten Testspiele, sie schrauben und programmieren, sie sind bei den "Dutch Open" in Eindhoven angetreten - und haben gewonnen. Doch zählt das alles nichts, wenn Jupp und seine Kameraden Sepp und Max am 14. Juni nicht fit sind. Denn dann sollen die Roboter bei der Robocup-WM in Bremen den Titel holen. Dann muss bei den gerade mal 60 Zentimeter großen Kickern Jupp und Sepp alles zusammenspielen: die mechanischen Beine und Arme, die Kamera in der Höhe des Kehlkopfs, der Minicomputer auf dem Rücken. Dann müssen die Freiburger Spieler mit ihrer eingebauten künstlichen Intelligenz ganz alleine entscheiden, wie sie sich auf dem Platz verhalten und die beiden gegnerischen Roboter austricksen. Egal, ob Angriff oder Abwehr: Kein Schöpfer hilft ihnen dabei vom Spielfeldrand - die Forschung endet mit dem Anpfiff, danach übernimmt der Computer im Roboter alleine die Regie.

Der Torschuss ist eine komplexe Bewegung, die alle Gelenke beansprucht©

Jede Bewegung - eine Herausforderung

Das Problem: Alles, was für Menschen selbstverständlich ist, müssen die Freiburger Forscher den Robotern mühsam beibringen und in ihre kleinen Elektronenhirne programmieren. Laufen und das damit verbundene Halten des Gleichgewichts auf zwei Beinen ist beim Menschen ein unbewusster Vorgang - für Roboterbauer aber eine enorme Herausforderung. Da ist es schon ein Riesenschritt, wenn ein Roboter, der im Spiel umfällt, aufstehen kann, ohne dass ein Mensch dabei nachhelfen muss.

"Sehen" ist die nächste Hürde: Menschen nehmen die Welt wahr, ohne ständig bewusst darüber nachzudenken. Wir wissen, wo wir uns befinden und in welche Richtung wir schauen. Doch für Roboter ist das so schwer, dass die Regeln für die Fußballwelt des Robocup ganz klar sein müssen: Die Maschinen sehen den 4,5 mal 3 Meter großen Fußballplatz durch eine Kamera im Kopf, aber sie begreifen nicht, was sie sehen. "Sie wissen nur, dass der Platz grün ist und der Ball orange. Das eine Tor ist blau und das andere gelb, dazu sehen sie Eckpfosten und Seitenlinien - und daraus berechnen sie ihre Position und die Blickrichtung", erklärt der 34-jährige Sven Behnke. Die Tücke: Alles Orange ist für sie ein Ball, alles Blaue ein Tor: "Es sind schon Zuschauer mit dem Ball verwechselt worden, weil sie ein orangefarbenes T-Shirt anhatten."

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 18/2006

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