Der Milliardär mit der Röhren-Rakete

13. August 2013, 17:40 Uhr

Die Elektroautos von Tesla und das Raumschiff Space X führen die Großindustrie vor. Jetzt soll der "Hyperloop" den Bahnverkehr revolutionieren. Elon Musk macht aus Visionen funktionierende Technik. Von Gernot Kramper

Elon Musk, Tesla, Hyperloop, Space X

Elon Musk sucht die Herausforderung, und nun ist das Transportwesen dran.©

Elon Musk ist der Mann, der die Reisenden in ein Projektil namens Hyperloop stecken und dann mit Überschallgeschwindigkeit durch eine Röhre schießen will. Ein visionäres, ein mutiges Projekt. Mutig war Elon Musk schon als Teenie. Mit 16 Jahren verließ er Südafrika, um den verhassten Wehrdienst zu entgehen. Als junger Mann trat er sein Studium in Stanford nicht an und gründete lieber ein Garagen-Start-up, das er für einen damaligen Sensationspreis an Compaq verkaufte. Sein Vermögen machte er als Internetunternehmer. Schließlich entwickelte er das Online-Bezahlsystem Paypal, das für 1,7 Milliarden Dollar an Ebay verkauft wurde. Elon Musk hielt damals über zehn Prozent der Anteile.

Dann kam die große Wende: Musk fing nicht an, Apps zu entwickeln, oder aber - wie viele andere reich gewordene Internetpioniere - kleine Start-ups zu kaufen, aufzubauen und wieder zu verkaufen. Reine Vermögensmaximierung ist ein zu dröges Geschäft für jemanden wie Elon Musk.

Er wollte etwas bewegen, und das nicht nur auf dem Handy-Bildschirm. Also wechselte er von den Start-ups und Softwareschmieden in den Bereich Technik. Die Überraschung: Musk war auch in der Old Economy erfolgreich. In wenigen Jahren lieferte er zwei bahnbrecherende Innovationen ab: die Elektrosportwagen von Tesla und das private Raumschiff Space X.

Musk ist ein Entertainer. Er ist in Hollywood und in den Klatschspalten zu Hause. Seine Visionen und seine Klappe sind immer noch eine Nummer größer als seine Leistungen, was diese jedoch nicht mindert. Mit den Elektroautos von Tesla und mit dem Unternehmen Space X hat der Außenseiter zwei Großindustrien deklassiert. Der Tesla S war 2008 das erste Elektroauto mit den Leistungen eines Sportwagens und er ist dabei nicht teurer als ein Porsche. Erst jetzt, mehr als fünf Jahre später, stellt mit BMW ein Autohersteller etwas Vergleichbares als Serienmodell vor. Die Raumfahrindustrie traf Musk an ihrer schwächsten Stelle: den ausufernden Kosten der Staatsunternehmen. Space X ist zu einem Drittel der Kosten in das Weltall vorgestoßen, die die Nasa benötigt hätte. Musk will damit die Raumfahrt erschwinglich machen.

Beide Firmen wurden nicht von Musk gegründet. Als er sie übernahm, steckten sie in ernsten Schwierigkeiten. Er schaffte es, aus hoffnungsvollen Visionen funktionierende Technik zu machen. Das gelang mit bescheidenen Mitteln. Elon Musk ist reich, doch im Vergleich zur Auto- und Raumfahrtindustrie ein Underdog. Dafür stimmt bei ihm das Unterhaltungsprogramm. Musk verspricht nicht nur Flüge in die Umlaufbahn der Erde, die er vermutlich bald anbieten wird. Zusätzlich heizt er die Phantasie an. Interplanetar darf es schon sein, und auch die Besiedelung des Mars steht auf seinem Programm.

Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er sich im Klein-Klein verliert. Er hat die großen Menschheitsaufgaben im Visier. Und dafür gibt er alles. Musk investiert nicht nur kleine Dosen seines Kapitals, er geht voll ins Risiko. Er ist der Mann, der alles wagt. Darum liebt ihn die Öffentlichkeit. In Tesla, so vertraute er US-Medien an, habe er zwischenzeitlich seine letzten Millionen investiert. Während der Scheidung von seiner Frau Justin 2010 gab er an, er habe überhaupt kein Bargeld mehr und müsse von Notdarlehen seiner Freunde leben. Das ist vorbei. Dank des Kursanstiegs von Tesla ist Musk zumindest wieder 7,7 Milliarden Dollar schwer.

Elon Musk, Tesla, Hyperloop, Space X

Viel Platz gibt es nicht im "Hyperloop".©

Mit so viel Geld im Rücken wird es Zeit für den nächsten Schritt: Nach Pkw und Raumfähren nimmt er nun den öffentlichen Bahnverkehr ins Visier. Sein "Hyperloop" rast nicht auf Schienen sondern in einer Röhre. Transportmittel mit Röhren geistern seit Ewigkeiten durch Zukunft-Romane und James-Bond-Filme. Aber schon ein erster Blick auf das Projekt zeigt das einzigartige Talent des 42-Jährigen, Science-Fiction mit praxisgerechten Lösungen zu verbinden. Anders als der deutsche Transrapid verlegt der "Hyperloop" keine teure Induktionstechnik in der ganzen Röhre. Mit Induktionstechnik wird die Kapsel beim Start auf Geschwindigkeit gebracht und an einzelnen Stationen wieder beschleunigt. Auf der Strecke hält Luftdruck das Tempo der Kapsel. Das hört sich nach Zukunftsmusik an, doch die Technik des "Hyperloop" kann auf bewährte Komponenten zurückgreifen. Kompressionsstationen und Röhren sind in Gaspipelines weltweit in Betrieb. Anstelle von Erdgas soll nun eine kleine Kapsel befördert werden.

Von Tesla hat der Unternhemer gelernt, überflüssiges Gewicht über Bord zu werfen. Es ist lange bekannt, dass Leichtbau der Schlüssel zum schnellen und umweltfreundlichen Transport ist. Aber andere doktern nur an den Auswüchsen herum, versuchen die alten Konzepte mit Aluminium und Carbon etwas leichter zu machen. Nur ein Querdenker wie er ist bereit, alles, was vorher zum Thema Eisenbahn dazugehörte, einfach wegzulassen. Die Kapsel des "Hyperloops" besitzt bei weitem nicht die Masse und Größe eines Zugabteils, es ist eher ein Projektil, in dem die Reisenden in Liegesesseln untergebracht werden.

Mit dem "Hyperloop" und dem geplanten Tesla für Normalverdiener wird das Transportwesen in Richtung Nachhaltigkeit umgekrempelt: Im sonnigen Californien läuft der "Hyperloop" natürlich mit Solarenergie.

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