Sie sind drei Fußballfelder lang, 50 Meter breit und haben Energie für 34.000 Haushalte an Bord: Flüssiggas-Tanker. Erdgas könnte so wichtig werden wie Öl. stern.de hat sich daher die riesigen LNG-Tanker einmal näher angeschaut. Von Udo Lewalter

Die Inigo Tapias ist mit riesigen Membrantanks ausgestattet© Navantia
Nach Meinung von Experten ist Erdgas die am schnellsten wachsende Energiequelle der kommenden 20 Jahre. Bis 2020 soll der Rohstoff bereits ein Viertel des weltweiten Energiebedarfs decken. Die Vorräte geben das her: Schätzungen der unabhängige Forschungsorganisation U.S. Geological Durvey zufolge werden die globalen Reserven bei heutigem Verbrauch erst in etwa 150 Jahren erschöpft sein.
Den Weg nach Deutschland findet Erdgas bislang ausschließlich über Pipeline-Leitungen; mehrere 1000 Kilometer lange Röhrensysteme, die durch eine Vielzahl von Staaten verlaufen. Der größte Anteil kommt dabei aus Russland und Norwegen. Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland hat jedoch jüngst gezeigt, dass dieser Transportweg Risiken birgt, die eine stetige Gasversorgung gefährden können. Um die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu verringern, könnte verflüssigtes Erdgas zukünftig eine wichtige Rolle spielen - das so genannte LNG (Liquefied Natural Gas).
Erdgas galt lange Zeit als eine rein regionale Energiequelle. Ausschließlich über Pipeline-Systeme gelangte es zum Kunden. Dank neuer Technik wurde aus dem gasigen Rohstoff in den vergangenen fünf Jahrzehnten eine zunehmend globale Energie-Option, ähnlich wie Öl. Komprimiert und verflüssigt wird das Gas in den Bäuchen von Ozeantankern verschifft. Die erste Ladung von 5000 Kubikmetern LNG wurde 1959 an Bord des umgebauten Tankers "Aristotle" über den Atlantik befördert. Seither ist Erdgas eine zunehmend wettbewerbsfähige Energiequelle, besonders in den Schwerpunktmärkten Asien, Europa und den USA.
Aufgrund der Insellage setzte Japan als erster Staat auf den Import von verflüssigtem Erdgas über den Seeweg. Von Alaska aus wurde der Rohstoff in Tankern in die Hafenstadt Kobe geliefert. Mitte der sechziger Jahre begannen auch die USA und Frankreich mit dem Import von LNG, aus Algerien.
Durch die Ölkrise 1972 erfuhr das flüssige Gas einen Boom. Neben Frankreich, Amerika und Japan setzten viele europäische Staaten auf Gas. In vielen Häfen wurden spezielle Anlagestellen errichtet, in denen die Ladung der Erdgastanker entnommen werden konnte.
Woher stammt das Erdgas? Die größten Ergaslieferanten sind Algerien, Indonesien, Malaysia, Iran und seit einigen Jahren auch Katar. Die Hauptförderländer befinden sich in den warmen Regionen. Hier lässt sich das Gas mit geringem Aufwand zu Tage fördern. Auch rund um den Polarkreis und in Russland lagern riesige Mengen von Methan. Allerdings gestaltet sich der Abbau dort aufgrund von Schnee, Dauerfrost, Regen, Dunkelheit und Stürmen technisch als sehr schwierig und größtenteils somit unrentabel. Wie das Gas aus der Erde kommt Ist ersteinmal ein Gasspeicher in der Erde angezapft, sind zur Förderung keinerlei Pumpen nötig. Dank des hohen Drucks, der in der Lagerstätte herrscht, fließt das Methan in einer Gassäule, die während des Bohrvorgangs in den Speicher eingeführt wird, automatisch zu Tage.
An der Oberfläche wird das Gas in einer Entschwefelungsanlage gereinigt. Herausgefiltert werden Stickstoffe, Kohlendioxid, Edelgase und Wasser. Erst wenn am Ende das Gemisch zu mehr als 90 Prozent aus Methan besteht, darf es sich Erdgas nennen.
Nach Reinigung wird es auf minus 162 Grad Celsius heruntergekühlt. Ab dieser Temperatur verändert Methan seinen Zustand, es wird flüssig. Der Effekt: Erdgas verkleinert sich auf ein Sechshundertstel seines Volumens. So schrumpfen 600 Kubikmeter Gas auf einen Kubikmeter LNG. Im Anschluss wird die eisige Flüssigkeit in so genannte "Trains", riesige Lagerkomplexe, geleitet und dort gelagert.
Der Schatz aus der Tiefe Erdgas ist ein Naturgas, das vor ungefähr 600 Millionen Jahren entstanden ist. Zurzeit sind Vorkommen bis zu einer Tiefe von 7000 Meter bekannt. Weltweit gibt es unzählige Erdgasquellen. Jedoch ist der Aufbau eines Gasfeldes nur in Gebieten rentabel, die einen sehr großen Vorrat des Rohstoffs bieten. Mindestens zwei Jahrzehnte muss ein Feld betrieben werden, um die Millionen schweren Kosten für den Aufbau der Anlage wieder einzufahren. Daher werden zumeist langfristige Verträge mit den Abnehmern abgeschlossen. Mindestlaufzeiten von 20 Jahren sind die Regel.