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15. September 2005, 18:16 Uhr

Den Deutschen soll das Lachen vergehen

Ab 1. November enthalten alle in Deutschland ausgestellten Reisepässe erste biometrische Merkmale, die aus dem Passfoto gewonnen werden. Doch damit die Kontrolle der Gesichtsdaten funktioniert, sollen die Deutschen möglichst ernst gucken.

Otto Schily präsentiert einen Reisepass mit biometrischen Merkmalen - und empfiehlt einen neutralen Gesichtsausdruck beim Foto© Marcus Brandt/DDP

Bürger, für die in Zukunft ein neuer Reisepass fällig wird, sollten nach dem Willen des Bundesinnenministeriums eine Regel beherzigen: Bitte nicht lächeln! Auf dem Foto für den neuen mit biometrischen Daten angereicherten Reisepass muss das Gesicht einen möglichst neutralen Ausdruck zeigen, teilte das Ministerium in Berlin mit. Das Bild wird nicht nur im Original in den Pass geklebt, sondern auch als digitale Datei in einem Chip gespeichert. Computer können dieses Bild dann mit Polizei-Dateien abgleichen. Lächeln würde die automatische Gesichtserkennung erschweren.

Auch die Briten sollen auf ihren Passfotos künftig nicht mehr lachen oder grinsen. Das britische Innenministerium erklärte, die neuen biometrischen Lesegeräte funktionierten am besten, wenn die Person auf dem Foto den Mund geschlossen halte.

Die computergestützte Gesichtserkennung wird von 2006 an in Deutschland zur Überprüfung von Ausländern eingesetzt, die ein Visum für Deutschland beantragen. Terrorismus-Verdächtige könnten damit besser ermittelt werden, sagte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) am Donnerstag in Köln. Das Bundesverwaltungsamt hatte die Gesichtserkennung getestet, die Anfang nächsten Jahres in den Alltagsbetrieb geht. "Damit ist Deutschland ein Spitzenreiter auf diesem Gebiet", sagte Schily.

Straffere Kontrolle bei Einreiseanträgen

Im Terrorismusbekämpfungsgesetz war festgelegt worden, dass die Visadatei im Bundesverwaltungsamt zur Entscheidung über Einreiseanträge verwendet wird. Computer suchen künftig nicht nur nach ähnlichen Namen, sondern auch nach Ähnlichkeiten mit Gesichtern früherer Antragsteller. Damit soll verhindert werden, dass Visa an Ausländer vergeben werden, gegen die in Deutschland etwas vorliegt. Außerdem soll die Polizei anhand der Dateien überprüfen können, ob ein Ausländer ein gültiges Visum besitzt.

Das Bundesverwaltungsamt speichert bereits seit 2003 die Bilder aller Visumantragsteller. Jährlich werden dort 2,7 Millionen Visumanträge bearbeitet, die in 186 deutschen Botschaften und Konsulaten in aller Welt gestellt werden.

Gesichtsmerkmale wie der Abstand von Mund, Augen, Nase, Stirn und Kinn sind bei jedem Menschen anders, ähnlich wie der Fingerabdruck oder das Muster der Iris im Auge. Sie können von Kameras erfasst und von Computern wieder erkannt werden.

Neue Pässe ab November

Die neuen deutschen Reisepässe werden ab 1. November ausgegeben und enthalten zunächst die Gesichtsdaten. Wegen der neuen Technik kosten die Pässe künftig 59 statt bisher 26 Euro. Von 2007 an kommen auch die Daten von zwei Fingerabdrücken hinzu. Später könne auch das Muster der Iris auf dem Pass-Chip gespeichert werden, sagte Schily. Eine Kombination verschiedener biometrischer Merkmale bringe die besten Ergebnisse.

Datenschützer hatten kritisiert, dass die biometrische Identifizierung technisch noch nicht ausgereift sei. Hartmut Koschyk, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sagte, Schily habe keine Kosten-Nutzen-Analyse erstellt. Es sei nicht hinnehmbar, dass Kosten in unabsehbarem Umfang ohne entsprechenden Sicherheitsgewinn entstünden.

DPA/AP
 
 
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