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16. Juli 2007, 10:37 Uhr

Trocken und überwacht

In einem Stadtteil von Philadelphia kann man sich kostenlos einen Regenschirm leihen, wenn man von schlechtem Wetter überrascht wird. Ein Preis wird doch fällig: Mithilfe der RFID-Technologie wird erfasst, wo sich der Schirm - und sein Träger - herumtreiben. Von Matthias Lauerer

Zoom

Ein kostenloser Schirm im Notfall ist verlockend© Arno Burgi/DPA

Es regnet in Philadelphia. Sie stehen im Stadtteil Fairmont und wollen nicht nass werden. Wo bekommen Sie jetzt nur einen Regenschirm her? Hilfe ist nah. Das junge Startup-Unternehmen "The Dutch Umbrella" hatte eine Idee. In bislang sechs beteiligten Geschäften lassen sich kostenlos Regenschirme ausleihen, die sich nach dem Regenguss auch in einem anderen Laden zurückgegeben lassen. Ob bei "Brigids", bei "Fairmont Framing" oder im "Trio-Restaurant" - die Idee vereint Service mit cleverem Marketing. Denn die in einem Stadtteil Phillies verbreiteten Regenschirme haben es in sich: Im Knauf der 100 im Umlauf befindlichen Regenschützer arbeitet ein RFID-Chip.

Mit der in den 1940er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfundenen und in den 1980er Jahren eingeführten Radiofrequenz-Identifikations-Technologie (RFID) lassen sich Daten mittels Funk über eine Distanz von bis zu zehn Metern übertragen. In PKW nutzt man die Technologie bei Wegfahrsperren schon seit Jahren. Der Schlüssel identifiziert sich im Schloss mittels RFID. Stimmen die Informationen, dann startet der Motor. Sind sie jedoch falsch, so geschieht nichts. In Deutschland ist die Technologie umstritten, Datenschützer sehen Gefahren durch Überwachung. Unternehmen wie die Metro AG hingegen feiern eine deutlich effizientere Logistik, die Waren mit RFID einfacher und besser als mit dem altbekannten Barcode ortbar macht.

Schirme mit Gedächtnis

In den USA wird Technik, die existiert und funktioniert, wesentlich unbekümmerter benutzt. Durch die RFID-Sender in den Schirmen lässt sich ihr Aufenthaltsort - in welchem teilnehmenden Shop sie sich wann befanden - nachvollziehen. Daraus lassen sich Bewegungsmuster der Nutzer ableiten. "Dutch Umbrella" erfasst diese Daten, bereitet sie auf und stellt sie seinen Kunden zur Verfügung. Die Informationen eignen sich dann wiederum für gezielte und personalisierte Werbung. Angenommen, ein Restaurantbesitzer erfährt auf diese Weise, dass viele seiner Gäste vorher im Museum waren - dann wäre es sinnvoll dort Werbung anzubringen. 100 Dollar im Monat kostet die beteiligten Unternehmen der Service. Dafür druckt das Regenschirm-Unternehmen auch die Firmen-Logos auf die Schirme.

Ein Barkeeper kam auf die Idee

Ausgedacht hat sich die Idee übrigens ein Barkeeper. Oft sah er seine Kunden nass in seinem Laden stehen, weil sie ihre Schirme vergessen hatten. Warum also nicht einen kostenlosen Regenschirm-Service erfinden? Gesagt, getan. Ein Kunde brachte ihn auf den Namen. Der fragte, ob das System so wie bei den Fahrrädern in Holland funktionieren sollte. Und das sollte es! Auch wenn bislang nur sechs Geschäfte am Projekt des "Holländischen Regenschirmes" teilnehmen: Die Idee könnte sich herumsprechen. Und vielleicht findet sich ja eine deutsche Stadt wie Dortmund, in der dies funktionieren könnte. Denn dort scheint die Sonne am wenigsten in Deutschland. Und Schirme sind somit ein "Must have" beim Stadt-Einkaufsbummel.

Von Matthias Lauerer
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