Flaute auf hoher See

3. Februar 2008, 12:14 Uhr

Windenergie ist eine der Branchen mit dem weltweit dynamischsten Wachstum. Ihre Zukunft liegt vor allem auf See. Denn in Offshore-Windparks lässt sich viel Energie gewinnen. Zwar sind deutsche Anlagenbauer weltweit führend, doch im eigenen Land herrscht noch immer Flaute.

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Dänemark macht's vor: So wie vor Esbjerg soll es auch einmal an deutschen Küsten aussehen©

Bisher gibt es keinen einzigen Windpark vor deutschen Küsten. Das soll sich aber noch in diesem Jahr ändern. Europaweit waren im Jahr 2007 Offshore-Windparks mit einer Leistungskapazität von insgesamt 1.012 Megawatt (MW) in Betrieb, wie eine Marktstudie der KPMG im Auftrag des Wirtschaftsverbands Windenergie (WVW) zeigt. An der Spitze liegen demnach Dänemark, Großbritannien, die Niederlande und Schweden, Deutschland liegt ganz am Ende.

Entgegen früherer Prognosen der Bundesregierung drehen sich hierzulande erst zwei Testräder - eines im Rostocker Hafen und eines rund 100 Meter vor Emden. Die aktuelle Zielsetzung sieht nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur (dena) vor, bis 2011 rund 1.500 MW Offshore-Leistung zu erzielen.

Zwölf Windräder bis zum Herbst

Bis 2030 sollen zirka 15 Prozent des heutigen Stromverbrauchs aus Anlagen auf See stammen. "Die Windverhältnisse auf See sind wesentlich günstiger als an Land", sagt der Projektleiter Regenerative Energien der dena, Albrecht Tiedemann. Die erwartete Volllast sei mit 4.000 bis 4.500 Stunden pro Jahr zwei- bis drei Mal so groß wie bei herkömmlichen Anlagen. Der erste deutsche Offshore-Windpark, das 45 Kilometer vor Borkum gelegene Testfeld "Alpha Ventus", soll im Sommer 2009 in Betrieb gehen.

Schon in diesem Herbst sollen sich die ersten der insgesamt zwölf Windräder drehen. Für dieses Projekt schlossen sich die sonst konkurrierenden Anlagenbauer Repower und Multibrid mit den Energiekonzernen Vattenfall und E.ON sowie dem norddeutschen Versorger EWE zur Stiftung Offshore Windenergie zusammen. "Ich erwarte, dass neben den großen Energiekonzernen weitere unabhängige Investoren auf die Offshore-Windenergie in Deutschland setzen werden", sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller, Mitte Januar anlässlich der Präsentation des Windparks "Borkum West II", der von kommunalen Versorgungsunternehmen umgesetzt wird.

Bau nur weit vor der Küste möglich

Das erste gewerbliche Großprojekt mit 80 Windrädern soll 2010 in Betrieb gehen und rund 1,2 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr liefern. Dies würde den Bedarf von mehr als 300.000 Haushalten decken. Als Grund dafür, dass die Investitionen bisher fast ausschließlich ins Ausland geflossen sind, nennt der WVW die günstigeren ökonomischen Rahmenbedingungen. Bau und Instandhaltung seien in deutschen Gewässern viel teurer, sagt Sprecher Rainer Heinsohn. Denn hierzulande dürfe erst jenseits der als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Wattenmeere und der Seeschiffahrtsstraßen 35 bis 50 Kilometer vor der Küste und damit in einer Wassertiefe von 25 bis 30 Metern gebaut werden. In anderen Ländern sei dies küstennah möglich.

Erschwerend hinzu kommen laut WVW die niedrigen Einspeisevergütungen: In Großbritannien beispielsweise liege die Vergütung bei 15 bis 16 Cent pro Kilowattstunde. Bei den ohnehin niedrigeren Projektkosten bringe das eine Rendite von 14 bis 16 Prozent. "In Deutschland beträgt die Vergütung 9,6 Cent, und die Rendite liegt bei null Prozent", sagt Heinsohn. Erst mit einer Erhöhung auf 14 Cent bestehe die Chance, im internationalen Wettbewerb mithalten zu können.

"Deutschland ist schon viel zu spät dran, und das liegt ausnahmsweise nicht an langwierigen Genehmigungsprozessen." Das für die Zulassung von Windenergieanlagen innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) genehmigte bisher in der Nordsee 17 Parks mit insgesamt 1.177 Anlagen und in der Ostsee drei Parks mit insgesamt 240 Anlagen.

Mangel an Anlagen

Darüber hinaus gibt es in der Ostsee noch zwei weitere Offshore-Parks in der Zwölf-Seemeilen-Zone. Derzeit liegen dem BSH Anträge für mehr als 30 weitere Offshore-Windparks mit jeweils rund 80 Anlagen vor. Die Offshore-Stiftung gibt sich optimistisch: "Wir haben noch keinesfalls den Anschluss verloren", sagt der Vorstandsvorsitzende Jörg Kuhbier. Der Boom stehe weltweit erst noch bevor: "Der ganze Maschinenpark läuft heiß." Es herrsche sogar ein Mangel an Kabeln und Schiffen, die Auftragsbücher der Anlagenbauer seien voll.

Tatsächlich sind viele Hersteller derzeit mit Onshore-Aufträgen ausgelastet, andere scheuen noch das Risiko mit dem Offshore-Geschäft. Auch für den deutschen Markt sieht die dena gute Chancen: "In den vergangenen Jahren sind die Rahmenbedingungen von der Bundesregierung drastisch verbessert worden", sagt Tiedemann unter anderem im Hinblick auf das Erneuerbare Energien Gesetz, dessen Novelle Anfang 2009 in Kraft treten soll. Ein Entwurf sieht vor, Windkraftstrom aus allen Anlagen, die bis Ende 2013 ans Netz gehen, mit 14 Cent je KWh zu vergüten, für Strom aus später errichteten Anlagen soll es zwölf Cent geben.

Simone Utler/AP
 
 
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KOMMENTARE (4 von 4)
 
Skarrin (04.02.2008, 10:12 Uhr)
Das alte Lied
Die Deutschen sind leider nicht in der Lage, eigene Erfindungen richtig umzusetzen und zu vermarkten, dafür gibt es noch viel mehr Beispiele als nur Walkman und Hybridantrieb. Während andere versuchen, für anfängliche Probleme technische Lösungen zu finden (z.B. müssen moderne WKAs bei Starkwind nicht mehr abgeschaltet werden), kommen hier die üblichen datenbaeren daher und biegen ein paar Zahlen zurecht, um sich und anderen zu beweisen, dass bei uns "nicht geht" was andere längst machen (Dänemark 20% Windstrom z.B.).
rvoelsch (03.02.2008, 21:44 Uhr)
Gemeinsamkeiten...
Wen wundert es das hier Flaute herrscht. Nicht nur die Genehmigungsverfahren sind komplex, auch die Kaufkosten sind in die Höhe geschnellt. In moment liegt der Preis bei 10.000 Euro pro Kwh (Nennleistung)...
Ist genauso mit UMTS. Weil die Kosten für ein UMTS-Nuzung zu hoch sind, herrscht auf diesen Gebiet hier Flaute.
Rainhelt (03.02.2008, 14:57 Uhr)
14ct/kWh
Und das während die Stromkonzerne zu 1-2ct/kWh produszieren? lol, das ist ja toll!
datenbaer (03.02.2008, 13:46 Uhr)
Ein wenig Fakten und Nachdenken hilft.
Mit dem Tgema Windkraft ist man in Deutschland auf der sicheren Seite - keiner mag einem widersprechen, es ist alles ganzprima und wir können uns als Weltmarktführer auf die Schultern klopfen. Aber vielleicht ist das Thema in manchen Ländern wie auch bei den Entscheidern hierzulande nicht das große Thema, weil es von den Fakten her ein echter Rohrkrepierer ist.
Im windreichen Oktober 2007 lieferten die Windkraftanlagen gerade mal an zwei Tagen über wenige Stunden ca. 1/3 der Leistung, die sie eigentlich im Stande sind, zu leisten. Von Effizienz ist da nichts zu spüren.
Zur Jahreswende sah es, wetterlagenbedingt, noch schlimmer aus: Lediglich am 29. Dezember erreichte die erzeugte Windenergieleistung den maximal zu erzeugenden Wert für wenige Minuten zu 50%. Gegen Neujahr tendierte die Stromerzeugung gegen null. Als dann Anfang des Jahre der Wind richtig anfing zu blasen, mußten die Windkraftanlagen wieder abgeschaltet werden - der Wind war zu stark.
Um dem Problem der Genehmigungsverfahren auf dem Land zu entgehen, die von der für die Windenergieerzeugung möglichen Gesamtfläche auf Grund von Landschafts-, Tier- und Lärmschutzverordnungen, etc. nur noch etwa 2% Restfläche übrig läßt, weicht man jetzt auf die See aus. Man hat aber keine neue Technik, die auch bei Starkwinden lauffähig wäre. Zudem ist man auch dort draußen nicht gegen Flauten und zu wenig Wind gefeit.
Man sollte sich die Energiebilanz einmal genauer ansehen, bevor man weiter diese ideologiegeschwängerten Diskussionen und den energiepolitischen Hurra-Patriotismus ausruft. Ein wenig mehr nachdenken beschert und zukünftig weniger Energiekkosten, das steht fest. Denn auf dem Weg der reinen regenerativen Energieformen werden wir doppelt bezahlen - für den regenerativen Strang und einen parallelen konventionellen Erzeugerstrang, Importe kommen zusätzlich dazu.
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