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Auto International: VW Werk Chattanooga Eine völlig neue Linie

VW Werk Chattanooga Produktion
VW Werk Chattanooga Produktion
© press-inform - das Pressebuero
Die Produktion von Volkswagen in Chattanooga hat eine ebenso kurze wie bewegte Historie. Derzeit wird das US-Werk auf eine Elektroproduktion umgestellt. Der VW ID4 dürfte dabei nur der elektrische Anfang sein. Der neue Slogan ist markig – typisch USA: „made in America – for Americans – by Americans“.

Erst seit gut zehn Jahren werden in Chattanooga – bekannt durch den gleichnamigen Choo-Choo-Song – Autos produziert. Auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik laufen seither Autos wie der VW Passat oder die beiden Varianten des Atlas vom Band. Der Erfolg war überschaubar und genau das soll sich jetzt ändern. Der amerikanische VW Passat ist mittlerweile Vergangenheit. Er wurde ersetzt vom elektrischen ID4, der bisher in Zwickau sowie in Emden vom Band lief und teuer in die USA importiert werden musste. Doch damit ist jetzt Schluss. Volkswagen investierte in das nach wie vor sehr moderne Werk in einem Außenbezirk von Chattanooga / Tennessee 800.000 Millionen Dollar und machte die Produktion innerhalb weniger Monate elektrotauglich. „Hier wurden in den vergangenen Jahren insgesamt 4,3 Milliarden Dollar investiert. Wir haben für den ID4 insgesamt 1.200 neue Jobs geschaffen“, erklärt Burkhard Ulrich, im Werk Chattanooga für den Bereich Human Ressources verantwortlich, „zudem entstand unter anderem ein neues Batterielabor, eine Batteriefertigung und einer neuer Bodyshop für den ID4.“ Das ohnehin stattliche Werk im Nordosten der 180.000-Einwohner-Stadt vergrößerte sich dadurch beträchtlich – um 73.000 Quadratmeter Fläche.

Die Volkswagen-Verantwortlichen machen keinen Hehl daraus, dass sie mit Chattanooga in den kommenden Jahren große Pläne haben. Aktuell läuft die Fertigung des elektrischen VW ID4 hoch. Mit dem Produktionsstart wird ein neues Basismodell auf dem amerikanischen Markt eingeführt, das mit einem 62-kW-Akkupaket, 204 PS und einer Reichweite von 330 Kilometern 37.500 Dollar kostet und sich gegen die starke Konkurrenz elektrischer SUV auf dem US-Markt durchsetzen soll. Gerade Bereiche wie Logistik und Produktion sind deutlich gewachsen. Allein 480 neue Roboter sorgen für eine Fertigung, die schnell und möglichst effizient in die Zukunft führen soll. Bei der Produktion des VW ID4 soll es mittelfristig nicht bleiben. Zwar werden andere Elektromodelle wie der zu kleine ID3, der ID5 oder der große ID6 - aktuell nur für China gedacht - erst einmal außen vor; doch mittelfristig wäre eine Fertigung des noch jungen ID Buzz ebenso denkbar wie der Audi Q4 E-tron, für den Nordamerika ein wichtiger Markt ist. Die neue Volkswagen-Marke Scout, unter deren Label ab 2025 / 2026 große SUV und Pick Ups mit Elektroantrieb angeboten werden, soll in Chattanooga allerdings keine Rolle spielen. Ein Grund: die Fahrzeuge der aktuellen Fertigung sind auf den kleineren Plattform MEQ / MQB unterwegs, die für die neuen Scout-Modelle nicht passen.

In einem ersten Schritt sind pro Monat 7.000 Elektromodelle geplant. Doch das Werk im US-Bundesstaat Tennessee könnte sich ebenso problemlos vergrößern wie der Zulieferpark, der die Komponenten „just in time“ ins Werk anliefert. Mittelfristig sollen hier mehr als 100.000 Fahrzeuge pro Jahr für den nordamerikanischen Markt produziert werden. „Wir fangen gerade an, ein neues Kapitel für Volkswagen in Amerika zu schreiben, und es ist eine sehr amerikanische Geschichte", sagt Volkswagen-CEO Thomas Schäfer, „als wir versprachen, Volkswagen E-Fahrzeuge für Millionen von Menschen zugänglich zu machen, schlossen wir immer amerikanische Arbeiter ein, die diese E-Fahrzeuge hier in Chattanooga bauen.“ Eine lokale Fertigung heißt auf dem amerikanischen Markt auch regionale Komponenten. Das Fahrzeug besteht aus Materialien, die in elf Bundesstaaten zusammengebaut werden; angefangen von Stahl aus Alabama und Ohio über Innenteile in Indiana und South Carolina bis hin zu Elektronikkomponenten in Kentucky und North Carolina. Das Akkupaket im Unterboden – wahlweise mit 62- oder 82 kWh - wird von SK Innovation im benachbarten Staat Georgia angeliefert.

Doch in Chattanooga werden nicht nur der Verbrenner-SUV Atlas und der elektrische ID4 produziert, sondern auch entwickelt. Wolfgang Maluche leitet das Batterielabor, das zu den modernsten innerhalb des Volkswagen Konzerns und in den gesamten USA gehört. Allein hierfür wurden 22 Millionen Dollar in die Hand genommen. „Wir stressen die Akkus hier sieben Tage die Woche – rund um die Uhr“, erzählt Wolfgang Maluche „auf dem Prüfstand können wir in einer Woche 9.000 Kilometer fahren.“ Eine Hightech-Rüttelplatte mit einem Betonfundament von mehr als 270 Tonnen gilt als Marterprüfung für künftige Akkupakete. Hier werden Rennstrecken, Alltagsbetrieb oder die hauseigene Reststrecke in Ehra-Lessin millimetergenau nachgefahren – mit maximal 16-facher Erdbeschleunigung in einem maximalen Temperaturfenster.

In anderen Klimakammern werden die Akkupakete innerhalb von 15 Sekunden von plus 70 auf minus 40 Grad Celsius heruntergekühlt, in ein gigantisches Wasserbassin mit 8.000 Litern Volumen getaucht oder dem gefährlichen Mikrostaub ausgesetzt – die Staubkörner sind gerade einmal 1/70 so groß wie ein menschliches Haar. Bei den zukünftigen Akkupaketen will man keine Überraschungen erleben. „Damit das ganze schneller läuft, testen wir selbst und geben die Tests nicht an andere Labore raus“, sagt Maluche. Innerhalb von ein paar Tagen kommen so die Ergebnisse zusammen, auf die die Techniker in Chattanooga oder Wolfsburg sonst drei bis vier Wochen warten müssten. Volkswagen will punkten und als Elektromarke neue Kunden gewinnen. 65 Prozent der ID4-Kunden fahren erstmals ein E-Auto und viele von ihnen steigen erstmals in einen Volkswagen.

Der erste produzierte Volkswagen auf dem amerikanischen Kontinent ist der ID4 übrigens nicht. Bereits 1978 gab es fünf VW Bulli und fünf VW Kombi, die gemeinsam vom Electric Power Research Institute (EPRI) und der Tennessee Valley Authority (TVA) zu Testzwecken eingesetzt wurden. Die 24 Zwölf-Volt-Batterien des achtsitzigen VW Bus reichten für eine Strecke von knapp 75 Kilometern – mit maximal Tempo 80. Sein Gewicht: knapp 2,1 Tonnen und damit auf dem Niveau des aktuellen VW ID4.

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