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Bitcoin, Ethereum und Monero "Es ist ein Computer mit Rädern" – Tesla-Besitzer schürft Bitcoins mit seinem Auto

Eine Hand hält zwei Bitcoins vor Tesla-Fahrzeuge
Ein Mann verdient mit seinem Tesla angeblich bis zu 800 Dollar im Monat durch das Schürfen von Bitcoin und anderen Kryptowährungen (Symbolbild)
© Artur Widak / Picture Alliance
Ein Tesla-Besitzer nutzt sein Auto zum Schürfen von Kryptowährungen wie etwa Bitcoin und verdient so angeblich mehrere hundert Dollar pro Monat. Zwar bezweifeln Experten einen wirklichen Gewinn, doch sie bestätigen, dass das Krypto-Mining mit einem Tesla-Fahrzeug möglich ist.

Wie jedes andere Auto dient ein Tesla eigentlich der Beförderung von Personen. Man kann das Elektroauto aber auch zu einem anderem Zweck nutzen, wie Siraj Raval berichtet. Der Autobesitzer gibt an, sein Tesla Model 3 zum Schürfen von Kryptowährungen zu verwenden und dadurch zu besten Zeiten 2021 einen monatlichen Gewinn von 400 bis 800 Dollar eingefahren zu haben.

Nach mehreren Versuchen hat Raval, so berichtet es das amerikanische Fernsehen, eine Methode zum Krypto-Mining gefunden, die besonders lukrativ sei: eine Mischung aus dem Hacken des internen Tesla-Computers und dem Verbinden von Grafikprozessoren direkt mit der Batterie seines Autos. Dazu verbindet der Tesla-Besitzer seinen Computer nach eigenen Angaben mit der Zwölf-Volt-Steckdose in der Mittelkonsole des Fahrzeugs, schließt fünf Grafikprozessoren an der Tesla-Batterie an und lässt einen Algorithmus laufen.

Damit beginnt er das Schürfen der Kryptowährung Ethereum, bei dem Nutzer grundsätzlich die Kapazitäten ihrer Computer für die Prüfung und Verschlüsselung von Transaktionen zur Verfügung stellen und dafür in der jeweiligen Kryptowährung entlohnt werden. "Es ist ein Computer mit Rädern... Es ist so einfach, sich in dieses Computerauto zu hacken", sagt Raval dem US-amerikanischen Sender CNBC über seinen Tesla aus dem Baujahr 2018.

Whit Gibbs, CEO und Gründer von Compass, einem Bitcoin-Mining-Dienstleister, erklärt gegenüber dem Sender: "Die Mechanismen sind alle vorhanden." Gibbs führt fort: "Sie haben eine Stromquelle, Sie haben Platz, Sie haben die Möglichkeit, Kühlung hinzuzufügen." Die Batterie liefere auf jeden Fall genug Strom.

Zweifel an Gewinn durch Krypto-Mining mit Tesla

Der Elektroautohändler Chris Allessi aus Wisconsin verwandelte laut dem CNBC-Bericht seinen Tesla Model S, Baujahr 2017 im Jahr 2018 ebenfalls in eine Krypto-Mining-Anlage. Daraufhin schürfte er Bitcoins. "Es war keine große Sache", sagt Allessi über den Vorgang. Er besitze für die gesamte Lebensdauer seines Autos ein kostenloses Ladeangebot von Tesla und machte laut eigenen Aussagen auch Gewinn mit dem Bitcoin-Schürfen.

Dennoch hält er davon nichts, wie er in dem Bericht sagt: "Warum sollte man ein Auto im Wert von 40.000 bis 100.000 Dollar so stark verschleißen?", fragt er. Außerdem schätze er den momentanen Gewinn bei 60 Stunden Schürfen auf lediglich ein bis zwei Dollar. Ähnlich sieht er den Nutzen beim Mining der Kryptowährung Monero. Deshalb beschäftige sich Allessi nicht mehr mit dem Krypto-Mining. Auch der Tesla-Hacker und Krypto-Miner Thomas Sohmers sei sich sicher, dass so hohe Gewinne, wie Raval sie angibt, schlicht unmöglich seien, heißt es weiter. Ihm zufolge sei bei Ether maximal ein Umsatz von rund 13 Dollar möglich.

Raval will weiter Kryptowährungen schürfen

Raval ist laut CNBC dagegen weiter überzeugt vom Kryptowährung-Schürfen. Zwar müsse er für das Aufladen seins Tesla Model 3 bezahlen, jedoch sagt er, dass die Batterie "unschlagbar" sei. Er bekomme viel für sein Geld und schürfe schätzungsweise 20 Stunden pro Tag Kryptowährungen, deren Werte er gegen Schwankungen abgesichert habe. Außerdem kaufe er gebrauchte Grafikprozessoren, um Kosten zu sparen. Für die Stromladungen seines Teslas mit einer Reichweite von etwa 515 Kilometer zahle er zwischen 30 und 60 Dollar im Monat.

Der begeisterte Krypto-Miner habe auch schon einen weiteren Plan: Er wolle seinen Tesla zum autonomen Robotaxi machen, das immer dann Kryptowährungen schürft, wenn es nicht unterwegs sei. Tesla-Chef Elon Musk preist die Funktion des autonomen Fahrens zwar an, dennoch sind die Autos bislang noch weit davon entfernt, vollständig autonom fahren zu können.

Bitcoin und Co. wegen immensen Stromverbrauchs teils verboten

Tesla stand in der Vergangenheit auch selbst in direkter Verbindung mit Bitcoin. Vor einigen Monaten ließ sich ein Fahrzeug des US-Autobauers nämlich noch mit der Kryptowährung kaufen. Vergangenen Mai kündigte Elon Musk dann überraschend an, wegen Umweltbedenken künftig keine Bitcoin mehr als Zahlungsmittel zu akzeptieren. "Unsere Mission ist es, den Übergang der Welt zu nachhaltiger Energie zu beschleunigen", so das Unternehmen. Elon Musk teilte auf Twitter schließlich mit: "Wir sind besorgt über die schnell zunehmende Nutzung fossiler Brennstoffe für das Schürfen von Bitcoin und die damit verbundenen Transaktionen." Insbesondere der Einsatz von "Kohle, die die schlimmsten Emissionen aller Brennstoffe hat", bereite ihm Sorgen. Später bezeichnete der Tesla-Chef den Bitcoin-Energieverbrauch sogar als "wahnsinnig".

Kryptowährungen werden durch das Lösen komplexer Gleichungen erzeugt. Wie hoch der Strombedarf tatsächlich ist, lässt sich nicht genau sagen – allerdings ist er immens. Die aktuellen Unruhen in Kasachstan werden in Zusammenhang mit dem Bitcoin-Mining gebracht. Denn es spielt dort eine große Rolle und auch die Stromversorgung im Land ist kritisch. Kosovo hat zu Jahresbeginn ein vorübergehendes Verbot für das Schürfen von Kryptowährungen verhängt, um den Stromverbrauch zu senken. Vergangene Woche beschlagnahmte die Polizei in Kosovo hunderte Schürfmaschinen für Kryptowährungen und nahm eine Person fest.

Auch China hat aufgrund der Energieengpässe bereits vergangenen September ein landesweites Verbot für das Krypto-Mining eingeführt. Während die Bitcoin-Schürfer in China im Jahr 2020 noch rund Dreiviertel aller Bitcoin-Transaktionen absolvierten, lösten die USA China schließlich als weltweiten Marktführer ab. Mit dem Inkrafttreten des Verbots für das Krypto-Mining wanderten viele Schürfer aber auch ins Nachbarland Kasachstan. Tatsächlich findet das Krypto-Mining weltweit statt.

Quellen: CNBC, Frankfurter Rundschau, Mit Material von DPA und AFP

nk

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