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Elektromobilitäts-Strategie China-Konzern Geely breitet sich in Europa aus – und soll Polen bei Elektroauto-Produktion helfen

Ein SUV-Modell von Izera steht vor einem Gebäude. Der China-Konzern liefert die Architektur für die Produktion des Fahrzeugs.
Die polnische Automarke Izera will mithilfe des China-Konzerns Geely Elektroautos bauen. Als Erstes soll ein SUV-Modell auf den Markt kommen.
© ElectroMobility Poland SA
Geely baut seine Aktivitäten außerhalb Chinas deutlich aus – und kommt mit zahlreichen Automarken nach Europa. Künftig will der Großkonzern auch der polnischen Marke Izera seine Elektroauto-Plattform SEA zur Verfügung stellen.

Volvo, Polestar, Smart, Lotus: Mit diesen und weiteren Automarken im Verbund strebt der chinesische Autokonzern Geely eine weitreichende Expansion in Europa an. Erst vergangene Woche Donnerstag (17. November) kam eine weitere Marke dazu: die polnische Izera. Sie gehört zwar nicht zum Konzern aus Hangzhou, werde künftig aber mit der Elektro-Architektur SEA von Geely beliefert, heißt es in einer Pressemitteilung. 

Dazu unterzeichneten der chinesische Großkonzern und das polnische Unternehmen Electromobility Poland (EMP), welches von der polnischen Regierung gefördert wird, eine entsprechende Lizenzvereinbarung. Izera sei damit das erste Unternehmen außerhalb der Geely-Gruppe, die die Architektur nutzen werde.

Piotr Zaremba, Geschäftsführer von ElectroMobility Poland, sagte: "Die SEA-Architektur passt perfekt zum Produktkonzept von Izera." Geely biete EMP erstklassiges Branchen-Know-how und zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten. Langfristig werde die Kooperation zum Erfolg verhelfen, "da sie es uns ermöglicht, in großem Umfang lokale Zulieferer einzubinden und das Projekt innerhalb des geplanten Geschäftsrahmens durchzuführen."

Auch Daniel Donghui Li, CEO der Geely Holding Gruppe zeigte sich zuversichtlich: "Unsere SEA-Architektur wird EMP dabei helfen, in Bezug auf Hardware, Software und Skalierbarkeit die besten Produkte für Endkunden auf den Markt zu bringen." Izera soll die Umstellung auf die Elektromobilität in Polen schließlich vorantreiben und zu den regionalen Konkurrenten wie der Tschechischen Republik und der Slowakei aufschließen. Mit der Architektur von Geely soll das gelingen, versprach auch Donghui Li.

Den Anfang bei Izera soll ein kompaktes SUV machen. Angekündigt sind zudem bereits ein Kombi im C-Segment und eine Schräghecklimousine. EMP will die Fahrzeuge unter der Marke Izera in seinem Werk im südpolnischen Jaworzno bauen.

Mehrere Marken des China-Konzerns kommen nach Europa

Die von Geely im September 2020 eingeführte, rein elektrische Architektur soll sich für die Produktion von kleinen Fahrzeugen der Klasse A bis hin zu Fahrzeugen der Kategorie E nutzen lassen. 

Andere Marken innerhalb des Geely-Konzerns nutzen sie bereits zur Produktion ihrer Elektrofahrzeuge. Zeekr und Smart etwa liefern Autos auf dessen Basis bereits aus. Seit dem Jahr 2019 ist Letzteres ein 50/50 Joint Venture zwischen Geely und Mercedes-Benz, das zusammen den smart#1 entwickelt hat – die Technik stammt hierbei von Geely, das Design wiederum von Mercedes-Benz. Das Elektro-SUV kann ab Mitte Oktober vorbestellt werden und soll zum Jahresende auf den Markt kommen. 

Auch Volvo ist seit Jahren eine Tochtermarke von Geely. Der Elektroauto-Hersteller Polestar geht aus einem weiteren Gemeinschaftsunternehmen hervor. Dahinter stecken Volvo – und Geely. Nach dem limitieren Polestar 1 feierte der Polestar 2, das erste vollelektrische Volumenmodell der Marke, seinen Marktstart Mitte 2021. Als Nächstes soll der Crossover Polestar 3 Ende 203 auf den Markt kommen. Bislang werden die Polestar-Fahrzeuge in China produziert. In Zukunft sollen sie auch in den USA vom Band rollen.

Der kompakte Elektro-Crossover Geometry C der Marke Geometry soll in der ersten Jahreshälfte 2023 in Ungarn, der Tschechischen Republik und der Slowakei auf den Markt kommen. Neben Lotus, London Electric Vehicle Company, Farizon Auto und Cao Cao Mobility ist Lynk & Co eine weitere Marke von Geely. Sie bietet das Plug-in-Hybrid-SUV 01 seit rund einem Jahr in Deutschland an. Das Unternehmen setzt neben einem Kauf- auf ein Abomodell. Ebenfalls seit rund einem Jahr ist der Crossover Zeekr 001 des gleichnamigen Unternehmens Zeekr auf chinesischen Straßen unterwegs. Im nächsten Jahr will die Premiummarke ihr erstes E-Auto dann nach Europa bringen. Nach dem 001 soll im Anschluss der 009, ein großer Van, auf den Markt kommen. Der CEO des Unternehmens hatte die Expansionspläne Anfang November bekannt gegeben.

Geely und Renault unterzeichnen Rahmenvereinbarung

Zu der Zeit unterzeichneten Geely und Renault parallel eine Rahmenvereinbarung, die einen Zusammenschluss der beiden zu einem Gemeinschaftsunternehmen vorsieht. Dieses soll mehrere Marken weltweit, unter anderem Renault, Dacia, Geely Auto, Volvo und Nissan mit Antriebssträngen für Verbrenner- und Hybridautos beliefern.

Die Zusammenarbeit mit dem polnischen EMP ist damit nur eine von vielen Aktivitäten, mit denen sich Geely auf dem europäischen Markt ausbreitet.

Quellen: Izera, Renault, Smart, Carsnewschina, Reuters, Pressinform, Polestar

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