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Umstieg zur Elektromobilität Wie aus gebrauchten Diesel-Lkw Elektrofahrzeuge werden sollen

Mitarbeiter rüsten in einer Produktionshalle einen Diesel-LKW zum Elektrofahrzeug um
Mitarbeiter rüsten in einer Produktionshalle einen Diesel-LKW zum Elektrofahrzeug um. So will Pepper Motion die Elektromobilität im Bereich der Nutzfahrzeuge vorantreiben.
© dpa/dpa-Zentralbild | Martin Schutt / Picture Alliance
Nicht nur Autos sondern auch große Fahrzeuge wie Lkw und Busse müssen künftig klimaneutral sein. Bisher gibt es allerdings kaum Nutzfahrzeuge mit alternativem Antrieb. Das Unternehmen Pepper Motion möchte deshalb aus gebrauchten Lkw Elektrofahrzeuge machen.
Der Elektroauto-Markt boomt. Autohersteller entwickeln zunehmend (voll)elektrisch angetriebene Pkw, doch Nutzfahrzeuge erleben diesen Umstieg zur Elektromobilität bislang vergleichsweise wenig; die Auswahl von elektrisch angetriebenen Lkw und Bussen ist deutlich geringer als jene von Elektroautos.
Genau hier will die Firma Pepper Motion ansetzen. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, gebrauchte Diesel-Nutzfahrzeuge zu elektrifizieren. "Wir wollen in den nächsten Jahren Zehntausende Lastwagen und Busse umrüsten", sagte Geschäftsführer Andreas Hager dem "Handelsblatt".
Weiter erklärte Hager gegenüber dem Medium: "Wenn wir nicht die Bestandsfahrzeuge elektrifizieren, haben wir keine Chance, die Flotten zu drehen.“ Denn bis zum Jahr 2050 will die EU klimaneutral sein, bereits zum Jahr 2030 müssen gewisse Emissionsziele erreicht sein. Damit das gelingt, müssten bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts gut zwei Millionen alternativ angetriebene Nutzfahrzeuge mit einem Gewicht von mehr 7,5 Tonnen über die Straßen rollen – eine Menge, die unmöglich zu erreichen sein dürfte.
Dabei hat eine Studie der Unternehmensberatung Bain & Company ergeben, dass die Mehrheit der Flottenmanager in Europa schon in drei Jahren bevorzugt Elektro- oder Wasserstoff-Lkw anschaffen möchte. "Der Diesel wird allmählich zum Auslaufmodell", sagte Bain-Partner Jörg Gnamm.

Elektromobilität: Umrüstung soll kostengünstiger als Kauf von Neufahrzeug sein

Das Problem: Fahrzeughersteller haben bislang nur wenige elektrisch angetriebene Modelle auf dem Markt. Der Lkw-Hersteller MAN beispielsweise hat nicht einen einzigen Sattelschlepper in Großserie herausgebracht. Und hier setzt Pepper Motion mit dem sogenannten Retrofitting an: "Wir geben dem gebrauchten Nutzfahrzeug ein umweltfreundliches zweites Leben als Elektrofahrzeug", so Hager. Das sei die "kosteneffizienteste Lösung".
Für den Umbau vom Diesel-Lkw bietet die Firma, die einst aus dem Start-up Intech gegründet wurde, ein Elektrifizierungskit mit eigens entwickelter Steuereinheit an. Pepper richtet sich dabei vor allem an Firmen mit großen Bestandsflotten wie Verkehrs- und Speditionsbetriebe, die Probleme haben dürften, die Wende bis 2030 zu schaffen. Ein Stadtbus will Pepper in sechs bis acht Wochen umrüsten. Die Reichweite soll dann bei etwa 250 Kilometern liegen.
Dazu bietet das Unternehmen aktuell Umrüstungskits für die Mercedes-Modelle Citaro, Actros und Atego an. Fahrzeugmodelle von MAN und Iveco sollen ab kommenden Jahr allerdings in Serie als Elektrofahrzeuge erscheinen.
Zwar sind Elektrofahrzeuge teuer in der Anschaffung, preiswert ist die Umrüstung von Pepper mit einem Preis von 300.000 Euro aber auch nicht. Die Firma argumentiert jedoch: Ein neuer Dieselbus koste über einen Zeitraum von zehn Jahren insgesamt rund 815.000 Euro. Somit liege die Ersparnis bei 144.000 Euro, mit der staatlichen Förderung könnte sie sogar bei über 400.000 Euro liegen.
Pepper rüstet die Fahrzeuge erster Kunden in einer Pilotphase bereits um. In diesem Jahr ist die Rede von dutzenden Fahrzeugen, im nächsten Jahr von Hunderten. 2024 will das Unternehmen 1000 Elektrifizierungskits jährlich verkaufen, bis 2030 sollen es dann bis zu 60 Mal so viel sein. Auch die Umsätze sollen Schätzungen zufolge deutlich steigen. Werden für dieses Jahr Umsätze von 14 Millionen geschätzt, sollen es in 2026 über eine Milliarde Euro sein.
Gerade kleinere Speditionsfirmen haben allerdings nur wenig Kapital zur Verfügung und sind skeptisch, ob sich die Umrüstung lohnt. Alternativ bietet Pepper daher eine Art Mietmodell an, bei dem die Kunden einen Kilometerpreis bezahlen.

Zunehmendes Interesse von Investoren 

Dass das Konzept Erfolg haben könnte, zeigt das zunehmende Interesse von großen Investoren. Neben dem Mehrheitseigentümer Friedrich & Wagner Holding ist nun auch das Hamburger Family-Office Lennertz & Co. sowie die Würth-Gruppe eingestiegen. Der Erlös liegt hier bei fast 30 Millionen Euro.
Und erst neulich kündigte Pepper an, sein Geschäft auf den Markt in Frankreich ausweiten zu wollen. Dort plant das Unternehmen in Kooperation mit REV Mobilities die Umrüstung von rund 5.000 Bussen und Lkw. In Österreich hat es außerdem eine Tochtergesellschaft gegründet. Pepper hat zudem Vertriebsstandorte in Polen und Italien.
Quellen: Handelsblatt, Pepper Motion
nk

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