VG-Wort Pixel

Neues Luxus-Elektroauto Tesla-Konkurrent Lucid Air kommt nach Deutschland – mit glänzenden Daten, aber ohne Erfolgsgarantie

Der Lucid Air steht in steinigem Gelände vor einem Hügel
Der Lucid Air soll dem Tesla Model S die Stirn bieten
© Lucid Germany GmbH
Der US-Autobauer Lucid bringt sein erstes Elektroauto auf den Markt, den Lucid Air. Die Luxus-Limousine soll mit über 1000 PS, einer beachtlichen Ladegeschwindigkeit und modernster Technik erscheinen – die Jagd auf Tesla beginnt, wenn auch mit Hürden.

Lucid steht in den Startlöchern. Der US-Autobauer plant, am Freitag, 13. Mai, sein erstes Ladengeschäft in Europa, ein Showroom in München, zu eröffnen. Dazu schickt das Unternehmen mit dem Lucid Air sein erstes Elektroauto ins Rennen. 

Mit bis zu 1111 PS, einer Beschleunigung von 0 auf 100 in 2,5 Sekunden und einer voraussichtlichen Reichweite von bis zu 845 Kilometern soll "das am schnellsten aufladende Elektrofahrzeug der Welt", wie es der Hersteller verspricht, den Automobilmarkt aufmischen. Die Luxus-Limousine soll den Oberklasse-Wagen von BMW, Mercedes und Audi Konkurrenz machen – vor allem aber dem Model S von Tesla. Tatsächlich beschleunigt das Lucid Air laut Herstellerangaben etwas schneller als der Taycan, der stärkste Porsche, kommt aber nicht ganz auf die angegebene Leistung des Model S Plaid (1020 PS und Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 2,1 Sekunden).

Mit einem 900 V Ladesystem und einer nennenswerten Ladeleistung von 300 kW liegt der Lucid Air vor dem Porsche Taycan, welcher mit einer 800-Volt-Technologie arbeitet. Tesla hat bloß eine 400-Volt-Architektur. Dazu soll der Lucid Air in 15 Minuten Strom für eine Reichweite von 400 Kilometern laden können. Der cw-Wert entspricht mit 0,21 in etwa der Konkurrenz von Tesla. 

Beschichtete Fenster und ein Aluminium-Fahrzeugrahmen, welcher nicht nur Gewicht einsparen, sondern im Falle eines Unfalls auch die Insassen schützen soll, soll sich ebenso in der Reichweite bemerkbar machen. Darüber hinaus soll die Limousine mit modernster Technik überzeugen. Im Innenraum findet sich ein Glas-Cockpit-Display mit 34 Zoll und 5K. Auch eine Gesichtserkennung und Alexa-fähige Sprachsteuerung ist verbaut. Insgesamt besitzt das Fahrzeug 32 Sensoren, darunter Kamera-, Radar- und Ultraschalltechnologie sowie Lidar, welche die Funktionen zum teilautonomen Fahren möglich machen sollen. Eine bidirektionale Ladung, bei der Energie aus der Batterie zurück ins Stromnetz gespeist wird, soll noch folgen.

Mit einer Länge von fast fünf Metern und einer Breite von rund zwei Metern kommt die "Luxus-Limousine" auf einen Radstand von knapp drei Metern. Das ist fast so gut wie in einer Mercedes S-Klasse. Zudem erscheint der Lucid Air mit einem großen Kofferraumvolumen von 456 Litern und weiteren 202 Litern im Frunk, dem vorderen Stauraum.

Lucid Air: Eine ernstzunehmende Kampfansage an Tesla und Co.

Der Lucid Air ist damit durchaus eine Kampfansage, die Konkurrenten wie Tesla ernst nehmen sollten. Lucid-Chef Peter Rawlinson, war einst sogar Chefingenieur bei Tesla und an der Entwicklung des Model S beteiligt. Somit dürfte kaum jemand die Limousine von Tesla besser kennen als er. Und tatsächlich: "Vieles erinnert an Tesla", sagt Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management, dem "Handelsblatt". Die Innovationen von Lucid könnten sich sehen lassen, so Bratzel. Der Autoexperte stellt gegenüber der Tageszeitung aber auch klar: "Produktion und Vertriebsnetz ausbauen, den Service hinbekommen – das ist kein Kindergeburtstag."

Denn während Tesla zu seinem Start kaum Konkurrenz hatte, ist das heute anders. Und Lucid kämpft ohnehin mit Produktionsproblemen; der Autobauer produziert bislang erst ein paar Hundert Fahrzeuge – statt 20.000, dem ursprünglichen Produktionsziel. Bis zum Jahresende 2022 will der Autobauer dennoch insgesamt 12.000 bis 14.000 Autos bauen. Unterstützt wird das Produktionsziel vom Königreich Saudi-Arabien: Es hat neulich eine Großbestellung von 100.000 Fahrzeugen für die kommenden zehn Jahre aufgegeben. Zuvor war ein Investment des Saudischen Staatsfonds im Sommer 2018 mit über einer Milliarde Dollar bei Lucid eingestiegen. 

Einführungsvarianten für über 200.000 Euro

Der Lucid Air soll es also richten. In den USA erfolgte die Markteinführung mit den auf 520 Stückzahl limitierten Einführungsvarianten Lucid Air Dream Edition P und Lucid Air Dream Edition R. Erstere kommt auf 1111 PS. Zweitere richtet sich mit einer geschätzten Reichweite von 900 Kilometern an Vielfahrer. Einer kleinen Menge von Kunden in Deutschland, den Niederlanden, Norwegen und der Schweiz, die die Modelle reserviert haben, werden die beiden Einführungsvarianten angeboten. Der Kaufpreis für die beiden Modellvarianten liegt in Deutschland bei 218.000 Euro, über 90.000 Euro mehr als ein vergleichbares Tesla Model S Plaid.

Voraussichtlich bis zum Jahresende will Lucid dann die drei Modellversionen Air Pure mit 480 PS, Air Touring mit 620 PS und Air Grand Touring mit 800 PS ausliefern. Was der Lucid Air kosten wird, ist aber noch nicht bekannt. Der Lucid Air Pure dürfte in Deutschland und den Niederlanden bei etwa 100.000 Euro liegen. Der Autobauer will die Preise im Lauf des Jahres bekanntgeben.

Eine Reservierung ist bereits in zahlreichen europäischen Ländern möglich. Hierfür müssen Kunden 300 Euro für den Air Pure und 900 Euro für den Air Touring bzw. den Air Grand Touring anzahlen. Auf die Eröffnung des Ladengeschäfts in München plant Lucid, in diesem Jahr weitere Standorte in Deutschland, den Niederlanden, Norwegen und der Schweiz zu eröffnen.

Quellen: Lucid, Pressemitteilung Lucid, Handelsblatt Printausgabe, ADAC, Auto Motor und Sport

nk / key

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker