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Starke Konkurrenz VW kommt bei Elektroauto-Produktion in China nicht hinterher: "Es brennt die Hütte"

Ein Arbeiter im VW-Werk
VW produziert nicht genug Elektroautos in China (Symbolfoto)
© VCG / Imago Images
Der Elektroauto-Markt boomt – vor allem in China. Währenddessen läuft es bei VW keineswegs gut. Die Produktion hinkt. Dem deutschen Autoriesen drohen ernsthafte Folgen.

"In China brennt die Hütte“, zitiert die "Wirtschaftswoche" einen VW-Insider. "Und fragen Sie mal den China-Chef, was er dagegen zu tun gedenkt“, zitiert die Zeitschrift weiter. Gemeint ist damit nicht der operative China-Chef Stephan Wöllenstein sondern Konzernchef Herbert Diess. Denn VW kommt bei der Produktion seiner Elektroautos in China nicht gut voran. Es gehe "um wirklich relevante Dimensionen, um viele Milliarden Euro“, so der Insider.

"In China haben unsere Joint Ventures fast 30 Prozent verloren, Skoda liegt bei minus 32 Prozent", erklärte Diess neulich die Folgen der Halbleiter-Krise vor Mitarbeitern. Schließlich werden Autos oft halbfertig zwischengelagert, bis sie sich nachrüsten und ausliefern lassen. Die Auslieferungen im Oktober gingen verglichen mit demselben Monat 2020 um gut ein Drittel (33,5 Prozent) auf weltweit 600.900 Stück zurück. Anderen Autobauern in China bereitet der Chip-Mangel hingegen weniger Probleme. Der Gesamtmarkt legte von Januar bis Juni um 27 Prozent zu – 13 Prozentpunkte mehr als der nach Toyota weltweit größte Autobauer Volkswagen.

VW auf Platz 5 in China

Während der deutsche Autobauer im Verkauf seiner Verbrennerautos Platzhirsch in China ist, sieht es bei den Elektromodellen anders aus. Den Markt der Elektroautos dominierten im Oktober die chinesischen Hersteller BYD mit gut 41.000 Neuzulassungen. SAIC-GM-Wuling kommt auf rund 48.000 Neuzulassungen. Bei Tesla rollten 54.000 Autos vom Band, wobei davon aber nur 14.000 im Land abgesetzt wurden – der Rest ging in den Export. Darauf folgte der chinesische Hersteller GAC mit gut 13.000 Verkäufen. Erst auf Platz 5 landete VW mit knapp 13.000 Autos. Und es preschen weitere Anbieter auf den Markt, die mit ihren Fahrzeugen oft mehr Erfolg bei den Chinesen haben als Volkswagen.

VW sei in China noch kein "Synonym für Elektroautos“, räumt China-Chef Wöllenstein angesichts schwacher Absatzzahlen ein. "Wir wissen, dass es sechs bis acht Monate dauert, bis sich ein neues Modell etabliert." VW-Chef Diess warnte die Belegschaft auf einer Mitarbeiterversammlung im November: "Nur wer die Konkurrenz versteht und im Blick hat, kann gewinnen.“ Tesla sei heute Benchmark, aus China drängen zudem weitere starke Start-ups in unseren Markt, so Diess. "Ralf Brandstätter (VW-Markenleiter) und ich haben in den vergangenen Wochen einige Autos aus China getestet. Wir müssen gestehen: Sie sind richtig gut“, hieß es vom VW-Konzernchef.

Verkauf von Millionen Elektroautos geplant

Sollte Diess es nicht gelingen, das Geschäft in China nach vorne zu bringen, so könnte er möglicherweise die Unterstützung der Großaktionäre des Porsche-Piech-Clans verlieren. Denn China ist der mit Abstand wichtigste Automarkt von VW. Auf dem Kurs weg vom Verbrennermotor müssen die Wolfsburger jetzt ins Elektrozeitalter übergehen, wenn sie eine Rolle auf dem chinesischen Automarkt spielen wollen.

Starke Konkurrenz: VW kommt bei Elektroauto-Produktion in China nicht hinterher: "Es brennt die Hütte"

Aus diesem Grund entschied sich VW vor Kurzem, sein Erfolgsmodell in China, Santana, nicht weiter zu produzieren. Mehr als sechs Millionen Stück des Verbrennermodells haben die Wolfsburger in den vergangenen drei Jahrzehnten verkauft. "Die Kundenpräferenzen verlagern sich allmählich weg von Verbrennern mit Stufenheck hin zu batterieelektrischen Fahrzeugen und SUVs“, erklärte VW die Entscheidung vor einigen Tagen. Die neue E-Autoreihe "ID." verkauft sich allerdings schlechter als geplant, zugleich halten bereits über 100 Anbieter von E-Autos mit guten Fahrzeugen dagegen.

Herbert Diess hat dennoch ambitionierte Ziele. Er will bis 2028 weltweit 28 Millionen Elektroautos verkaufen. Mehr als die Hälfte davon sollen in China verkauft werden. Und in zwei Jahren will Volkswagen dort acht ID.-Modelle anbieten. Nach dem schlechten Anlauf zu Jahresbeginn könnte VW sein Absatzziel tatsächlich erreichen. Allerdings nur unter Vorbehalt. Denn das Ziel stehe "in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit der Halbleiter“.

Quellen: Wirtschaftswoche, mit Material von dpa


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