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Fahrbericht: Skoda Enyaq Elektro Dynamischer Stromer

Skoda Enyaq RS iV
Skoda Enyaq RS iV
© press-inform - das Pressebuero
Skoda krönt seine elektrische Enyag-Modellreihe mit einer RS-Version – schnell, mit hoher Reichweite und komfortabel. Aber wohl kaum besonders preiswert.

Autos wie der Enyaq RS iV zeigen: Zumindest was die Technik betrifft, ist Skoda auch elektrisch in der realen Welt angekommen. Der eSUV aus dem tschechischen Mladá Boleslav fährt sich alltagstauglich wie ein vergleichbarer Verbrenner - und macht dank der elektrospezifischen Vorteile sogar mehr Spaß. Würde man das ganze jetzt noch sozialkompetent auspreisen und endlich eine ordentliche Infrastruktur an Ladestellen schaffen - danke, kein Problem mehr mit der Elektromobilität.

Mit dem RS iV bringt die tschechische VW-Tochter nun also das sportliche Top-Modell der kleinen Enyaq-Reihe auf den Markt. Der 4.653 mm lange, 1.859 mm breite und 1.605 mm hohe SUV bringt mit 220 kW / 300 PS aus zwei Elektromotoren ordentlich Kraft mit, um lässig und sorgenfrei unterwegs sein zu können. Dank der Elektropower und eines sofort anliegenden Drehmoments von 460 Nm kommt der 2,3-Tonner in nur 6,5 Sekunden von Null auf Tempo 100. Das lässt einen bei jedem Überholvorgang flott und ohne Stress vorbei wutschen oder sich schnell von der Überholspur noch vor dem Lkw einzureihen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h. Wie bei den meisten Elektroautos wird das Gaspedal zum Spaßpedal: Durchtreten und einfach genießen, wie einen die Beschleunigung gegen die Rückenlehne drückt.

Beim Enyaq RS iV ist das ein Genuß ohne Reue: Mit einer offiziellen WLTP-Reichweite von 517 Kilometer kann man sich so manchen Spurt erlauben. WLTP ist aber immer etwas optimistisch. Doch auch die reale Reichweite ist alltagstauglich. Als wir mit dem Testwagen in Malaga starteten, zeigte das Display für den Akku 87 % Ladung an und eine Reichweite von 330 Kilometer. Eine gute Stunde später beim ersten Kaffeestop und nach rund 100 Kilometern Fahrt über Autobahn und kurvige Bergstraßen waren noch 72 % Ladung und 248 Kilometer Reichweite übrig. Der Verbrauch lag bei 23,8 kWh/100 km, also deutlich mehr als dem offizielle WLTP-Verbrauch von 17,8 kWh. An der Schnellladesäule brauchte es dank einer Ladeleistung von 135 kW kein 20 Minuten, um wieder einen Ladezustand von 87 % zu erreichen. Die Lithium-Ionen-Hochvoltbatterie hat einen Energiegehalt von 82 kWh (netto 77 kWh). Damit kann man gut leben.

Auch sonst macht der Enyaq was her. Optisch sportlich und dynamisch, mit hochglänzend schwarz umrahmten Kühlergrill um die vertikalen, durchsichtigen Stäbe, die Skoda "Crystal Face" nennt, mit breiten Lufteinlässen und schmalen LED-Scheinwerfern, mit dunkel getönten Scheiben hinten, einer leicht zum Heck hin abfallenden Dachlinie und verbreiterten Radhäusern mit 20-Zoll-Rädern. Das serienmäßige Sportfahrwerk ist an der Vorderachse 15 und an der Hinterachse 10 Millimeter tiefer als beim normalen Enya. Bis auf das Heck entspricht die Karosserie der des Enyaq RS Coupés.

Das hat Folgen vor allem für die Heckpassagiere: Sie genießen deutlich mehr Kopffreiheit auf der Sitzbank hinten. Ansonsten ist auch der Innenraum mit dem Coupé identisch. Dasselbe Armaturenbrett mit dem relativ kleinen, bei den Informationen auf das Wesentliche reduzierten Kombiinstrument vor dem Fahrer, der große zentrale Bildschirm für Navigation, Infotainment und Fahrzeugeinstellungen. Praktisch: Unter dem Display lassen sich die wichtigsten Einstellungen über herkömmliche Tasten vornehmen – man muss sich nicht erst durch diverse Menüs klicken. Das unten abgeflachte Lenkrad ist griffig, überhaupt wirken die in Schwarz gehaltenen Materialen wertig und präzise verbaut. Die vorderen Sitze bieten guten Seitenhalt und lassen einen auch längere Fahrten ausgeruht überstehen. Hinten sieht es nicht ganz so gut aus. Die Sitze dort bieten wenig Kontur und der Platz für die Knie ist nicht besonders üppig. Der Laderaum ist mit 585 Litern Fassungsvermögen ordentlich, bei umgelegten Rücksitzlehnen sind auch 1.710 Liter verfügbar.

Fahren lässt sich der Skoda Enyaq RS iV genauso, wie man es von einem kompakten SUV mit Verbrennermotor gewöhnt ist – nur einen guten Schlag dynamischer. Man muss keine große Rücksicht auf die Reichweite nehmen und kann entsprechen flott unterwegs sein. Auf der Autobahn mit 130 im Verkehr mitschwimmen, beim Überholen das Gaspedal durchtreten, auch Anhänger lassen sich bis zu einem Gewicht von 1,2 Tonnen ziehen. Das alles garniert mit der für Elektrofahrzeuge üblichen stufenlosen Beschleunigung von unten heraus. Je nach gewähltem Fahrprogramm ist die Federung ruppig bis komfortabel ausgelegt. Die Lenkung arbeitet präzise. Dank des durch die im Unterboden verbauten Akkus liegt der Schwerpunkt des Fahrzeugs niedrig, was sich vor allem in Kurven positiv bemerkbar macht. Die beiden Motoren jeweils an der Vorder- und an der Hinterachse sorgen für einen griffigen Allradantrieb.

Das Ladesäulenchaos - mal werden nur ganz spezielle und eher exotische Karten zur Zahlung akzeptiert, mal funktioniert die Software nicht, mal sind alle Säulen belegt – versuchen Skoda und der VW-Konzern mit einem "Powerpass" und dem steten Ausbau des Ladenetzes in den Griff zu bekommen. Die Powerpass-Karte verschafft Zugang zu europaweit inzwischen mehr als 400.000 Ladepunkten. Klingt gut, sieht aber etwas anders aus, wenn man sich die Art der Ladepunkte anschaut: Nur 15.000 davon bieten Schnelladung. Und das an europaweit gerade 5.000 Standorten. An vielen Ladesäulen braucht es inzwischen keine Karte mehr – beim Verbinden mit dem Ladekabel identifiziert sich der Enyaq automatisch selbst.

Bleibt das Thema Preis. Den mag man bei Skoda derzeit noch nicht herausrücken. Bleibt also nur der Umweg über das bis aufs Heck weitgehend baugleiche Enya Coupé RS. Dort verlangen die Tschechen 61.550 Euro. Die SUV-Version dürfte nicht preiswerter werden.

pressinform

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