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Audi A8 4.2 TDI: Alleinstellung

Im Gegensatz zur Luxuskonkurrenz ist der Audi A8 als letzter mit einem Achtzylinder-Diesel unterwegs. Nicht nur das Triebwerk kann begeistern.

In der Luxusliga tut sich Audi nach wie vor schwer. Die Qualitäten des A8 sind seit Jahren unbestritten, doch gegen einen Siebener BMW oder besonders die Mercedes S-Klasse kann sich die Ingolstädter-Neckarsulmer Gemeinschaftsproduktion abgesehen von China kaum nennenswert in Szene setzen. Die verkauften Einheiten hinken weit hinter denen der Konkurrenz. Dabei gibt es unzählige Möglichkeiten, einen Audi A8 zu fahren. Abgesehen vom alles andere als überzeugenden Vierzylinder im nur frontgetriebenen A8 Hybrid kann jedes Modell auf seine Art überzeugen - vom 258 PS starken V6-Diesel bis zum prächtigen Doppelturbo-V8 im S8. Die beste Mischung aus Luxus, Antrieb, Sparsamkeit und Reisekomfort bietet jedoch der Audi A8 4.2 TDI. Der macht aus seinem Antrieb am Heck mit dem schlichten TDI-quattro-Signet auf Understatement, um an der Kotflügelflanke mit einem lieblos platzierten V8-T-Logo zu überraschen. Verstehen muss man das nicht.

Audi A8 4.2 TDI: Alleinstellung
Audi A8 4.2 TDI quattro

Audi A8 4.2 TDI quattro

Kein anderer ist in dieser Limousinenliga noch mit einem Achtzylinder-Diesel unterwegs. Man fragt sich wieso, denn der 4,2 Liter große Achtzylinder ist mit einer Länge von 5,14 Metern ebenso dynamisch wie sparsam. Dem gewaltigen Drehmoment von 850 Nm zwischen 2.000 und 2.750 U/min stand im Praxistest ein Realverbrauch von gerade einmal 9,2 Litern Diesel gegenüber. Das sind selbst mit Winterreifen nicht einmal zwei Liter mehr als die von der Werksangabe in Aussicht gestellten 7,4 Liter. Weniger Trinkfreude ist in der elitären Zwei-Tonnen-Liga weit oberhalb von 100.000 Euro kaum zu realisieren, wenn man nicht nur außerorts im amerikanischen Highway-Tempo unterwegs ist. Das V8-Triebwerk selbst ist eine Glanzbesetzung in einer Luxuslimousine wie dem A8, der durch die Modellpflege Ende vergangenen Jahres zwar etwas markanter, aber kaum auffälliger geworden ist. Er mimt nach wie vor deutlich zu bescheiden den großen Bruder vom Volumenmodell Audi A4 - und derart ohne Ecken und Kanten reicht in dieser Liga einfach nicht. Da braucht es nicht zuletzt auf den Märkten in den USA und Asien mehr Pomp, mehr Glanz und mehr Noblesse.

Im Innenraum sieht das ganz anders aus. Hier ist der Audi A8 auch vier Jahre nach seinem Produktionsstart wohl immer noch der Beste seiner Art und muss sich selbst gegenüber der beeindruckenden Mercedes S-Klasse, erst jüngst neu aufgelegt, nicht verstecken. Edelste Materialien, perfekte Verarbeitung und eine eindrucksvoll präsentierte Bedienung treffen auf ein Platzangebot, an dem es trotz 2,99 Metern Radstand allenfalls den eingeschränkten Kopfraum im Fond zu bemeckern gibt. Sitzkomfort, Klimatisierung und Geräuschniveau sind vorbildlich, wenngleich der Audi A8 akustisch durchaus als Diesel zu erkennen ist. Das gilt nicht nur für die Start-Stopp-Automatik, die gerade beim Ampelstart Komfortwünsche offen lässt.

Der Vortrieb des allradgetriebenen A8 4.2 TDI ist gewaltig. 283 kW / 385 PS und bullig grollende 850 Nm schieben aus jedem Drehzahlbereich wild und ungehemmt voran. Wer den über 2,1 Tonnen schweren Audi außerhalb des Stadtgeheges frei galoppieren lässt, bringt ihn in 4,7 Sekunden aus dem Stand an die Tempo-100-Marke. Nicht, dass das jemals jemand im Alltag ausprobieren würde. Doch die Zahl verdeutlicht nur allzu gut, wie sehr sich der 4,2 Liter große Commonraildiesel von einem Dreiliter-V6 unterscheidet. Der große Achtzylinder arbeitet dazu vorbildlich im Hintergrund mit der achtstufigen Getriebeautomatik aus dem Hause ZF zusammen und vollzieht Gangwechsel kaum spür- und hörbar im Hintergrund. Bei 250 km/h wird der Allradler mit der präzisen, aber etwas zu gefühllosen Lenkung abgeregelt, während die variable Luftfederung alles auf der Fahrbahn wegfedert, was sich einem in dem Weg stellt. Bei Querfugen könnte die Dämpfung in jedem Fahrprogramm etwas mehr Feinfühligkeit walten lassen.

Vollkommen üblich in der Luxusliga lässt sich der Audi A8 4.2 TDI nahezu nach Belieben mit allem nur erdenklichen Komfort ausstaffieren. Das Serienpaket des Vorzeige-Audi ist dabei für einen Einstiegspreis von 94.800 Euro dünner denn je. Wer den Fond noch langstreckentauglicher machen möchte: der verlängerte Radstand kostet inklusiv einiger Reiseaccessoires 5.000 Euro extra. Peinlich und wenig standesgemäß, dass der Topdiesel in der A8-Modellpalette ab Werk weder über klimatisierte Komfortsitze, noch Vier-Zonen-Klimaautomatik oder Sitzheizung im Fond verfügt. Alles, was den Audi luxuriös und edel macht, muss für teures Geld extra bezahlt werden. So ist noch nicht einmal das gute Navigationssystem beim 385-PS-Diesel oder das sanft illuminierende Ambiente-Licht für den Innenraum an Bord. Und auch beim Thema Sicherheit kosten viele sinnvolle Assistenzmodule teures Aufgeld.

Die serienmäßigen LED-Scheinwerfer lassen sich für 800 Euro zum variablen Hightech-Licht aufstocken und auf die elektrische Heckklappe will für 590 Euro in dieser Fahrzeugklasse ebenso niemand verzichten wie auf die Navigation, die sich Audi schamlose 2.900 Euro extra kosten lässt. Darin ist noch nicht einmal digitaler Radio- oder TV-Empfang enthalten. Zudem sind die Vernetzungsmöglichkeiten mit Musikdiensten oder Apps nicht nur in diesem Segment überschaubar. Hier hinkt Audi insbesondere der Konkurrenz von BMW weit hinterher. Wer sich exklusives Sonderleder, Einzelsitze im Fond oder abgedunkeltes Dämmglas mit zusätzlicher Frontscheibenheizung und schöne 20-Zöller gönnt, kann den Preis des Audi A8 4.2 TDI selbst mit kurzem Radstand an die 150.000-Euro-Marke drucken. Dafür gibt es nobelstes Ambiente, serienmäßigen Allradantrieb, jede Menge Fahrspaß und grandiosen Reisekomfort - zu einem realen Verbrauch. Wenn nur der gigantische Preis nicht wäre.

Press-Inform / pressinform
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.