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Hongguang Mini EV Dieser Micro-SUV aus China kostet 3600 Euro und ist das erfolgreichste E-Auto der Welt

Der Wagen ist für den asiatischen Markt konzipiert, also für kleinere Personen ausgelegt.
Der Wagen ist für den asiatischen Markt konzipiert, also für kleinere Personen ausgelegt.
© PR
Ein Wagen wie ein Tesla Model 3 ist der Hongguang Mini EV sicher nicht, und doch führt er weltweit die Verkaufscharts für E-Fahrzeuge an. Zum Preis eines E-Bikes bietet der Mini für vier Personen mindestens 120 Kilometer Reichweite, 100 km/h Spitze und hat sogar eine Klimaanlage.

Tesla verliert 2021 die Spitzenposition beim weltweiten Absatz von E-Mobilen. Die im Westen weitgehend unbekannte Firma SAIC-GM-Wuling hat in den ersten beiden Monaten 2021 mehr Autos verkauft als Tesla, so EV Sales, ein US-Industrieberatungsunternehmen, das die globalen Elektroauto-Märkte beobachtet. Bei der Firma handelt sich um ein Joint Venture zwischen der staatlichen Schanghai Automotive Industry Corp (SAIC), General Motors und Wuling. Das gelang, obwohl SAIC-GM-Wuling nur ein einziges Modell anbietet, und das auch nur in einem Land, den Hongguang Mini EV. In China, dem weltweit größten Automarkt.

Das Geheimnis: Der Mini der Firma ist konkurrenzlos billig. Das Elektrowägelchen kostet nur 28.000 Yuan, das entspricht etwa 3600 Euro. Und natürlich kann man den Mini EV nicht mit dem Model Y oder dem Model 3 vergleichen. Der Mini EV tritt in einem anderen Segment an. Dennoch ist diese Verschiebung ein deutlicher Hinweis, dass die Gleichung Tesla=Elektroauto nicht mehr stimmt. Den Markt werden in Zukunft Anbieter dominieren, die elektrische Klein- und Kleinstwagen anbieten, denn hier sind andere Stückzahlen möglich als in der Oberklasse und der gehobenen Mittelklasse, die Tesla bislang bedient.

Preis ohne Subventionen 

An dem Micro-SUV Mini EV sind verschiedene Dinge spannend. Das Unternehmen soll nur 12 Monate gebraucht haben, um das Fahrzeug zu entwickeln und in die Produktion zu bringen. So ein Modellzyklus ist bei europäischen Herstellern undenkbar. Dass ein Newcomer sechs Monate nach Markteintritt die Verkaufscharts anführt, zeigt, wie sehr der Automarkt in Bewegung ist.

Der chinesischen Industrie wird häufig Dumping unterstellt. Doch der Preis von 3600 Euro gilt in China selbst. Und das ohne Kaufsubventionen, die etwa in Deutschland E-Autos um etwa 10.000 Euro verbilligen. Für die weitaus geringeren Subventionen aus Peking kommt der Mini EV wegen einer Reichweite unter 250 Kilometer nicht infrage. Er profitiert allerdings von den chinesischen Zulassungsbestimmungen und Steuern, die E-Kleinstwagen in China attraktiv machen. Die Firma muss also bei einem Preis von nur 3600 Euro Gewinn machen.

Während westliche Autobauer danach trachten, einem E-Auto die Leistung und Reichweite zu verschaffen, die der Kunde von einem Diesel her gewohnt ist, markiert der Mini EV eine andere Denkweise. Zu einem Preis, für den man hierzulande ein E-Bike bekommt, gibt es ein elektrisches Stadtwägelchen für vier Personen. Wer so ein Gefährt kauft, erwartet weder die Fahrleistungen eines Sportwagens noch die Reichweite für große Urlaubsreisen.

Kleiner Preis - kleine Erwartungen

"Natürlich ist er nicht für Drag-Racing oder einen langen Roadtrip nach Tibet gedacht, sondern für den täglichen Gebrauch in einer großen Stadt, damit Sie Ihre Kinder von der Schule abholen oder zum Lebensmittelgeschäft fahren können, wenn Sie die notorisch überfüllte U-Bahn in Schanghai während der Stoßzeiten fürchten", so ein Verkäufer der Firma zur "Asia Times". "Seine Leistung kann nie mit der eines Tesla mithalten, aber mit seiner Größe kann man sich auf einer verstopften Straße in den Verkehr ein- und ausschlängeln. Die Leute werden nicht zu viele unrealistische Erwartungen an ein 3600 Euro teuren Elektrofahrzeug stellen. Es ist wie ein großes Spielzeug, das man fahren kann, das aber kein großes Loch in die Tasche brennt."

Der Mini wird über Nacht in der normalen Steckdose aufgeladen. Eine Füllung soll für 120 Kilometern und eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde reichen. Die Luxusversion für 4700 Euro hat ein größeres Batteriepack, das für 170 Kilometer Reichweite genügt. Immerhin 27 PS stehen zur Verfügung. 2,90 Meter Länge und 1,50 Meter Breite reichen für vier schmale Plätze. Zum Vergleich: Ein VW Up misst  3,6 Meter Länge und 1,6 Meter Breite. Beim Polo sind es schon 4 Meter und 1,75 Meter. Der Kofferraum des Mini EV ist naturgemäß klein, bei nur zwei Insassen kann man die hinteren Sitze umlegen. Dann passen erstaunliche 741 Liter in das Auto. Für den Mini-Preis bringt der Hongguang Mini-EV ein Antiblockiersystem, Reifendrucküberwachungssensoren und Parksensoren hinten mit. Dazu gibt es eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Stereoanlage und zwölf Ablagefächer. Angaben zum Abschneiden in Crash-Tests gibt es nicht. Aufmerken sollte man auch, weil Frontairbags als Extra verkauft werden.

In der EU würde der Mini EV nicht als Pkw gelten, sondern als Leichtfahrzeug. Wie ein Quad nur mit Karosserie drumherum. In China ist die Geschwindigkeit von 100 km/h wichtig für die Kunden. Der Mini EV kann so Autobahnen, Schnellstraßen und die entsprechenden Brücken und Tunnel benutzen, mit langsameren Fahrzeugen ist das nicht erlaubt.

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