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Extrem-Offroader Sherp ATV: Dieser Geländewagen schafft alles - außer Straße

Ein russischer Tüftler baut den rabiatesten Geländewagen der Welt. Das Fahrzeug bezwingt Geröll, Sümpfe und Flüsse mit nur 44 PS. Und es gibt ihn zum Schnäppchenpreis.

Keine Angst vor nassen Füßen.

Keine Angst vor nassen Füßen.

Landrover, G-Klasse oder Jeep können bei einem Offroad- Wettbewerb mit dem Sherp ATV gleich in der Garage stehen bleiben. Außer bei Themen wie Komfort, Einparken und Autobahntauglichkeit werden sie vom russischen Sherp in die Tasche gesteckt. Ernsthaft könnten sich nur Militärfahrzeuge wie der originale Humvee oder ein Militär-Volvo wie der C202 mit dem russischen Naturburschen messen. Aber selbst wer auf Geröll und Steigungen noch mit dem Sherp mithalten kann, muss passen, wenn der Russen auf sein ureigenstes Terrain kommt: Und das sind Sümpfe und Flussläufe. Von jeher eine Herausforderungen auf die russische Allradler mehr Wert legen als westliche Modelle.

Sherp ATV

Schick ist er auch noch.

Die brachiale Konstriktion kennt nämlich eine Besonderheit: Riesige Reifen wie man sie von Big-Foot-Trucks kennt. Sie verwandeln den Sherp in ein Amphibenfahrzeug. Auf Videos bricht die Maschine auf dem Eis eines Flusses ein, schwimmt zwischen den Schollen und robbt sich wieder auf festes Eis. Die Wanne zwischen den Reifen dichtet das Fahrzeug wie ein Boot ab. Ein echter Geländegänger, der weder Weg noch Brücke benötigt. Einem normalen Geländewagen ist der Russe immer dann überlegen, wenn der Untergrund nicht trägt.

Spezialität weicher Untergrund

Wer kennt nicht die Videos, auf denen ein Audi mit Allradantrieb einen schneebedeckten Hang hinauf jagt. Sieht hübsch aus, ist aber komplett gefakted: Wenn vorher nicht eine Pistenraupe den Schnee betonhart verdichtet, endet der Audi-Ausflug in den Tiefschnee nach drei Metern. Die Reifen brechen ein, der Wagen sinkt solange hinab, bis die Wanne im Schnee aufschwimmt und die Reifen in der Luft drehen.

Sherp ATV

Das "Auto" wurde irgendwie zwischen die Reifen gequetscht.

Genau das Gleiche passiert im Sumpf - oder im Falle von Russland, wenn im Frühjahr ein Meter Schlamm über dem Permafrostboden liegt.

Sherp ATV ist kein Freizeitauto

Vom ganzen Konzept ist der Sherp ATV ein beinhartes Nutz- oder Militärfahrzeug. Die Maße haben die Entwickler versucht so knapp wie möglich zu halten. Die Länge liegt bei nur 340 cm, die Höhe bei 252 cm und die Breite allerdings bei beachtlichen 230 cm. Die 1,6 Meter hohen Reifen tragen eben mächtig auf, für schmale Bergpfade wurde der Sherp nicht entwickelt. Das Ungetrüm wiegt nur 1,3 Tonnen und kommt mit einem kleinen Vierzylinder von Kubota aus. PS-Wahn ist nicht nötig, das Aggregat leistet nur 44 PS. Das ist aber nicht ungewöhnlich. Der alte extrem geländegängige Volvo C202 kam auch mit nur 68 PS aus, dabei war der schwedische Militärtransporter ungleich größer. Nur mit Top-Speed kann der Sherp nicht punkten: bei nur 45 km/h ist Schluss, ob auf der Straße oder im Gelände ist einerlei.

Von einem klassischen Auto unterscheidet sich der Sherp nicht nur durch die Niederdruckreifen. Der Entwickler Alexei Garagashyan entwickelte spezielle Achsen und ein eigenes Antriebssystem. Auf Differentiale kann er verzichten, weil die Räder mit einem System von Zahnrädern und Ketten angetrieben werden. Eine Lenkung im eigentlichen Sinne gibt es nicht, die Reifen schlagen in der Kurve nicht ein, sondern es wird eine Seite – wie bei einem Panzer – einfach abgebremst. Einen Wendekreis kennt das Fahrzeug daher nicht, es dreht auf der Stelle. Aber deutlich ist auch: Der Sherp kann zwar auf Asphalt bewegt werden, aber dort fühlt er sich so unwohl wie ein Golf im metertiefen Sumpf. Alles in allem ist es ein typisch russisches Produkt: Brachial, einfach und doch effektiv. Der Motor des japanischen Baumaschinenherstellers Kubota steht im Ruf unzerstörbar zu sein. Ersatzteile muss man bei einem Schaden nicht einfliegen, die Antriebskonstruktion des Sherps kann ein geschickter Mechaniker mit Hilfe eines Dorfschmieds überall auf der Welt selbst reparieren.

Zum Schluss das Beste: Dank des Rubelkurses gibt es das Qualitätserzeugnis aus St- Petersburg zum Schnäppchenpreis. Das Geländeungetüm kostet nur etwa 70.000 Dollar. In der überschaubaren Aufpreisliste finden sich sinnvolle Extras wie Zusatztanks, ein Stromgenerator und – wohl sehr empfehlenswert  – eine leistungsstarke Warmluftheizung.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.