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Hintergrund: Dreht sich der Automarkt langsam wieder? Kommt die Entspannung zurück?

Kia EV6 GT
Kia EV6 GT
© press-inform - das Pressebuero
Die Inflation in der Bundesrepublik liegt unverändert bei deutlich über sieben Prozent, die Stimmung geht stetig in den Keller und die Autoproduktion fährt ganz langsam wieder hoch. Nach schweren zweieinhalb Jahren könnte sich der Automarkt bald wieder drehen.

Die ersten Anzeichen für eine Entspannung der extrem hohen Preise und der endlosen Lieferzeiten lassen sich in Deutschland als wichtigstem Automarkt in Europa erkennen. Der Hauptgrund liegt in einer langsam, aber stetig schlechter werdenden Stimmung in Wirtschaft und Bevölkerung, die zu einem geringeren Kaufinteresse führt. Dazu kommt die anhaltend hohe Inflation von mehr als sieben Prozent und die Tatsache, dass sich der Situation auf dem Neu- wie Gebrauchtwagenmarkt langsam zu entspannen scheint – zwar langsam, aber der Trend scheint eindeutig.

Zwar wurden im vergangenen Monat in Deutschland 205.900 Pkw neu zugelassen und damit 13 Prozent weniger als im Juli des vergangenen Jahres. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2022 bedeutet das insgesamt 1,4 Millionen Neufahrzeuge und damit ein Minus von elf Prozent im Vergleich zum Jahre 2021. Im Vergleich zum letzten Vorkrisenjahr 2019 besteht aktuell ein Defizit in Höhe von 34 Prozent, 737.900 Einheiten. Weiterhin dämpfen der Mangel an elektronischen Komponenten, hohe anhaltend Rohstoffpreise sowie die allgemeine Verunsicherung aufgrund des Ukraine-Krieges den Markt und die Fertigung. Der Auftragseingang aus dem Inland ist im Juli weiter gesunken und lag um 32 Prozent unter dem Vorjahresmonat. Doch die ausländischen Auftragseingänge legte erstmals seit Juni 2021 mit einem Plus von drei Prozent wieder zu. Die Pkw-Produktion in Deutschland ist im Juli den dritten Monat in Folge gestiegen: Die deutschen Hersteller fertigten 263.400 Pkw (plus sieben Prozent). Das Produktionsniveau aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 ist noch weit entfernt und wurde im aktuellen Jahresverlauf um 32 Prozent unterschritten. Mit 209.600 exportierten Neufahrzeugen lag der Export im Juli dieses Jahres um 18 Prozent oberhalb des schwachen Vorjahresniveaus. Im Jahresverlauf wurden knapp 1,5 Mio. fabrikneue Pkw exportiert. Das sind drei Prozent weniger als im Vorjahr.

Erste positive Anzeichen gibt es auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Die Online-Gebrauchtwagenplattform Carvago hat die Entwicklungen auf dem deutschen Markt im zweiten Quartal 2022 analysiert. Danach sanken in mehreren Marktsegmenten die Fahrzeugpreise, während die Kilometerstände steigen. Im Vergleich zum ersten Quartal sind die Preise für Gebrauchtwagen in Deutschland für Fahrzeuge mit einem maximalen Alter von fünf Jahren um 9,5 Prozent gefallen. Für Autos, die maximal zehn Jahre alt sind, haben sich die Preise um vier Prozent erhöht. Gleichzeitig weisen die Fahrzeuge höhere Kilometerstände auf: Hatte der durchschnittliche Gebrauchte im Vorquartal noch 31.341 Kilometer auf dem Tacho, sind es derzeit 35.859 gefahrene Kilometer. „Jeden Tag analysieren wir mehr als fünf Millionen Gebrauchtwagenanzeigen auf dem europäischen Markt. Dadurch sind wir in der Lage, den Markt konstant zu analysieren und einen Einblick in seine Entwicklung zu geben“, erklärt Carvago-CEO Jakub Sulta, „wir gehen davon aus, dass es sich bei der derzeitigen Preisentwicklung mit teilweise sinkenden Preisen um ein kurzfristiges Phänomen handelt, das höchstens eine Frage von Wochen oder Monaten sein wird.“

Im Vergleich zum Vorjahresquartal waren der VW Golf und die C-Klasse von Mercedes die beliebtesten Gebrauchtwagen. War der BMW X1 im ersten Quartal 2022 noch auf dem dritten Platz im Gebrauchtwagenranking, wurde der Mittelklasse-SUV im zweiten Quartal 2022 durch den VW Polo abgelöst. Ein Nachfrageanstieg kann zudem bei Dieselfahrzeugen beobachtet werden. Hier ist die Nachfrage im Quartalsvergleich um zwei Prozentpunkte, von 34 auf 36 Prozent, gestiegen.

Auch nach Ansicht der Analysten von Dataforce könnte sich der Markt langsam erholen. Hauptursache der schwachen Marktentwicklung sind zwar nach wie vor die Produktionsausfälle. Rechnet man saisonale und arbeitstägliche Verzerrungen heraus, zeigt sich nach Dataforce eine allmähliche Verbesserung. Im August sollte sich daher der Rückgang nur noch im einstelligen Bereich bewegen. Ab September rechnen die Analysten wieder mit einem Wachstum. Dann könnten sich die Wartezeiten für Neufahrzeuge – gerade für Elektroautos – ein Stück reduzieren. Nach wie vor haben viele beliebte Modelle Wartezeiten von mehr als einem halben Jahr oder mehr. Die jüngsten Ankündigungen zu den wegfallenden Subventionen für Plug-in-Hybriden machen sich ebenfalls langsam bemerkbar. Deren Zulassungen gingen im vergangenen Monat um zwölf Prozent zurück.

pressinform

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