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"Die Höhle der Löwen": Flipcar bei DHDL: Ein Auto leihen für nur einen Euro - kann das funktionieren?

Für einen Euro von Hamburg nach München? Auto, Versicherung und Sprit sind inklusive. Das bietet die App Flipcar, nun wollen die Gründer mehr Geld, um expandieren zu können.

Mit etwas Glück erwischt man einen Traumwagen - es kann aber auch ein Opel Corsa werden.

Mit etwas Glück erwischt man einen Traumwagen - es kann aber auch ein Opel Corsa werden.

Getty Images

Mit einem schönen Auto in die nächste Stadt – und nur einen Euro Gebühr bezahlen. Das hört sich unglaublich an, gibt es aber. Zwei Gründer aus Bremen haben Anfang des Jahres die App "Flipcar" auf den Markt gebracht.

Sie bietet super-billiges Carsharing. Doch wie können die Gründer Sven Gunkel und Okan Gürsel mit so einer Mini-Gebühr leben? Ganz einfach, sie haben sich in das Geschäft der großen kommerziellen Autovermieter eingeklinkt. Diese Firmen haben immer das Problem, dass ihre Autos nicht in der richtigen Stadt stehen. Normalerweise bezahlen sie einen Fahrer, der den Wagen wieder von A nach B bringt. Findet sich ein Flipcar-User sparen sie diese Kosten. "Das Auto muss sowieso von A nach B, die Fahrt würde also so oder so stattfinden. Im Prinzip tun unsere Nutzer den jeweiligen Autovermietungen sogar einen Gefallen", so Sven Gunkel und Okan Gürsel. Die Autovermieter würden damit im Schnitt bis zu 80 Prozent ihrer Überführungskosten einsparen.

Grenzen der Idee

Auf die Idee sind sie durch einen reinen Zufall gekommen. Ein Bekannter musste für seine Firma ein Auto wegbringen und ist dann mit der Bahn zurückgefahren. Weil die Rückfahrt des Fahrers bei Flipcar entfällt, spart man die App die Strecke und ist sogar umweltfreundlicher unterwegs als mit der klassischen Lösung mit einem Überführungsfahrer. Das Ziel der Gründer ist es, ganz Deutschland mit möglichst vielen Partnern zu vernetzen und so alle Metropolen zu verbinden – für nur einen Euro. Selbst die Kosten für Sprit und Versicherung sind in dem Euro enthalten.

Das Konzept hat natürlich Grenzen. Zunächst einmal muss die vom User gewünschte Strecke zwischen seinem Aufenthalt und seinem Zielort zum gewünschten Zeitpunkt angeboten werden. Jemand der von Bayreuth nach Berlin möchte, nützt es wenig, wenn Fahrer von Bayreuth nach München oder Nürnberg gesucht werden. Sollte die App bei den Usern sehr erfolgreich werden, kommt das Konzept auch ans Limit, weil die Zahl der Überführungsfahrten nicht wachsen wird, nur weil viele Leute, die "1 Euro"-Idee nachfragen. Da die Fahrzeuge häufig zwischen bestimmten Destinationen rotieren, kann man natürlich auch das Glück haben, selbst auf so einer Route reisen zu wollen. Man kann auch eine Wunschstrecke verbuchen, dann gibt es eine Nachricht, sobald sich eine Gelegenheit ergibt.

Günstige Alternative

Neu ist die Idee "Reise per Überführungsfahrt" allerdings nicht. Sie bieten auch andere Firmen an, deren Buchung ist – derzeit – aber nicht so komfortabel. Ein kleiner Test zeigt: Die Installation der App funktioniert einfach, man muss allerdings persönliche Daten angeben, darunter die Kreditkarte. Wie zu erwarten, war nicht jede "Strecke" von unserem Teststandort Hamburg aus zu buchen. Überführungsklassiker wie Hamburg-Frankfurt allerdings schon. Ein Beispiel: Ein großer Van mit sieben Sitzen will für einen Euro nach München gebracht werden. Will man nun nicht nach München, sondern in die Alpen könnte man den größten Teil der Reise mit vier bis fünf Personen hinter sich bringen. Wer etwas flexibel ist und etwas Glück hat, kann sogar ein 1-Euro-Auto für die Rückfahrt ergattern.

Der Fahrer des Ford Mustang macht ganz schön auf dicke Hose

Fazit: Wenn es passt, ist das Modell sehr günstig. Allerdings kann niemand damit rechnen, immer seine Wunschfahrt zu bekommen, doch bevor man etwas anderes bucht, lohnt es sich Flipcar zu checken. Ob die Sharing-App einen löwen überzeugen kann, zeigt sich in der 6. Folge von "Die Höhle der Löwen" am 8. Oktober 2019.

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