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Hannover, Münster, Karlsruhe: Deutsche Großstädte testen kostenlosen Nahverkehr – großer Zuspruch und vereinzelte Kritik

Verzichten mehr Menschen auf die Nutzung des eigenen Autos, wenn Busse und Bahnen kostenlos sind? Hannover, Münster und Karlsruhe haben es am vergangenen Samstag erfolgreich ausprobiert. Teilweise gab es aber auch Kritik an der Aktion.

Eine Frau und ein Kind kaufen im Bus ein Nahverkehrsticket

Der Test mit kostenlosem Nahverkehr soll Erkenntnisse für die anstehende Verkehrswende sammeln

Getty Images

Kann ein kostenloses Nahverkehrsangebot die Lage in den staugeplagten Innenstädten verbessern? Die Region Hannover hat am vergangenen Samstag die Probe aufs Exempel gemacht – und Hannovers neuer Oberbürgermeister Belit Onay von den Grünen zog anschließend ein positives Fazit: Der Aktionstag zur Verkehrswende sei entspannt verlaufen. Tatsächlich – und wenig überraschend – verzichteten mehr Menschen auf die Nutzung des eigenen Autos, weil Busse und Bahnen kostenlos waren. Sämtliche Stadtbahnen und Busse in der Region Hannover konnten gratis genutzt werden – zudem wurden deutlich mehr eingesetzt, um den Fahrgästeansturm zu bewältigen. Mit der Aktion sollten die Menschen am traditionell staureichen ersten Adventssamstag dazu motiviert werden, auf die Nutzung ihres Autos zu verzichten.

Kaufmann Axel Hänel, 64, aus Springe gehörte zu den Adventsshoppern, die die Aktion gezielt nutzten: "Normalerweise fahre ich mit dem Auto in die Stadt, aber das ist natürlich ein gutes Angebot. Es ist viel entspannter", sagte Hänel – zumal das Parken immer teurer geworden sei. Hannover war bundesweit nicht die einzige Stadt, die an diesem Tag kostenlosen Nahverkehr anbot: Auch im nordrhein-westfälischen Münster und in Karlsruhe in Baden-Württemberg waren Busse und Stadtbahnen in der City gratis. Dort soll das Angebot sogar an allen vier Adventssamstagen innerhalb des Stadtgebietes gelten.

Kostenloser Nahverkehr soll Erkenntnisse für Verkehrswende sammeln

Mit dem Großversuch in Hannover sollen Erkenntnisse für die Verkehrswende gesammelt werden. "Wir wollen zeigen, dass es viel einfacher ist, mit Bahn und Bus in die Stadt zu kommen anstatt mit dem Auto zu fahren und im Stau zu stehen und lange nach einem Parkplatz zu suchen", sagte der Sprecher der Großraum-Verkehr Hannover GmbH, Tolga Otkun.

Ganz preiswert war die Aktion allerdings nicht: Die Region schätzt, dass der Tag rund 600.000 Euro kostet – allein rund 365.000 Euro Einnahmeausfälle wurden erwartet. Und so gab es im Vorfeld Kritik an der Aktion: Den Menschen werde vorgegaukelt, dass ein kostenfreier Nahverkehr einfach umsetzbar wäre, bemängelte der Sprecher des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Thorsten Bullerdiek. Und: Der Nahverkehr in den Städten sei im Vergleich zur Anbindung dörflicher Regionen gut – auf dem Land fehle es dagegen viel mehr an Bussen und Bahnen.

Wie war nun die Staulage auf den Straßen der niedersächsischen Landeshauptstadt, wo sich an einem Adventssamstag in der Regel spätestens ab Mittag lange Schlangen vor den zentralen Parkhäusern bilden? "Es war deutlich weniger los an Individualverkehr. Es gab kaum Probleme", sagte Polizeisprecher André Puiu. Einige Straßen im Stadtgebiet wurden sogar für den normalen Verkehr gesperrt, damit die Busse und Bahnen schneller durchkamen.

Für Busfahrer Matthias Moog war es trotz des Andrangs eine relativ ruhige Vormittagsschicht: "Ein paar Fahrgäste waren aber schon überrascht, dass sie dann ohne zu bezahlen einsteigen konnten."

km / DPA
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