VG-Wort Pixel

Mercedes SL 2021 Zurück auf Los

Erprobung Mercedes SL 2021
Erprobung Mercedes SL 2021
© press-inform - das Pressebuero
Mercedes hat sich in den vergangenen 15 Jahren alle Mühe gegeben, die Legende des offenen SL zu einer Schlaftablette werden zu lassen. Damit soll im nächsten Jahr endgültig Schluss sein. Der neue Mercedes SL soll ab Herbst 2021 wieder zu einem Aushängeschild der Marke mit dem Stern werden.

Daimler-CEO Ola Källenius hat es erst jüngst verkündet: Mercedes will in den kommenden Jahren mehr denn je zu einer Luxusmarke werden. Seltsam nur, dass mit dem Start der neuen Mercedes S-Klasse in der kommenden Woche die beiden Nobelderivate des S-Klasse Coupé und das S-Klasse Cabriolet aus dem Modellprogramm gestrichen werden. Deren Rolle soll zukünftig wieder dem Mercedes SL zufallen; ein Modell, dass seit den 50er Jahren für exklusive Sportwagen der Schönen und Reichen steht. Das Design ist an den aktuellen AMG angelehnt, was nicht weiter überrascht, denn auch die Entwicklung des SL liegt in den Händen der Affalterbacher. Die Kunden können sich auf ein bulliges Design freuen und darauf, dass das leidige Klappdach bei der kommenden Generation endlich wieder der Vergangenheit angehört. Zudem kehrt der Mercedes SL zurück zu seinen Wurzeln, wird leichter, edler und einfach cooler.

Daimler strafft derzeit sein Modellprogramm deutlich und darunter haben mehr denn je die offenen Versionen zu leiden. Denn es wurde nicht nur das S-Klasse Cabriolet gestrichen, sondern bereits zuvor der blasse SLC (ehemals SLK) und auch das Smart Fortwo Cabrio - mittlerweile nur noch elektrisch zu bekommen - läuft aus. Die allzu nah beieinander positionierten offenen Versionen von C- und E-Klasse nehmen sich die zunehmend weniger werdenden Interessenten gegenseitig weg. Hier würde ein Modell für vier Personen reichen und angesichts von Platzangebot und Preisniveau spricht vieles für die Fortführung der offenen E-Klasse - auch weil schon die größere S-Klasse fehlt. Wer es künftig edel will, steigt dann eben in den 2+2-sitzigen Mercedes SL, der an sich jedoch ein 2+0-Sitzer ist. Wer es kompromisslos sportlich und allein für zwei mag, setzt sich in den AMG GT Roadster, dessen Nachfolger noch sportlicher Richtung McLaren und Ferrari positioniert werden dürfte.

In den späten 50er Jahren wurde der 300 SL zum elegant-sportlichen Prachtmobil der wohl Betuchten, die sich gleichermaßen gerne in Sonne und Öffentlichkeit sonnten. Der offene Mercedes 300er SL, insbesondere mit Fokus auf die USA vom spektakulären Flügeltürer abgeleitet, initiierte eine Erfolgsgeschichte ein, die in der Autobranche ihresgleichen sucht. Der betont sportliche W198 machte den Anfang; der deutlich weiblichere W 121 folgte und nach dem Pagodenroadster (W 113) wurde der Mercedes SL (Bedeutung für Sport-Leicht / Super Leicht) spätestens mit dem zwischen 1971 bis 1989 gebauten SL der Baureihe R 107 zur verchromtem Designikone. Bis heute einer der schönsten Roadster der je produziert wurde; gekrönt mit dem US-geneigten Topmodell SL 560. Ebenso wie die viertürige Mercedes S-Klasse war der SL mehr denn je immer ein Zeichen seiner Zeit. So wie die kantige Baureihe R 129 mit dem unverwüstlichen Kunststoffcharme, der für die Ewigkeit kreiert wurde. Elegant und mit Hightech vollgestopft die Nachfolgegeneration des R 230, der insbesondere vor Einführung der Glasbaustein-Frontscheinwerfer seine Fans begeisterte.

Der aktuelle Mercedes SL der Serie R 231 ist weniger Innovationsträger als seine Vorgänger und in Sachen Design insbesondere von außen ein Schatten seiner selbst. Die Verkaufszahlen dümpeln seither ohne große Amplituden vor sich hin und das Durchschnittsalter der Fahrer liegt wohl deutlich über 60 Jahren. Die blasse Optik wurde zwar nach der Modellpflege besser; doch die offenen Versionen Mercedes S-Klasse und AMG GT Roadster machten das Oben-ohne-Urgestein im breiten Daimler-Portfolio entbehrlicher denn je. Mit dem Nachfolger will Mercedes ab dem Herbst 2021 an alte Erfolge des Sonnenanbeters anknüpfen. Die Formen werden knackiger, eleganter und sportlicher. An sich hätte es sich vor Jahren angeboten, den damals neu erschaffenen Mercedes AMG GT / GT Roadster zum SL der Neuzeit zu machen - wie einst in den 50er / 60er Jahren - erst geschlossen und dann eben offen. Doch die Entscheidungen wurden immer wieder herausgezögert, AMG sollte gestärkt werden und so parkte der SL fortan ungeliebt zwischen den Stühlen.

Für Puristen begann der Abstieg bereits im Jahre 2002 als Mercedes seinen damals neuen SL (Baureihe R 230) erstmals mit einem Variodach vorstellte. Das Klappdach, großer Trend der späten 90er und frühen 2000er Jahre, wird von vielen Cabrio- und Roadsterfans bis heute belächelt. Das allzu opulente Hinterteil des Mercedes SL konnte in der Generation des R 230 noch vernünftig überspielt. Jedoch wurde der SL im Laufe der Jahre mehr als 1,8 Tonnen schwer. Der aktuelle SL, bei seiner Premiere Ende 2011 immerhin um rund 150 Kilogramm leichter geworden, hat mit den eleganten Augenweiden der vergangenen Jahrzehnte nur noch wenig gemein. Zu blass und unauffällig sind die Linienführungen im Stil des Vorgängers.

Das Motorenspektrum bietet aktuell sechs, acht und zwölf Zylindern mit Leistungen zwischen 367 und 630 PS. Dabei dürfte es mit leichten Nachschlägen auch beim Nachfolger bleiben. Alle Modelle sollen das 48-Volt-Bordnetz aus der überarbeiteten Mercedes S-Klasse sowie leistungsstarke Sechs- und Achtzylinder mit Neunstufenautomatiken und Leistung im Überfluss bekommen. Bereits bei der Vorgängergeneration hatte es Überlegungen gegeben, den SL zum einen mit einem Hybridmodul und zum anderen eine Allradversion anzubieten. Viele der Kunden fahren den Mercedes SL bekanntlich als Ganzjahresmodell. Die Hybridisierung dürfte mit der serienmäßigen 48-Volt-Technik nur zunächst erledigt sein, bis über die Submarke EQ ein elektrischer Sportwagen mit Roadster-Derivat umgesetzt werden könnte. Doch der Allradantrieb scheint beim neuen SL trotz rund 55 Kilogramm Mehrgewicht gesetzt. Die schlechte Nachricht für alle SL-Fans: mittelfristig ist auch ein wenig imageträchtiger Vierzylinder-Turbo mit Hybridmodul und rund 400 PS im Gespräch.

pressinform

Wissenscommunity


Newsticker