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Opel Meriva 1.6 CDTI: Viererbande

Opel überarbeitet seinen Meriva so dezent, dass zweimal hinsehen kaum Weisheit über den Jahrgang bringt. Die wichtigste Neuerung: der 136 PS starke Topdiesel ist ein wahres Sahnestück.

Wenn ein Auto damit wirbt, dass seine Türen im praktischen Winkel von 84 Grad aufschwingen, weiß man, dass Emotionen hier hinten anstehen sollten. Doch man täte dem 4,30 Meter langen Opel Meriva Unrecht, ihn zu einem lieblosen Alltagsmobil abzustempeln. Der Rüsselsheimer Familien-Beförderer hat einiges auf dem Kasten. Seit 2010 auf dem Markt, ist der Minivan mit den gegenläufig öffnenden Seitentüren etwas in die Jahre gekommen. Navigation, Vernetzung, Innenraumdetails und Motoren - hier verlangen auch junge Familien und Senioren längst nach mehr. Leider hat Opel die Modellpflege optisch allzu zaghaft ausfallen lassen. Ein paar neue Rückleuchten und eine nur leicht geänderte Front dürften gerade denen kaum auffallen, für die es sonst wichtigeres als das eigene Auto gibt. Doch die praktischen Vorteile bleiben: vier weit öffnende Türen garantieren einen einfachen Ein- und Ausstieg. Ohne die B-Säule ginge es noch einfacher. Wie sehr würden sich nicht nur klein gewachsene Personen im Meriva über eine elektrische Heckklappe freuen?

Die Sitze in der zweiten Reihe lassen sich vielfältig verstellen und der Laderaum je nach Fondbestuhlung von 400 auf bis zu 1.500 Liter erweitern. Die Materialien im Innenraum sind jedoch auch nach der Modellpflege wenig hochwertig. Unterschiedliche Farbgebungen und Narbungen stören das verwöhnte Auge. Der neue Navigationsbildschirm mit einfacher Integration von Smartphonen gefällt; kann jedoch ohne die sinnvolle Nutzung intelligenter Apps nur ein erster Zwischenschritt sein. 31 alltagstaugliche Ablagen lassen eine Getränkefalschen ebenso locker im Innenraum unterbringen wie Kaffeebecher, Tablet-PC oder Gummibärchentüte für den nächsten Kurztrip zu Oma oder Tante.

Die dünn gepolsterten, aber mit genügend Seitenhalt und Oberschenkelauflage versehenen Sitze garantieren auch auf langen Strecken ermüdungsfreies Fahren. Opel verweist nicht ohne Stolz darauf, dass die Option Sitzheizung in Verbindung mit Lenkradheizung zuletzt die mit Abstand meistgewählte Sonderausstattung war - immerhin drei Viertel aller Merivas wurden 2013 damit ausgestattet. Was dem Meriva fehlt, sind Innovationen. Fahrerassistenzsysteme wie sie zumindest zum Teil auch im größeren Zafira verfügbar sind, sucht man vergebens und selbst Xenon- oder LED-Scheinwerfer bleiben außen vor, sodass allein ein Abbiege- / Kurvenlicht mit betagter Halogentechnik angeboten wird. Nicht viel für einen Familienvan im Jahre 2014. Da können einige Konkurrenten - gerade auch im benachbarten SUV-Segment - mehr.

Insbesondere bei den Motoren hat Opel mehr Detailliebe an den Tag gelegt. Die beste Wahl ist der aus dem Zafira übernommene Commonrail-Diesel mit 100 kW / 136 PS. Der hat nicht nur genügend Leistung, wenn man einmal zu viert oder mit entsprechendem Gepäck unterwegs ist. Insbesondere kann der 1,6 Liter große Vierzylinder mit einer großen Laufruhe und einem überraschend geringem Geräuschniveau punkten. Der Selbstzünder lässt sich auch im unteren oder oberen Drehzahlbereich nicht zu Lärm verleiten und verrichtet im Vorderwagen betont zurückhaltend seinen Dienst. Das kann man auch vom Verbrauch sagen. Denn im Normzyklus gibt sich der Familien-Opel mit 4,4 Litern Diesel zufrieden. Nicht schlecht für einen immerhin 1,5 Tonnen schweren Minivan, der 197 km/h Spitze läuft und den Spurt auf Tempo 100 in knapp zehn Sekunden absolviert. Damit liegen die Fahrleistungen auf dem Niveau des etwas lauten und ruppigeren Meriva 1.4 Turbo. Nur der Verbrauch liegt 1,5 Liter darunter und das maximale Drehmoment von 320 Nm bei etwas zu hohen 2.000 U/min stellt den Turbobenziner ebenfalls deutlich in den Schatten.

Preislich geht beim Opel Meriva 1.6 CDTI mit 100 kW / 136 PS bei 23.350 Euro in der schwach ausstaffierten Variante Edition los. Eine bessere Wahl ist der 24.890 Euro teure Meriva Innovation, der unter anderem Kurven- / Abbiegelicht, Nebelschweinwerfer, Alufelgen, Tempomat und das mehr als sinnvolle Sieben-Zoll-Display sowie elektrische Außenspiegel bietet. Die zusätzliche Navigationsfunktion (500 Euro) und das Komfortpaket mit Sitz- / Lenkradheizung, Parkpilot und Klimaautomatik (690 Euro) sollte man in jedem Fall dazu packen. Dann kann der nächste Ausflug kommen.

Press-Inform / pressinform
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.