VG-Wort Pixel

Energiepreise Rekordpreise an der Tankstelle – aber Benzin und Diesel werden noch teurer

Der Blick auf die Benzinpreise bereitet Autofahrern derzeit keine Freude.
Der Blick auf die Benzinpreise bereitet Autofahrern derzeit keine Freude.
© Frank Rumpenhorst / DPA
Noch nie war Diesel so teuer – schuld sind Steuererhöhungen und steigende Ölpreise. Noch hat der Winter nicht begonnen. Ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht.

Der Durchschnittspreis für Diesel erreichte am Sonntag 1,555 Euro pro Liter, so der ADAC. Damit hat er ein Allzeithoch erreicht und den bisherigen Rekord von 1,554 Euro pro Liter vom 26. August 2012 übertrumpft. Beim Benzin ist es noch nicht ganz so weit. Super der Sorte E10 erreichte am Sonntag bei 1,667 Euro pro Liter. Es fehlen noch 4,2 Cent zum Rekord von 1,709 Euro am 13. September 2012.

Für die hohen Preise sind mehrere Faktoren verantwortlich. Davon sind einige temporär, sie können in der Zukunft also auch schwächer ausfallen. Andere werden die Spritpreise dauerhaft verteuern. Dazu zählen die Steuern, die einen guten Teil der Verbraucherpreise ausmachen. Beim Diesel sind das derzeit in etwa 25 Cent Mehrwertsteuer und 47 Cent Mineralölsteuer. Dazu kommen 6 bis 8 Cent aus dem Kohlendioxid-Preis, der seit Anfang des Jahres erhoben wird. Dieser Mehrpreis wird in Zukunft steigen und auf Dauer die Verbraucher belasten. Mit der Situation in Großbritannien hat die Preissteigerung in Deutschland übrigens nichts zu tun. In Großbritannien kommt es zu Schlangen und Panikkäufen, weil die Tankstellen nicht beliefert werden können, da viele Trucker das Land verlassen haben. Der Brexit in Kombination mit Freistellungen während der Corona-Krise hat dazu geführt, dass sie in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind. Und nun im britischen Arbeitsmarkt nicht genügend Fahrer für schwere Lkw zur Verfügung stehen.

Post-Covid Preisrallye

Weltweit erreicht der Ölpreis neue Höchstmarken. Hier macht sich vor allem der Umschwung zum Corona-Jahr 2020 bemerkbar, das generell wegen der zusammengebrochenen Nachfrage sehr geringe Energiepreise mit sich brachte. Entsprechend schmerzlich fällt nun der Anstieg aus. Mit der anspringenden Konjunktur hat der Ölpreis einen mehrjährigen Höchstpreis erreicht – aber noch kein Allzeithoch. Wie bei anderen Gütern auch, macht es sich bemerkbar, dass die weltweiten Lieferketten nicht mit der sprunghaft ansteigenden Nachfrage Schritt halten. Und offenbar haben auch die Ölfirmen nicht mit einer Steigerung des Absatzes in diesem Maßstab gerechnet.

Die Konjunktur trifft auf den Beginn der Heizperiode, in der auch die Nachfrage nach Heizöl steigt. Der Winter setzte in der Nordhalbkugel früher ein als üblich, es wird auch ein kälterer Verlauf erwartet. Entsprechend groß wird der Bedarf nach Heizöl sein.

Teures Gas führt zu Preisanstieg beim Öl

Experten nehmen an, dass der Preisanstieg bei Rohöl noch nicht die Spitze erreicht hat. Mit 80 US-Dollar für das Barrel wurde am Wochenende ein Dreijahreshoch erreicht, so Kamco Invest in seinem monatlichen Ölmarktbericht. Die Kamco-Analyse zeigt, dass die Öl-Nachfrage noch nicht den vollen Höhepunkt erreicht hat, da einige Verbrauchssegmente, wie beispielsweise Industriekraftstoffe und Düsentreibstoff, bislang nicht das Niveau vor Covid-19 erreicht haben. Die steigende Nachfrage trifft jedoch auf nur geringfügige Ausweitungen der Fördermengen. Die Lagerbestände von Diesel und Benzin sind dagegen auf den niedrigsten Stand seit 2014 gesunken.

Die hohen Gaspreise wirken sich ebenfalls auf den Ölmarkt aus, so Kamco. "Darüber hinaus haben die hohen Gaspreise und eine Knappheit an Kohle die Stromerzeugungsunternehmen in mehreren Teilen der Welt dazu veranlasst, auf rohölbasierte Brennstoffe umzusteigen." Die Ausfälle bei den Gas- und Kohlekraftwerken werden durch Gas-Ersatzstoffe wie Diesel und Heizöl aufgefangen. Diesel wird auf dem asiatischen Markt zunehmend nachgefragt, was zu einer Verknappung in Europa führte. Sollte es in Asien zu größeren Stromausfällen durch die Versorger kommen, wird die Nachfrage nach Diesel weiter sprunghaft ansteigen, da viele Verbraucher dann auf Strom aus Generatoren ausweichen. Analysten prognostizieren nun zumindest zeitweise einen Ölpreis von 100 US-Dollar pro Barrel und das wird sich auch an den deutschen Tankstellen bemerkbar machen. Mit 1,55 Euro für Diesel und 1,66 für Benzin dürfte daher nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker