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Sao Paulo Motorshow 2012: Neidischer Blick auf den Zuckerhut

Der brasilianische Automarkt ist einer der wichtigsten der Welt. Die Wirtschaft ist stabil und längst kann sich kein Hersteller mehr erlauben, in Brasilien zu patzen. Die 27. Sao Paulo Motorshow zeigt, wohin die Reise geht.

Zwei Marken haben in Brasilien seit Jahrzehnten die Hosen an: Volkswagen und Fiat. Wenn sich in den Metropolen Sao Paulo und Rio de Janeiro die tägliche Blechlawine durch Geschäfts- und Villenviertel sowie entlang der Favellas schiebt, werden die Straßen von europäischen Marken bevölkert. Insbesondere Volkswagen und Fiat machen die rund 190 Millionen Brasilianer mobil. Mit gehörigem Abstand folgen Volumenhersteller wie Renault, Ford oder General Motors. Rund 70 Prozent der der Brasilianer finden ihren fahrbaren Untersatz im Einstiegssegment. "Der VW Gol ist seit 25 Jahren das meistverkaufte Auto", so Thomas Schmall, Präsident von Volkswagen do Brasil, "und das wird auch 2012 so bleiben." Auf der Sao Paulo Motorshow wird erstmals der dreitürige Gol der neuesten Generation gezeigt. Unspektakulär, praktisch, günstig - eben ein Volkswagen.

Die Geschichte der Sao Paulo Motorshow, die alle zwei Jahre im europäischen Herbst stattfindet, begann im Jahre 1960 als gerade einmal ein Dutzend Autohersteller wie Volkswagen, Willys Jeep Overland, General Motors, Toyota, Mercedes-Benz oder Sima ihre Stars für den südamerikanischen Markt präsentierten. Das Publikum bestaunte Modelle wie Simca Chambord, Chevrolet Amazonas oder den legendären Renault Dauphine. Erst zehn Jahre später zog die wichtigste Automesse Lateinamerikas ins Messezentrum Anhembi Park nahe dem Flughafen Campo de Marte, um dort opulenter als zuvor Messestars wie Chevrolet Opala SS, VW Karmann Ghia TC oder Dodge Charger zu präsentieren.

Mehr und mehr kleine Crossover bevölkern die verstopften Straßen zwischen Natal, Rio und Sao Paulo. Hierfür hat Volkswagen mit der Konzeptstudie Taigun genau das richtige Auto, wie Thomas Schmall meint. Der Taigun dürfte mittelfristig das Topmodell der Up-Familie werden. 3,86 Meter lang bietet der urbane Crossover Platz für vier Personen und 280 bis 987 Liter Stauraum. Der standesgemäße Allradantrieb bleibt jedoch außen vor. Stattdessen wird der VW Taigun von einem ein Liter großen Dreizylinder-Turbo mit Direkteinspritzung über die Vorderachse angetrieben. 81 kW / 110 PS und 175 Nm maximales Drehmoment könnten nicht nur in Südamerika für sportlichen Vortrieb sorgen. 186 km/h Spitze sind ebenso zeitgemäß wie ein Normverbrauch von unter fünf Litern. Für Premium ist in Sao Paulo kein Platz. Marken wie Audi, BMW, Porsche oder Mercedes stehen in Brasilien im Schatten.

Dass es der geneigte Brasilianer in Sachen Auto gerne etwas kleiner möchte, kann man auch am Messestand von General Motors bestaunen. Insbesondere mit dem Chevrolet Sonic wollen die südamerikageneigten Detroiter gegen Modelle wie den Dauerbrenner VW Gol, den Renault Sandero, den Fiat Palio und den aufstrebenden Hyundai HB20 bestehen. Wer mehr Sitzplätze benötigt, steigt in den Billig-Van Chevrolet Spin. Doch wie fast überall auf der Welt tun sich Vans jeglicher Größe zunehmend schwerer. Fiat, stärkster Anbieter in Brasilien, gibt sich auf der Sao Paulo Motorshow überraschend zurückhaltend und setzt insbesondere auf den ebenso günstigen wie beliebten Fiat Uno, der den emotionaler positionierten Fiat 500 deutlich in den Schatten stellt. Der Brasilianer an sich mag es eben bevorzugt praktisch und günstig. So greifen viele zum mit Kunststoffplanken zum Crossover verunglimpften Palio. Durch die hohen Steuern kostet selbst der günstigste VW Gol als Basismodell umgerechnet nicht unter 11.000 Euro.

Die kleinen SUV liegen auf dem viergrößten Automarkt der Welt dabei mehr im Trend als in einem anderen Land. Die autoverrückten Lateinamerikaner träumen von VW Touareg / Tiguan, BMW X5 oder Mercedes G-Klasse und setzen sich in den eigenen Ford Ecosport oder den Fiat Idea im Offroad-Trimm. Da kommen solch reale Gedankenspiele wie der VW Taigun oder die Nissan-Studie des Extrem Concept, der mit einer Länge von 3,85 und einem Radstand von 2,45 Metern in der gleichen Liga wie der Wolfsburger antritt, gerade Recht. Im Vergleich zum Wolfsburger ist der Nissan Extrem ganz dem Namen nach emotionaler und dynamischer gezeichnet und trägt als kleines Crossover-Coupé Designelemente der nächsten Juke-Generation in sich. Für den Antrieb der Konzeptstudie sorgt der bekannte 1,6 Liter große Turbobenziner, der den Nissan Juke mit 190 PS und 240 Nm maximalem Drehmoment antreibt.

Eine Nummer größer zeigt sich auf der 27. Sao Paulo Motorshow die realitätsnahe Studie des Renault DCross, der in Europa seit langem als preiswerter Dacia Duster zu bekommen ist. Etwas bunter und etwas emotionaler als der Duster dürfte der Renault DCross schon bald in Südamerika auf Kundenfang gehen. Wer es günstiger mag: es gibt auch den neuen Südamerika-Clio zu bestaunen - wie andere Modelle in Brasilien. Bei uns längst ausgelaufen. Das stört auf der Messe angesichts der Übermacht von sehenswerten Messemodels jedoch wenig. Schöne Frauen und Autos - das gehört in Brasilien einfach zusammen. Mit alternativen Antrieben ist durch den Kraftstoff Ethanol nichts zu holen. Selbst Hybrid-Pionier Toyota stellt seinen Prius am Zuckerhut in den Schatten. Trotz Sportversion Prius GS stehen die Kunden hier allenfalls auf den kleinen Toyota Etios. Von Hybrid und Diesel keine Spur am Zuckerhut.

Die geringe Markentreue und die Neigung der brasilianischen Kunden, sich mit mäßiger Verarbeitung und betagter Technik arrangieren zu können, bringt bei der Sao Paulo Motorshow zunehmend auch die chinesischen Hersteller auf den Plan. So stellen in dem halb offenen Messegelände im Norden der Innenstadt von Sao Paulo zunehmend auch Marken wie Great Wall, JAC Motors, Haima oder Chery ihre Modelle aus. Auch sie haben erkannt, dass in Brasilien die Post abgeht. Bis 2018 soll der Markt hier auf bis zu fünf Millionen Fahrzeuge steigen. Noch können sich rund 40 Prozent der Brasilianer kein Auto leisten. Doch der Zahl wird jährlich geringer und die Chancen der Hersteller größer.

Press-Inform / pressinform

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.