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Wahl zum Auto des Jahres: ADAC wehrt sich gegen Manipulationsvorwürfe

Jedes Jahr sucht der ADAC mithilfe einer Umfrage das "Lieblingsauto" der Deutschen. Laut einem Medienbericht soll der Sieger im vergangenen Jahr durch Stimmmanipulation gekürt worden sein.

Der Autoclub ADAC hat den Vorwurf zurückgewiesen, er habe Umfragedaten zum "Lieblingsauto" der Deutschen manipuliert. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" soll es nur 3409 Stimmen für das Siegerauto VW Golf gegeben haben. Ein ADAC-Papier vom Dezember 2013 habe dagegen als offizielles Ergebnis für den Gewinner des "Gelben Engels" 34.299 Stimmen genannt. "Wir haben keine Zahlen manipuliert", sagte eine ADAC-Sprecherin. Konkrete Zahlen will der Verein aber nicht nennen.

Wie viele Leser des Magazins "ADAC Motorwelt" sich an der Beliebtheitsabstimmung beteiligt haben, werde aber seit jeher nicht bekanntgegeben, sagte die Sprecherin. Das Magazin hatte den knapp 19 Millionen Vereinsmitgliedern 249 Fahrzeuge aller Klassen zur Wahl gestellt.

Dem "SZ"-Bericht zufolge sprach der ADAC im Jahr 2012 von 290.000 Teilnehmern der Abstimmung, tatsächlich seien aber nur 76.000 gültige Stimmen gezählt worden. Der ADAC räumte "einige Unklarheiten" in den vergangenen Jahren ein. Diese seien jetzt beseitigt worden.

Kein verbindliches Regelwerk

"Bislang gab es bei der Wahl zum 'Lieblingsauto' kein verbindliches Regelwerk, was nach Veröffentlichung der Ergebnisse gelegentlich zu Nachfragen von einzelnen Herstellern geführt hat", teilte die ADAC-Sprecherin mit. "So wurden beispielsweise im Jahr 2013 in der Kategorie 'Lieblingsauto' überproportional viele ungültige Stimmen abgegeben und entsprechend aus der Wertung genommen." Wie genau die Auswertung stattfindet, sei laut dem Bericht nebulös. Sicher sei nur, dass die Zahlen der Online-Abstimmung in der Zentrale in München ausgewertet würden, eingeschickte Coupons in Landsberg am Lech. Beide Zahlen würden dann Michael Ramstetter übermittelt, Chefredakteur der "Motorwelt" und Kommunikationschef des Verbands. "Wenn die Zahlen sein Büro wieder verlassen, scheinen sie sich vervielfacht zu haben", schreibt die "SZ".

Brisant sei eine mögliche Manipulation des Preises, angesichts der Macht, die der ADAC inne halten würde. Fast 19 Millionen Menschen würden die "Motorwelt" lesen. 13,8 Millionen Exemplare würden jeden Monat verschickt, keine andere Zeitschrift in Europa erreiche diese Auflage.

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"Fantasiezahlen" angeblich schon 2012

Auch 2012 soll schon mit "Fantasiezahlen" gearbeitet worden sein, schreibt die "SZ". Damals sei im Mitgliedermagazin "Motorwelt" behauptet worden, allein die fünf Erstplatzierten Wagen hätte 105.432 Stimmen erhalten. Der Zeitung lägen jedoch Informationen vor, wonach diese Zahl nicht einmal erreicht werde, wenn alle abgegebenen Stimmen zusammengezählt werden.

VW-Chef Martin Winterkorn soll den Preis kommenden Donnerstag in München entgegennehmen. Zu der Feier erwartet der ADAC rund 400 Gäste aus Industrie, Wirtschaft und Politik.

ono/DPA / DPA

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