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Ratgeber: Haben Gasantriebe eine Chance gegen Elektroautos? Sauber in der Sackgasse

Audi A3 CNG
Audi A3 CNG
© press-inform - das Pressebuero
Der Tankrabatt ist verflogen – der Benzinpreis liegt pro Liter wieder bei deutlich über zwei Euro. Diesel kostet mitunter sogar bis zu 2,30 Euro. Könnte das eine Chance für eine Rückkehr der Fahrzeuge mit Gasantrieb sein?

An den Tankstellen stehen die Preisschilder für Erdgas oder Autogas oft auf kleinen Hinweistafeln am Rande. Verglichen mit den Preisen für Benzin, Super oder Dieselkraftstoff sind die Preise jedoch günstiger denn je. Doch Neuwagen sucht man zumeist vergeblich, nachdem die meisten Hersteller ihre Erdgasmodelle gestrichen haben. Autogas ist zumeist nur eine Nachrüstlösung für besonders durstige Benziner mit viel Hubraum oder Leistung gewesen. Allein Dacia setzt aktuell noch auf diese Technik. Da elektrifizierte Modelle fehlen, wird der Dacia Jogger zum Beispiel mit einem 101 PS starken Autogasantrieb ab Werk angeboten.

Erdgas / CNG gilt unverändert als besonders umweltfreundlich. Im Vergleich zu einem Benziner stößt der Gasantrieb bis zu 25 Prozent weniger CO2 und bis zu 95 Prozent weniger Nox aus und verspricht ganz nebenbei eine leicht höhere Energieausbeute. Einige Autobesitzer überlegen sich angesichts der Rekordpreise von Benzin oder Diesel, auf einen Gasantrieb umzusteigen, denn zumindest bis zum Jahre 2026 gilt die Steuererleichterung für CNG. Bislang allerdings waren die Zulassungszahlen von Gas- Fahrzeugen eher marginal: Insgesamt wurden laut Kraftfahrtbundesamt 2020 gerade mal 7.195 CNG-Fahrzeuge neu angemeldet; 2021 waren es nur noch 3.916. Mit LPG-Antrieb wurden im selben Jahr 10.118 Autos neu zugelassen. Im Jahr zuvor waren es rund 6.600. Zum Vergleich: 2021 kamen Elektrofahrzeuge auf 664.410 Erstzulassungen. „Das sind erfreuliche Zahlen und geben Hoffnung, dass die Verbraucher Autogas als kostengünstigen und umweltfreundlichen Kraftstoff im Markt wahrnehmen“, so Uwe Thomsen, Geschäftsführer der Propan Rheingas GmbH. Aktuell fahren in Deutschland rund 500.000 Fahrzeuge mit Autogas.

Nicht zu verwechseln mit Erdgas ist Autogas / LPG. Das Flüssiggas ist ein Gemisch hauptsächlich aus Butan und Propan. Die Gase fallen bei der Erdgas- und Erdölförderung sowie bei der Raffinierung von Erdöl als Nebenprodukt an. Auch LPG verbrennt etwas umweltfreundlicher als Benzin. Ein Gasauto läuft mit einem herkömmlichen Ottomotor. In dessen Zylindern wird statt eines Gemischs von Benzin und Luft ein Gas-Luft-Gemisch verbrannt. Die meisten Gas-Fahrzeuge haben neben dem Gas- auch noch einen Benzintank. Sobald der Gastank leer wird, schaltet der Motor automatisch auf Benzin um. Wenn also in der Nähe keine Gastankstelle zu finden ist, bleibt man trotzdem mobil. LPG wird derzeit an knapp 7.000 Tankstellen in Deutschland flächendeckend angeboten, knapp 800 CNG-Stationen sind in Betrieb.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, mit Gasantrieb unterwegs zu sein: Über die Nachrüstung des eigenen Autos oder die Anschaffung eines schon ab Werk dafür ausgerüsteten Autos. Eine Nachrüstung sollte nur bei einer dafür geübten Werkstatt erfolgen. "Empfehlenswert sind Fachwerkstätten, die die vorgeschriebenen Prüfungen von Gasanlagen durchführen dürfen“, rät der ADAC. Die Nachrüstung müsse der Zulassungsbehörde gemeldet und in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden. Um Stress mit dem TÜV zu vermeiden sollte die CNG-Umrüstanlage nach ECE-R 115 genehmigt sein.

Zwar kommen so gut wie alle Verbrenner grundsätzlich für eine Umrüstung sowohl für CNG wie auch LPG infrage – aber dennoch sind ein paar Anpassungen erforderlich. Das betrifft vor allem die Ventile, die einem höheren Verschleiß ausgesetzt sind. So liegt die Abgastemperatur unter Volllast höher, was die Auslassventile thermisch schädigen kann. Eingebaut werden müssen auch ein Zuleitungssystem zum Saugrohr und entsprechende Motoren-Managementsysteme. Einige Umrüster empfehlen zusätzlich, Additiv-Beimenger in den Ansaugtrakt einzubauen oder ein Additiv in den Benzin- und Gastank beizumischen, um den Verschleiß der Ventile und Ventilsitze zu verringern.

Dazu kommt, dass der nachträglich eingebaute Gastank deutlich Platz im Kofferraum wegnimmt. Die Umrüstung selbst kostet je nach Automodell 3.500 bis 5.000 Euro. Dazu kommen 100 Euro für die Abnahme der Gasanlage und je nach Modell alle drei oder fünf Jahre rund 600 Euro für die vorgeschriebene Prüfung der Tanks. Es galt einmal die Faustregel, dass ab einer jährlichen Fahrleistung von 20.000 Kilometer die Umrüstung finanziell sinnvoll ist. Angesichts der aktuellen Benzinpreisentwicklung ist das allerdings wohl eher Makulatur. Wer ohnehin ein neues Auto anschaffen will, der findet einige Fahrzeuge, die serienmäßig mit Gasantrieb ausgerüstet sind. Die Vorteile: Der Gastank ist platzsparend verbaut, alle Komponenten sind werkseitig aufeinander abgestimmt. Es werden jedoch immer weniger Hersteller, die Autos mit Gasantrieb als Neuwagen ab Werk anbieten. Zuletzt kündigte Skoda an, die G-Tec-Modelle ebenfalls aus dem Motorenprogramm streichen zu wollen.

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