HOME

Alkohol am Lenker: 1,6 Promille – darum ist die Promille-Grenze für Radler so hoch

Erst ab 1,6 Promille verliert ein betrunkener Radler den Führerschein. Politiker wollen diesen Wert immer wieder senken – das ist aber gar nicht so leicht. 

Prosit am Lenker - das Unrechtsbewusstsein fehlt vielen Radfahrern.

Prosit am Lenker - das Unrechtsbewusstsein fehlt vielen Radfahrern.

Getty Images

Radfahrer haben im Verkehr häufig das Nachsehen, aber beim Thema "Alkohol am Lenker" sind sie in einer privilegierten Position. Während Autofahrer schon mit Konsequenzen rechnen müssen, wenn sie 0,5 Promille intus haben, kann der Radfahrer von der Polizei unbehelligt weiter radeln, solange er weniger als 1,6 Promille im Blut hat. Für Radfahrer hat der Bundesgerichtshof 1986 die absolute Fahruntüchtigkeit ab 1,7 Promille definiert. In der Rechtsprechung gehen Gerichte heute in der Regel von einem Grenzwert von 1,6 Promille aus.

Erst bei einem Wert darüber gilt ein Radfahrer nämlich als absolut fahruntüchtig. Wirklich sinnvoll finden Experten diese Grenze nicht, denn bei erschreckend vielen Radunfällen ist Alkohol im Spiel. Angedacht ist eine Grenze von 1,1 Promille. Das ist immer noch reichlich bemessen. Denn auch bei einem Promillespiegel von 1,1 zeigen sich bereits Probleme bei Wahrnehmung und Koordination.

Warum ist der Promillewert für Radfahrer so hoch?

Immer wieder gibt es politische Initiativen den Wert auf 1,1 Promille zu senken, die dann regelmäßig versanden. Denn die Frage, ab wann man fahruntüchtig ist, kann der Gesetzgeber nicht selbstherrlich festlegen, er muss sie wissenschaftlich ermitteln lassen.

Der letzte Versuch scheiterte kläglich. Eine Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) sollte die neue Grenze wissenschaftlich untermauern. Dumm nur, dass sich die im Dienst der Wissenschaft betrunken gemachten Radler besser schlugen als erwartet. Den Testparcours, den die Uni Düsseldorf aufbaute, absolvierten einige Versuchskaninchen mit Bravour - manche hatten sogar deutlich mehr als 1,6 Promille im Blut und dennoch keine Schwierigkeiten. Immerhin sollen die Testpersonen ab 1,1 Promille gegenüber einer nüchternen Fahrt schlechtere Leistungen erbracht haben.

Service: Vorfahrt, Drängeln, Helmpflicht - Unsere Themen zu Recht und Rad
Im Verkehr dürfen sich Radfahrer eine ganze Menge erlauben, so sagt es die Straßenverkehrsordnung. Auch wenn manche Autofahrer das partout nicht einsehen wollen.  Lesen Sie:  Für Autofahrer kaum zu glauben: Das dürfen Radfahrer alles im Verkehr

Im Verkehr dürfen sich Radfahrer eine ganze Menge erlauben, so sagt es die Straßenverkehrsordnung. Auch wenn manche Autofahrer das partout nicht einsehen wollen.

Lesen Sie:

Für Autofahrer kaum zu glauben: Das dürfen Radfahrer alles im Verkehr


Unsplash

Gefährdungsrisiko des Rades

Woran liegt das? Das Gefährdungsrisiko eines Rades ist wesentlich geringer als das eines Kraftfahrzeuges. Da die Geschwindigkeit begrenzt ist, bleibt auch längere Zeit für eine Reaktion. Beim Fahren auf der Landstraße wird das besonders deutlich. Bei Tempo 100 benötigt ein Fahrzeug 130 Meter bis es zum Stillstand kommt, gelingt dem Fahrer eine perfekte Gefahrbremsung, steht der Wagen nach 80 Metern. Die Reaktionszeit wird dabei mit einer Sekunde angenommen, auch nüchterne Kfz-Fahrer benötigen meist länger. In dieser einen Sekunde hat der Wagen bereits 30 Meter zurückgelegt. Ein Fahrradfahrer mit Tempo 20 steht spätestens nach 10 Metern. So betrunken kann kein Radler sein, dass er die 80 Meter benötigt, um zum Stillstand zu kommen, die ein nüchterner Autofahrer braucht. Das ist sicherlich ein extremes Beispiel, aber auch bei Tempo 50 in der Stadt betragen die Werte 40 beziehungsweise 27,5 Meter. Auch bei anderen Problemen wie dem Ausweichen und dem Parcourfahren spielt die Geschwindigkeit des Fahrzeugs eine entscheidende Rolle. Oder einfach ausgedrückt: Würden Autos nur mit 20 bis 25 km/h Spitzengeschwindigkeit fahren, gäbe es am Steuer vermutlich auch andere Promille-Werte.

Radler mit mehr als 1,6 Promille

Was passiert, wenn ein Radler mit mehr als 1,6 Promille am Lenker erwischt wird? Angenommen der Radler wird routinemäßig kontrolliert, ohne dass es zuvor zu Auffälligkeiten und gar zu einem Unfall gekommen ist. Dann kann er mit 1,6 Promille seinen Führerschein verlieren – er muss es aber nicht.

Ihm kann auferlegt werden, sich eine Medizinisch-Psychologischen Untersuchung - kurz MPU – zu stellen, um so zu beweisen, dass er in der Lage ist, ein Kfz zu führen. Fällt er bei der MPU durch, verliert er auch den Führerschein. Dazu muss er mit einer Geldbuße rechnen und mit drei Punkten in Flensburg. Bei der MPU wird allerdings nicht das einmalige Fehlverhalten bewertet. Die Untersuchung soll feststellen, ob der Betroffene ein gefährliches Verhaltensmuster zeigt. In diesem Fall: Ob er dazu neigt, betrunken am Verkehr teilzunehmen.

Wichtig: Unterhalb von 1,6 Promille wird der Radler den Führerschein behalten können, weil ihm der Gang zur MPU erspart bleibt. Es sei denn, er wurde schon mehrmals betrunken am Lenker aufgegriffen. Bei Wiederholungstätern kann sogar das Radfahren untersagt werden.

Strafe auch unter 1,6 Promille

Also kann man ungeschoren betrunken Fahrradfahren, wenn man es nicht übertreibt und unter 1,6 Promille bleibt? Nein, so ist es nicht. Das gilt nur, wenn jemand trotz des Alkoholgenusses sicher und unauffällig unterwegs ist. Fällt er aber mit "alkoholtypischem Verhalten" auf, sieht das anders aus. Wer Verkehrszeichen missachtet, in Schlangenlinien oder ohne Licht in der Dunkelheit fährt, zeigt, dass er nicht in der Lage ist am Verkehr teilzunehmen. Bei so einer auffälligen Fahrweise oder gar einem Unfall, kommt es bereits ab einem Wert von 0,3 Promille zur Strafanzeige. Dann drohen zwei Punkte und eine Geldstrafe.

Glimpflich davonkommen 

Ist es nun sinnvoll, betrunken das Auto stehen zu lassen und das Rad zu nehmen? Sinnvoll und verantwortungsbewusst ist so ein Handeln sicher nicht, doch man kommt vergleichsweise glimpflich davon. Ein Beispiel aus der Praxis: 2014 radelte ein Ingenieur nachts vom Oktoberfest nach Haus. Dabei stürzte er mehrmals, zwei Polizisten wurden auf ihn aufmerksam. Als sie ihn ansprachen, sagte er: "Wisst ihr, was ich zu solchen Hanswürsten sage: Ich bezahle euch zwei Deppen." Er hatte 1,56 Promille im Blut.

Die ganze Sache – Beleidigung und Alkohol – kostete den Mann 2000 Euro, wäre ihm das Gleiche mit einem Motorrad passiert, wäre der Führerschein neun Monate weg gewesen und vermutlich wäre auch die Geldstrafe deutlich höher ausgefallen.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.