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Béla Barényi: Wie der "Vater der Knautschzone" Tausenden das Leben gerettet hat

2500 Patente hat Béla Barényi in seinem Leben angemeldet. Er entdeckte das Thema "Sicherheit" für die Autofahrer und erfand als junger Mann nebenbei noch den VW Käfer.

Béla Barényi erkannte als erster, dass das Blech die Aufprallenergie aufnehmen musste, wenn die Insassen überleben sollten.

Béla Barényi erkannte als erster, dass das Blech die Aufprallenergie aufnehmen musste, wenn die Insassen überleben sollten.

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Béla Barényi kennt heute fast niemand – dabei nutzen die meisten seine Erfindungen jeden Tag. Tausende, wenn nicht gar Hunderttausende verdanken ihm ihr Leben. 2500 Patente meldete Barényi an, die wichtigsten verbesserten die Sicherheit im Straßenverkehr.

Von Béla Barényi stammt die Idee mit der Knautschzone. Sie besagte: Das klügere Blech gibt nach. Damals eine Revolution. Vor der Knautschzone wurden die Autos möglichst stabil gebaut. Untenrum gab es einen Rahmen aus Stahlträgern, obenrum solide Bleche. Doch was passiert bei einem Unfall, wenn der Wagen gegen eine Wand prallt? Das Fahrzeug verformte sich nur wenige Zentimeter. Das sah gut aus, die kleinen Dellen nahmen aber nur wenig Aufprallenergie auf und das war schlecht für die Insassen – die Energie wurde an diese abgegeben.

Barényi erkannte als Erster, dass eine kontrollierte und weiträumige Verformung ein Auto nicht unsicherer, sondern im Gegenteil, viel sicherer machte. Labile Partien vorn und hinten in der Karosserie und in der Mitte eine stabile Fahrgastzelle – heute ist das ein Standard bei jedem Pkw. Die Idee skizzierte Barényi bereits 1950, am 28. August 1952 wurde sie patentiert. Im September 1959 ging die Knautschzone bei Mercedes als erstem Autobauer in Serie.

Absturz aus der Oberschicht

Geboren wurde Barényi 1907 als Kind einer der wohlhabendsten Familien Österreich-Ungarns. Schon früh kam er mit den damals exotischen Automobilen in Kontakt. Der Tod des Vaters im Ersten Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise vernichteten das Vermögen der Familie. Zeitweise konnte seine Mutter nicht einmal mehr das Schulgeld bezahlen. Seine beruflichen Anfänge sind trotz seines Genies schwer. Doch 1939 – er ist mal wieder ohne Beschäftigung – gelingt es ihm, den Mercedes-Vorstand Wilhelm Haspel von sich zu überzeugen. Dass Mercedes später den Anspruch erhebt, die sichersten Autos der Welt zu bauen, ist hauptsächlich Barényis Verdienst.

Barényi neben einem futuristischen Entwurf, der nie gebaut wurde.

Barényi neben einem futuristischen Entwurf, der nie gebaut wurde.

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Mit seinen Erfindungen wurde er zum Schutzpatron der Autofahrer. Ernst Fiala, eine Zeitlang Büro-Nachbar von Barényi bei Mercedes und später Entwicklungsvorstand bei VW, sagte über ihn: "Im Grunde war alles, was er denkt, patentreif" ... "Er hat im Durchschnitt jeden Tag ein internationales Patent angemeldet."

Drei Jahrzehnte arbeitete Barényi für Daimler-Benz. Seine Erfindungen schrieben Autogeschichte. Dazu zählen nicht nur die Knautschzone, sondern auch die Sicherheitslenksäule, die bei einem Unfall nicht mehr zum verhängnisvollen Spieß für den Fahrer wird, oder das steife und gleichzeitig abnehmbare Dach für den ersten Mercedes SL, der 1963 auf den Markt kam. Dann das Pralltopf-Lenkrad, das den Kopf des Fahrers weich abfederte. Oder der Verschwindscheibenwischer. Er sorgte dafür, dass es nicht mehr zu schweren Kopfverletzungen bei Fußgängern kam, die auf den Kühler und die Frontscheibe prallten. Die Scheibenwischermechanik verschwand unter dem oberen Ende der Motorhaube.

Revolutionär hier: Erstmals wurde an die Sicherheit Dritter und nicht nur an die Sicherheit der Insassen gedacht. Das E-Book "Béla Barényi - Das unbekannte Genie" von Harald Kaiser erinnert nun an den Papst der Sicherheitstechnik. Die Idee der Knautschzone wurde von der Konkurrenz gnadenlos abgekupfert. Béla Barényi und Mercedes gingen gegen diese Patentverletzungen nie juristisch vor. Sie wollten nicht verhindern, dass auch andere Hersteller sichere Autos bauten.

Unfallfotos aus der Schweiz: Ein einfacher Dorfpolizist und der Auto-Irrsinn der 1960er-Jahre
Arnold Odermatt: Karambolage  Herausgegeben von Urs Odermatt.  Deutsch, Französisch, Englisch.  Steidl Verlag, Göttingen 2003.

Arnold Odermatt: Karambolage
Herausgegeben von Urs Odermatt.
Deutsch, Französisch, Englisch.
Steidl Verlag, Göttingen 2003.

Der Vordenker des Volkswagens

Sonst war Béla Barényi nicht so nachsichtig. Von ihm stammte auch die Idee des späteren Volkswagens. Seine Konstruktionszeichnung der Bodengruppe von 1925 enthielt alle wesentlichen technischen Merkmale des VW Käfers: Boxermotor im Heck, Luftkühlung, die Motoranordnung hinter und die des Getriebes vor der Hinterachse. Zwei Schriftsteller verneinten diese Urheberschaft Anfang der 50er-Jahre und schrieben sie Ferdinand Porsche zu. Barényi verklagte beide und gewann die Verfahren, die bis vor den Bundesgerichtshof (BGH) gingen.

So kann man heute zu recht sagen, dass der Papst der Autosicherheit auch das legendärste Auto aus Deutschland, den VW Käfer, konstruiert hat.

Béla Barényi - Das unbekannte Genie. Von Harald Kaiser, 104 Seiten, 8,49 Euro.

Kra

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.