HOME

Tücke im Kleingedruckten: Carsharing-Versicherungslücke – beim Unfall haftet der Kunde

Carsharer knausern bei der Versicherung. Im Falle eines Unfalls bleiben die Kunden auf deftigen Zuzahlungen sitzen. Noch schlimmer wird es, wenn sie den Unfall durch grobe Fahrlässigkeit verursacht haben – diese Schäden trägt die Versicherung gar nicht.

Alles ganz einfach - solange man keinen Unfall verschuldet.

Alles ganz einfach - solange man keinen Unfall verschuldet.

Picture Alliance

Carsharinganbieter werben damit, wie locker und unkompliziert alles bei ihnen geht. Einsteigen, Fahren, Abstellen und falls doch einmal etwas passiert, ist der Wagen ja Vollkasko versichert.

Tatsächlich sind die Carsharer überhaupt nicht so locker, wenn es zu einem Unfall kommt, denn sie sparen bei der Versicherung – auf Kosten ihrer Kunden, darauf macht "Finanztest" aufmerksam.

Wie kommt das? Heutzutage ist Versicherung nicht Versicherung – denn der Umfang der Leistungen variiert enorm. Wer einen Leihwagen über ein Vergleichsportal bucht, wird stets über die Güte der Konditionen hingewiesen. Unter verschiedenen Labeln wird zwischen "Premium", "Gute Leistungen" und "Basic Leistungen" unterschieden. Von Angeboten mit einem geringeren Leistungsumfang wird abgeraten.

Und tatsächlich würden die meisten Carsharer bei einem Portal wie "Billiger-Mietwagen" durchs Raster fallen.

Das fängt schon damit an, dass keine Vollkaskoversicherung ohne Selbstbehalt angeboten wird. Kommt es zu einem selbst- oder teilverschuldeten Unfall muss der Fahrer also zahlen – bis zur Höhe des Selbstbehalts.

Erheblicher Selbstbehalt

Und der liegt nicht bei 150 Euro, sondern durchaus zwischen 500 und 1500 Euro. Ein deftiger Parkrempler mit Kratzern in der Schürze und einem beschädigten Scheinwerfer kann jedem passieren – doch im Sharing-Auto kostet der Spaß dann bis zu 1500 Euro. Bei einigen Carsharern kann man gegen Zuzahlung den Selbstbehalt reduzieren. Deutlich bessere Konditionen bieten allerdings Fremdfirmen an. Wer regelmäßig solche Angebote nutzt, kann sich bei Carassure für 66,90 Euro im Jahr zusätzlich versichern – diese Versicherung reduziert im Falle eines Unfalls einen Selbstbehalt von 3000 Euro auf null Euro. Ein so hoher Selbstbehalt ist nur bei sehr teuren Mietwagen oder ebenfalls teuren Wohnmobilen üblich.

+++ Lesen Sie hierzu 1500 Euro für eine Schramme - Kostenfalle Carsharing +++

Verlust des Versicherungsschutzes

Doch der Selbstbehalt ist noch das kleinste Problem – die Vollkaskoversicherungen sind offenbar sehr sparsam kalkuliert und sie decken nur den Kernbereich der Schäden ab. Versicherungen mit "Premium"-Konditionen sind sehr viel großzügiger.

Unter anderem haften sie auch, wenn "grobe Fahrlässigkeit" des Fahrers zu dem Unfall geführt hat. Grobe Fahrlässigkeit hört sich gewaltig an, passiert im Alltag aber häufig. Typische Beispiele: Sie kramen während der Fahrt in der Handtasche. Sie tragen ungeeignete Schuhe oder versuchen sich den Pullover während der Fahrt auszuziehen. Oder sie übersehen gar eine rote Ampel oder ein Stopp-Zeichen.

Alles Dinge, die man natürlich am Steuer sein lassen sollte – die aber dennoch geschehen. Passiert Ihnen so ein Malheur an Bord eines Sharing-Autos müssen sie den Schaden am Auto der Sharing-Firma aus eigener Tasche zu 100 Prozent begleichen. Die Sharing-Flotten bestehen nicht nur aus günstigen Kleinwagen, wenn Sie auf diese Weise einen schönen Mercedes zerstören, können durchaus Kosten von 40.000 Euro auf Sie zukommen. Aber auch eine verschrammte Seite mit verbogenen Türen kommt schnell auf 8000 Euro.

Eine weitere Lücke gibt es bei den Wildunfällen: Hier sind meist nur Kollisionen mit "Haarwild" versichert. Gemeint sind damit Rehe, Hirsche, Füchse und Wildschweine. Kommt es wegen eines Fasans oder eines Hundes zum Unfall übernimmt die Versicherung wiederum nichts.

Unser Tipp: Lesen Sie das Kleingedruckte Ihres Sharingpartners gut durch. Denken Sie aber auch daran, dass es selbst bei guten Versicherungskonditionen der Vollkasko immer exotische Schäden gibt, die die Assekuranz nicht übernimmt.

Den ganzen Test können Sie gegen eine Gebühr hier einsehen. 

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.