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Urlaubsreise: Daran müssen Sie bei einem Unfall im Ausland denken

Die schönsten Tage des Jahres finden ein jähes Ende, wenn es zu einem Unfall mit dem Auto kommt. Was passieren kann und wie Sie sich schützen können, erfahren Sie hier.

Ein Unfall bringt Stress auch in den lockersten Urlaub.

Ein Unfall bringt Stress auch in den lockersten Urlaub.

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Eben war noch eitel Sonnenschein in Bella Italia, aber dann rummst es und alles sieht anders aus. Dabei muss es keineswegs ein Horrorcrash mit Toten und Verletzten sein, schon ein einfacher Auffahrunfall kann den schönsten Urlaub vermiesen. Ein ist immer ärgerlich, aber wenn Sie sich richtig verhalten, ist ein Crash im Ausland auch nicht schlimmer als daheim.

Haben Sie Schuld?

In den meisten Fällen weiß ein Fahrer, ob er einen Unfall verursacht hat, von einem anderen angefahren wurde oder ob beide Parteien ihren Teil zum Unfall beigetragen haben. Es klingt paradox: Aber wenn Sie schuldig oder mitschuldig sind, müssen Sie sich bei Sachschäden wenig Gedanken machen. Ihr Unfallgegner will etwas von Ihnen und Ihrer Versicherung ersetzt bekommen und wird aus eigenem Interesse für den korrekten Fortgang sorgen.

Sind Sie Vollkasko versichert?

Vollkasko macht das Leben leichter. Wie die Schuldfrage auch immer aussehen mag: Ihren Schaden am trägt zur Not die eigene Versicherung. Sie kümmert sich allerdings nicht selbstständig um die Forderungen an den Unfallgegner. Einfach gesagt: Das Schlimmste, was Ihnen passieren kann, ist die Höherstufung im Schadensrabatt.

Kennen Sie die Notfall-Nummern?

Beistand in der Not erhalten Sie einfach per Telefon. Ohne zusätzliche Kosten können Sie sich an Ihre Kfz-Versicherung wenden. Wenn Sie Mitglied sind, steht die Notrufnummer des ADAC zur Verfügung, sollten Sie eine Mobilitätsgarantie für Ihr KFZ haben, gibt es dort ebenfalls eine Notfallnummer. Diese Telefonnummern sind nicht gleichbedeutend mit einem Auslandschutzbrief und seinen Versicherungsleistungen, aber für Hinweise, woran Sie bei einem Unfall zuerst denken müssen, bei der Sucheeiner Werkstatt und anderes sind diese Nummern hilfreich. Also: notieren und im Fahrzeug mitführen.

Was muss man am Unfallort bedenken?

In manchen Ländern ist es vorgeschrieben, die bei jedem Unfall zu rufen, in anderen muss es nur bei Personenschäden und schweren Unfällen geschehen. Auch wenn keine Einigung mit dem Unfallgegner möglich ist, er sich entfernt hat oder bei einem Unfall mit einem stehende Fahrzeug kein Unfallgegner am Ort ist, müssen Sie auf die Polizei warten. In jedem Fall sollten Sie selbstständig "Beweise" sichern und den Unfall dokumentieren. Im Zeitalter von Kamera-Handys ist das einfach: Fotografieren Sie Unfallfahrzeuge und Schäden aus mehreren Perspektiven, nehmen Sie Bremsspuren, Glassplitter und Ähnliches auf. Sie benötigen außerdem die Kennzeichen, die Versicherungsangaben des Unfallgegners, die persönlichen Daten der Beteiligten und etwaiger Zeugen. Vergessen Sie nicht, den genauen Unfallort festzuhalten, und denken Sie daran, auch die Verkehrsregelung an der Unfallstelle zu dokumentieren. Ein Schuldanerkenntnis dürfen Sie nicht abgeben, selbst wenn Sie zweifelsfrei den Unfall verursacht haben. Das ist eine sprachliche Nuance, den Sachverhalt können und sollen Sie wahrheitsgemäß beschreiben. Auf keinen Fall sollten Sie Angaben in einer Sprache unterschreiben, die Sie nicht verstehen.

Haben Sie "Grüne Versicherungskarte" und "Europäischen Unfallbericht"?

Die "Grüne Versicherungskarte" müssen Sie in einigen Ländern bei der Einreise dabei haben, in anderen muss sie bei einem Unfall vorgelegt werden. Die Karte garantiert einen Versicherungsschutz gemäß den Bestimmungen des jeweiligen Landes. Sie erhalten sie von ihrer Versicherung. Der "Europäische Unfallbericht" ist nicht vorgeschrieben, aber sehr nützlich. Der vorgedruckte Bogen umfasst alle wichtigen Daten für die Schadensregulierung. Den Bericht können Sie sich umsonst herunterladen und sollten ihn ausgedruckt im Auto mitführen. Tipp: Drucken Sie die mehrsprachigen Versionen für die Länder aus, die Sie mit dem Auto bereisen.

Das müssen Sie sofort erledigen

Sie müssen Ihre Kfz-Versicherung informieren. Wenn vorhanden, müssen Sie die Rechtsschutzversicherung oder die Versicherung Ihres Auslandsschutzbriefes benachrichtigen. Verletzungen, die für die Versicherung relevant sein könnten, sollten von einem Arzt am Ort behandelt und attestiert werden. Wenn körperliche Schäden zunächst nicht behandelt werden, später aber geltend gemacht werden, ist Ärger programmiert. Bei größeren Schäden ist es möglich, dass die generische Versicherung den Wagen begutachten will. Anstelle einer Überführung nach und einer Reparatur dort, kann die Versicherung auch die Reparatur in einer Vertragswerkstatt im Ausland verlangen. Das müssen Sie vorab klären, sonst bleiben Sie auf den Zusatzkosten sitzen.

Diese Kosten werden nicht überall erstattet

Nicht alle Kosten, die beim Unfall in Deutschland erstattet werden, bekommen Sie im Ausland von der gegnerischen Versicherung ersetzt. Problematisch kann es bei Überführungskosten, einem , Gutachten, Anwaltskosten und notwendigen Übernachtungen werden. Denken Sie daran, dass es eine Pflicht gibt, die Kosten zu minimieren. Wenn der Wagen mit Klebeband und neuem Rücklicht fahrbereit gemacht werden kann, werden Sie kaum die Kosten für eine Überführung und einen Mietwagen erstattet bekommen.

Wann benötigt man einen Anwalt im Ausland?

Wenn Sie selbst der Unfallverursacher sind, benötigen Sie bei Sachschäden nicht unbedingt einen Anwalt. Der von Ihnen Geschädigte wird sich an Ihre Versicherung wenden. Die Assekuranz wird den Schaden dann abwickeln. Bei schweren Unfällen mit Verletzten sollten Sie nie auf einen Anwalt verzichten. Wenn Sie selbst einen Schaden erlitten haben sollten Sie einen Anwalt konsultieren, auch wenn Sie eventuell auf den Kosten sitzen bleiben, rät Hajo Köster, Berater beim Bund der Versicherten. "In jedem Land gibt es andere Details beim Schadenersatzrecht. Ein Anwalt entschärft zudem das Sprachproblem und nimmt ihnen den Papierkram ab." Deutschsprachige Anwälte im Ausland werden Ihnen von der Versicherung oder dem Automobilclub empfohlen. Wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung besitzen, sollten Sie immer einen Anwalt in Anspruch nehmen.

Haben Sie sich strafbar gemacht?

Denken Sie daran, dass Vergehen am Steuer in vielen Ländern sehr viel strenger geahndet werden als in Deutschland. Sollten Sie einen Unfall mit Verletzten verursacht haben, oder sollten deutlich überhöhte Geschwindigkeit, Missachtung von Verkehrszeichen oder Alkohol eine Rolle gespielt haben, sollten Sie auf jeden Fall einen Anwalt zu Rate ziehen.

Kann man Ansprüche von Deutschland aus anmelden?

Wenn der Unfall korrekt aufgenommen wurde, können Sie Ihre Ansprüche auch von Deutschland aus regulieren lassen. Versicherungen aus den Ländern der EU haben einen Regulierungsbeauftragten in Deutschland, an denen Sie sich in deutscher Sprache wenden können. Aber Achtung: Diese Stellen werden von der gegnerischen Versicherung beauftragt, es sind keine neutrale Schlichtungsstellen, den eigenen Anwalt ersetzen sie nicht.

Sonderfall Leihwagen und Leasing

Lassen Sie einen Mietwagenunfall, wenn irgend möglich, von der Polizei aufnehmen. Außerdem sollten Sie den Verleiher sofort von dem Schaden informieren. Grundsätzlich sollten Sie nur einen Wagen mit Vollkaskoversicherung und erträglicher Selbstbeteiligung mieten. Bei einem Leasingfahrzeug müssen Sie daran denken, dass der Wagen nicht Ihnen gehört und das Prozedere der Leasinggesellschaft peinlich genau einhalten.

Welche finanziellen Belastungen kommen auf Sie zu?

Ein Unfall strapaziert die Urlaubskasse. Auch wenn Sie am Ende alles von der Versicherung ersetzt bekommen sollten, müssen Sie zunächst bezahlen. Für den Abschleppdienst, eine Überführung nach Deutschland, notwendige Reparaturen, zusätzliche Übernachtungen und einen Mietwagen kommen große Belastungen auf das Urlaubsbudget zu. Überschlagen Sie die zusätzlichen Kosten. Auch wenn Sie die Summe grundsätzlich verkraften können, müssen Sie den Verfügungsrahmen von Kreditkarten und Konto im Ausland bedenken.

Besitzt das Auto eine Mobilitätsgarantie?

Neuwagen und beim Händler gekaufte Gebrauchtwagen haben häufig eine Mobilitätsgarantie. Teilweise gilt die Garantie für alle Staaten der EU, bei manchen Marken verlängert sich die Garantie mit jedem Service. Im Kern ist die Garantie eher für den Pannenfall gedacht, sie deckt aber auch Leistungen bei einem Unfall ab. Die Leistungen sind nicht einheitlich, zu den typischen Leistungen zählen: das Abschleppen in eine Vertragswerkstatt, Stellung eines Ersatzfahrzeugs während der Reparatur und die Beteiligung an Übernachtungskosten. Außerdem gibt es eine Notfallnummer. Eine allgemeine Hilfe für eine Notsituation im Ausland dürfen Sie nicht erwarten. In aller Regel sprechen Sie mit einem Callcenter, das Hotel, Abschleppwagen und Reparatur für Sie organisiert.

Haben Sie einen Auslandschutzbrief?

Der bekannteste Auslandschutzbrief für Kfz-Fahrer stammt vom ADAC und nennt sich inzwischen "Mitgliedschaft Plus". Auch andere Versicherungen und Clubs bieten Schutzbriefe als eigenständige Versicherung an, häufig kann man entsprechende Ergänzungen zu den Kfz-Versicherungen buchen. Der Umfang der Versicherungsleistungen unterscheidet sich enorm, hier hilft nur ein genauer Vergleich. Es gibt aber einen systematischen Unterschied: Der ADAC und andere Autoclubs versichert das Mitglied (und Familienangehörige) plus dessen Fahrzeug. Eine meist günstigere Ergänzung zur Kfz-Haftpflicht gilt nur für das versicherte Fahrzeug, bei Mietwagen gibt es keinen Schutz. Ein personenbezogen Schutz hilft sie auch bei Reiseproblemen, deren Ursache nichts mit dem Fahrzeug zu tun hat - etwa bei der Rückführung des Autos bei einer schwerer Erkrankung.

Lohnt sich der zusätzliche Schutzbrief?

Die Leistungen von Autogarantie, Mobilitätsgarantie und Schutzbriefen überschneiden sich, man kann also von einer Überversicherung sprechen. Die Überschneidung betrifft allerdings nur die Basisleistungen. Auch Kreditkarten der höheren Klassen (Gold, Platin, Schwarz) versichern Leistungen im Zusammenhang mit Mietwagen und bei Unfällen. Schutzbriefe müssen zusätzlich bezahlt werden. Sie lohnen sich vor allem für Personen, die häufiger im Ausland oder fern der Heimatadresse unterwegs sind. Besonders wichtig werden sie, wenn das eigene Auto keine Mobilitätsgarantie besitzt, was bei älteren Fahrzeugen die Regel ist. Preisrahmen: Die umfassenden Leistungen der weit verbreiteten "Mitgliedschaft Plus" des ADAC kosten im Jahr 79,95 Euro. Für ein ADAC-Mitglied bedeutet das eine Mehrausgabe von 35,00 gegenüber der normalen Mitgliedschaft. Ehepartner oder Kinder kosten je Person weitere 25 Euro.

Doch Vorsicht: Andere Anbieter bieten vergleichbare Leistungen deutlich billiger an. Lesen Sie hierzu: 

"Jim Drive - Konkurrenz für ADAC: Pannenhilfe zum Schnäppchenpreis". Doch die tatsächliche  Abwicklung und Betreuung im Schadensfall sind zumindest ebenso wichtig wie Kosten und zugesagte Leistungen. Erkundigen Sie sich, ob Ihre Versicherung eigene Partner im Ausland unterhält. Es empfiehlt sich die Kundenbewertungen im Internet zu studieren.

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