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Rad-Pendler: Dienstrad-Privileg – warum sich das Steuersparmodell für die meisten nicht lohnt

Der Fiskus zahlt das neue Rad. Das hört sich verlockend an, doch häufig ist die echte Ersparnis enttäuschend. Spannend ist das Modell nur für Besserverdiener oder wenn der Chef etwas dazu bezahlt.

Coole Idee: Neues Rad und der Fiskus zahlt mit.

Coole Idee: Neues Rad und der Fiskus zahlt mit.

Getty Images

Seit dem Jahr 2012 gilt das sogenannte Dienstwagen-Privileg auch für Fahrräder. Das Dienstrad war geboren und sofort waren auch Anbieter am Start, die Diensträder im Leasing anbieten. Für viele eine tolle Idee: Man konnte sich das neue Rad vom Staat und vom Fiskus bezahlen lassen.

Das Erwerbsmodell

Das Modell funktioniert so: Beim Händler entscheidet man sich für ein Rad. Doch die Firma least das Rad häufig inklusive einer Versicherung und eines Wartungsvertrages. Sie überlässt es dem Angestellten und der darf das Rad auch privat nutzen. Die private Nutzung gilt als sogenannter geldwerter Vorteil und muss mit einem Prozent des Listenpreises im Monat versteuert werden.

Hinzu kommt die eigentliche Leasingrate. Wenn sie zu den wenigen Glücklichen gehören, bei denen die Firma die Rate trägt, sollten Sie zugreifen, das lohnt sich richtig. Aber meistens ist der Arbeitgeber nicht so großzügig und dann sieht das Dienstwagen-Modell nicht ganz so rosig aus.

Insgesamt sollen etwa 200.000 Menschen das Angebot genutzt haben. Der Zuspruch ist also nicht so gewaltig, wie einige Experten vorhergesagt haben. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Nicht jeder braucht ein neues Rad

Der erste ist ganz einfach: Das Dienstrad kann ein gutes Angebot sein, aber es ist nicht so toll, dass es sich lohnt, ein vorhandenes Fahrrad wegzuwerfen. Damit fällt die Gruppe überzeugter Radfahrer als Kunden aus, denn besitzen einen eigenen Drahtesel. Für sie wird das Dienstrad nur interessant, wenn das alte Rad ersetzt werden muss. Zum Leidwesen der Fahrradbranche halten Räder, wenn sie gewartet werden, aber 15 bis 20 Jahre. Entsprechend gering ist der Bedarf nach Ersatzrädern.

Eine merkliche Ersparnis ergibt sich nur, wenn das Rad teuer wird. Das trifft auf Sporträder zu und auch auf die beliebten E-Bikes, aber nicht auf die Muskel-Räder, die typischerweise gekauft werden. Tatsächlich kann man, wenn man kein Edelrad will, zu Preisen zwischen 500 und 800 Euro sehr brauchbare Markenräder bekommen. Bei diesem Fahrradpreis ist die Ersparnis in Euro aber sehr gering, das Modell "Dienstrad" macht keinen Sinn. Für Leute, die ein Rad vom Discounter nutzen (Preise bei 300 Euro) erst recht nicht.

Nur der Firmenzuschuss macht den Dienstwagen interessant

Und zum zweiten ist auch das Dienstwagen-Privileg nicht so goldig, wie manche Berichte vermuten lassen. Der Pkw-Dienstwagen wird für den Fahrer nur dann spannend, wenn der Arbeitgeber sämtliche Kosten des Fahrzeugs inklusive Benzin übernimmt und der Nutzer nur einen sogenannten geldwerten Vorteil versteuern muss. Unter diesen Voraussetzungen ist auch das Dienstrad ein gutes Geschäft, aber meistens übernehmen die Arbeitgeber mit der Firma für das Leasing nur die Abwicklung, die Leasingkosten muss der Radfahrer meist tragen.

Tipp: Wenn Sie sich für ein Dienstrad interessieren, erkundigen Sie sich genau, ob und wie viel die Firma zuzahlt. Ist der Zuschuss groß, ist das Modell interessant, gibt der Chef nichts dazu, wird es schwierig.

Die größte Ersparnis ist Geschichte

Der dritte Grund, warum das Dienstrad-Modell nicht so eingeschlagen ist, liegt an der Finanzverwaltung. Die hat bei den gewagtesten Steuersparkonstruktionen den Stecker gezogen. In den ersten Jahren konnte man nach Ablauf des Leasings das drei Jahre alte Rad für einen symbolischen Betrag übernehmen. Meist etwa zehn Prozent des Listenpreises.

Das war natürlich ein Witz. Übertragen auf den Dienstwagen wäre das so: Das Auto ist ein X5 für 75.000 Euro - nach drei Jahren und mit 45.000 Kilometern übernimmt man ihn für 7500 Euro.

Das ging nicht lange gut. Heute wird entweder der Restwert höher angesetzt oder ein geldwerter Vorteil muss versteuert werden. Das Ergebnis ist in jedem Fall gleich: Die Ersparnis mittels Steuertrick fällt merklich kleiner aus.

Die Goldgräber-Stimmung zu Beginn des Dienstrads ist vorbei, bleibt die Frage: Lohnt sich das noch?

Beispielrechner

Um das festzustellen, nutzen wir den Rechner von Jobrad. Die Beispiele sind nur Abschätzungen, auch bei anderen Anbietern dürfte die Ersparnis ähnlich sein.

Beispiel 1 bezieht sich auf ein preiswertes Rad für 749 Euro (Arbeitnehmer, 2200 Euro Monatsbrutto, Steuerklasse 2, 1 Kind): Das Modell der Lohnumwandlung führt zu einer Bruttorate von 24,57 Euro, die in eine echte Nettobelastung von 19,96 Euro führt. Nach der Laufzeit kann man das Rad für 127,33 übernehmen. Insgesamt hat man dann insgesamt 845,89 für ein Rad bezahlt, dass bei Barkauf ohne Rabatt 749 Euro gekostet hätte.

Allerdings ist das Rad dann drei Jahre lang versichert, denn eine Versicherung ist inklusive.

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Der Testsieger KTM Macina Fun 9 SI-P5I erreicht die Note Gut (1,7). Die Tester loben den kraftvollen Motor und den breiten Lenker mit ergonomischen Griffen. Kosten: 2800 Euro.

Der Testsieger KTM Macina Fun 9 SI-P5I erreicht die Note Gut (1,7). Die Tester loben den kraftvollen Motor und den breiten Lenker mit ergonomischen Griffen. Kosten: 2800 Euro.

Hersteller

Wer sein Rad versichern möchte, spart zwar nichts, zahlt aber auch nicht drauf. Wer auch ohne Versicherung klarkommt, etwa weil die Hausratversicherung ausreichend ist, muss mit dem "Dienstradprivileg" 100 Euro mehr bezahlen. Hätte er beim Barkauf noch ein Schloss oder einen besseren Sattel rausgehandelt, verschlechtert sich das Verhältnis weiter.

Beispiel 2: Die gleiche Person möchte ein E-Bike für 2500 Euro fahren. Hier liegt die Netto-Belastung bei 62,39 Euro, die Übernahmezahlung beträgt 425 Euro. Zusammen macht das 2.671 Euro Gesamtbelastung. 170 Euro mehr als beim Barkauf, dafür gibt es eine Versicherung. Es kann individuell auch ein Vorteil sein, dass man ein so teures Rad nicht bar bezahlen muss.

Wie bei allen Steuersparmodellen wird das Dienstrad erst bei hohen und sehr hohem Einkommen spannend. 

Beispiel 3: Kostet das Fahrrad 2500 Euro und verdient der Nutzer 4500 Euro brutto (Steuerklasse 1, keine Kinder) muss er für das Rad nur 2240 Euro aufwenden. Er spart also 250 Euro und hat zudem noch den Vorteil der Versicherung. Beispiel 4: Kostet das Fahrrad 4500 Euro, spart man fast 400 Euro und genießt dazu den Versicherungsschutz. Das lohnt sich dann schon.

Grundsätzlich wird das Dienstrad-Modell lohnender, wenn der Arbeitgeber echtes Geld dazu gibt. Bezahlt er etwa die Versicherung spart man zusätzlich weitere 100 Euro. Das lohnt sich dann schon, vor allem bei höherem Einkommen und einem teuren Rad. Gewährt der Arbeitgeber weitere Zuschüsse wird die Ersparnis immer größer. Nicht verschweigen sollte man allerdings einen Faktor: Der Steuertrick drückt auch die Kosten der Sozialbeiträge. Bei der Rente mindert die Ersparnis die Anwartschaften. Wer so ein Modell regelmäßig nutzt, wird das später bei der Höhe der Rente bemerken.

Fazit

Ein teures Rad für lau gibt es auch beim Dienstrad-Modell nicht. Ohne Geld von der Firma wird die Konstruktion interessant, wenn man gern eine gute Versicherung oder das optionale Service-Paket wünscht. Wenn daran kein Interesse besteht, ist die Ersparnis sehr gering. Zahlt der Arbeitgeber Versicherung und vielleicht sogar das Servicepaket, kann man das Dienstrad empfehlen.

Das Steuersparen funktioniert ohnehin nur, wenn auch tüchtig Steuern gezahlt werden. Normal- und Geringverdiener profitieren nicht davon. Außerdem liegt man sicher nicht falsch, wenn man sagt: Eine Firma, die den Angestellten nur Mindestlohn zahlt , wird kaum großzügige Zuschüsse beim Dienstrad gewähren. 

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