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Elektromobilität 2018: Die Elektrowelle rollt weltweit – aber nicht in Europa

Trotz der Probleme beim Tesla 3 wird 2018 das Jahr der Elektromobiliät. Erstmals werden klassenübergreifend von vielen Herstellern attraktive E-Modelle vorgestellt. Europa steht dabei aber in der zweiten Reihe. 

Jaguar i-Pace Concept

Jaguar i-Pace Concept

2018 sollte das Jahr der Elektromobilität werden. Das Symbol war der Tesla 3 – ein begehrenswertes Modell der gehobenen Mittelklasse zu einem für einen Normalverdiener gerade noch vertretbaren Preis. Damit sollten die E-Autos beim Kunden ankommen und aus dem Ghetto der Luxusfahrzeuge oder nur eingeschränkt nutzbaren Verzichtsmodelle herauskommen. Nun werden dem Symbol des E-Durchbruchs gerade die Flügel gestutzt. Elon Musk gelingt es derzeit nicht, die Produktion des Model 3 anzufahren. Die Folge: Unendlich viele Autos sind bestellt worden, aber nur sehr wenige werden ausgeliefert.

Elektromobilität in 2018: Das Jahr der E-Angebote
Mercedes Concept EQ

Mercedes Concept EQ

Autos mit "Will Haben"-Faktor

Ganz grundsätzlich wird 2018 ein Entscheidungsjahr der Elektromobilität. Zumindest in dem Sinn, dass Modelle vorgestellt werden, die die alten Restriktionen - klein, hässlich, wenig Reichweite - hinter sich lassen.

 Wie etwa der China-SUV Byton Concept vor wenigen Tagen. Das bedeutet aber nicht, dass diese Fahrzeuge auch in absehbarer Zeit in größeren Mengen auf unseren Straßen zu sehen sein werden. In Ländern wie Belgien und Norwegen sieht das heute zwar schon anders aus. Doch hier wird der Erfolg durch Unsummen an Subventionen erkauft. Rechnet man alle Vergünstigungen zusammen, kommt den Käufer ein Luxusauto wie Tesla S in Norwegen billiger als ein VW Polo. Ob ein so erkaufter Erfolg sinnvoll ist, lässt sich bezweifeln. Die einzigen Massenmärkte, die wirklich vehement in Richtung Stromer drängen, sind Kalifornien und China.

Luxus-SUVs mit E-Antrieb

Dennoch ist die Modell-Offensive, die 2018 einsetzt, interessant. Mit Spannung wird der elektrische Mittelklasse-SUV Jaguar i-Pace erwartet. Für Jaguar Land Rover ist dieses Modell besonders wichtig. Nur E-Fahrzeuge werden bei dem Luxushersteller den Flottenverbrauch in ein akzeptables Maß führen können. Bei uns startet Audi E-Tron Quattro ab dem dritten Quartal 2018. Er basiert nicht auf der Elektroplattform oder dem modularen Elektrobaukasten des Volkswagen-Konzerns, sondern ist eine technisch aufwendige Sonderentwicklung, die mit dem Audi Q5 verwandt ist. Dafür gibt es dann auch Allradantrieb, bis zu 500 PS und Reichweiten von bis zu 500 Kilometern.


Nissan für den Normalverdiener

Schon preislich hat der Nissan Leaf II weit eher das Zeug zu einem Massenmodell. Bei aller Euphorie über kraftstrotzende Luxus-SUVs mit E-Motoren, darf man nicht vergessen, dass derartige Fahrzeuge ganz unabhängig vom Antrieb nur minimale Anteile an den Neuzulassungen erreichen. Schon der erste Leaf war weltweit das meistverkaufte Modell mit einem Elektrostecker. "Das bisherige Modell sollte sich aus der Masse abheben und auffallen. Er war nicht unbedingt eine Schönheit", erklärt Nissan-Chefdesigner Satori Tai, "das ist beim neuen Modell anders. Er sieht einfach viel besser aus - dynamischer, sportlicher." Ob der Leaf II eine Schönheit geworden ist, muss jeder selbst beantworten. Für viele ist der Nissan jedenfalls eine echte Alternative als Alltagsfahrzeug. Schon die 150-PS-Basisversion schafft 380 Kilometer elektrischer Reichweite - das Topmodell noch einmal nennenswert mehr. Der Opel Ampera ist in Europa leider kaum zu bekommen, in den USA wurde der weitgehend baugleiche Chevrolet Bolt inzwischen eine Alternative zu den Tesla-Modellen, denn auch er bietet 500 Kilometer Reichweite.

Europa kommt zuletzt an die Reihe

Große Chancen sollten der Hyundai Kona EV und der Kia Nio haben. Diese Stromer werden nämlich als SUV angeboten, heutzutage eine Grundvoraussetzung für ein Erfolgsmodell. Den größten Aufschlag 2018 machte der chinesische Hersteller Byton auf der CES. "Mit einem Preis von 45.000 Dollar und einer Reichweite von bis zu 520 Kilometern fokussieren wir uns auf ein vollelektrisches und trotzdem bezahlbares Premiumautomobil, das allen Kundenwünschen an ein solches Automobil gerecht wird", sagte Byton-Präsident Daniel Kirchert bei der Präsentation. "Wir sind preislich wesentlich attraktiver als andere Premiumhersteller, bieten dabei allerdings meistens mehr Komfort, einen größeren Innenraum oder eine höhere Reichweite." 2019 soll das Serienmodell kommen. Der Euopastart steht in den Sternen. Vermutlich wird Byton zunächst den Heimatmarkt und die US-Westküste abdecken, wenn dann noch Kapazitäten frei sind, kommt Europa eventuell an die Reihe.

So sieht es auch bei Polestar, der Elektromarke von Volvo, aus. Dort macht ein sehenswertes Sportcoupé mit 600 PS starkem Plug-In-Hybrid-Antrieb den Start. Das erste vollelektrische Auto soll Ende 2019 folgen. "Durch dieses Entwicklungstempo können wir schon heute bestätigen, dass unsere aus drei Polestar Fahrzeugen bestehende Modellpalette innerhalb der nächsten vier Jahre in den Handel rollt", so Polestar-CEO Thomas Ingenlath.

In Europa darf man die amerikanische Konkurrenz nicht vergessen. "Der Bolt ist mehr als ein Auto, es ist eine upgradefähige Plattform", sagte GM-Chefin Mary Barry. General Motors will dem Bolt bis 2020 drei weitere Elektromodelle folgen lassen und auch Ford rückt nach. Doch bei den US-Autobauern stehen China und der US-Markt im Fokus.  

2011 fantasierte die deutsche Regierung davon, dass Deutschland der weltweite Leitmarkt für E-Mobilität sein werde. Damit lag sie offenbar falsch.


Kra mit Pressinform

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