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Service Lastenräder – was können sie? Wem helfen sie?

Die Räder von Urban Arrow sind wegen ihrer zwei Reifen relativ schlank und dynamisch.
Die Räder von Urban Arrow sind wegen ihrer zwei Reifen relativ schlank und dynamisch.
© Urban Arrow
Der Vorschlag der Grünen, Lastenräder mit 1000 Euro zu bezuschussen, hat zu einer wütenden Diskussion geführt. Dabei ging es mehr um die Klientel- und Verkehrspolitik der Partei als um die Fahrräder. Wir fragen nun: Was können Lastenräder und für welchen Zweck sind sie bei privatem Gebrauch geeignet.

Lastenrad ist kein geschützter Begriff – jeder Hersteller kann ein Rad, das für die Aufnahme von Gepäck geeignet ist, Lastenrad nennen. Doch gemeinhin versteht man unter einem Lastenrad, ein Fahrrad, das eine tiefgelegene Plattform oder ein Behältnis besitzt, auf oder in dem "Lasten" transportiert werden können. Am beliebtesten sind Räder, bei dem ein Kübel aus dekorativem Holz vor dem Fahrer untergebracht wird. Und das, obwohl die Variante "Lastkorb vorn" aufwendiger ist als die Verlängerung des Rades nach hinten. Der Grund: Hier können kleine Kinder oder ein Hund im Sichtfeld des Fahrers transportiert werden.

Ein Lastenrad muss keinen E-Motor haben, die meisten besitzen aber so einen Hilfsantrieb. Um noch als Fahrrad durchzugehen, unterliegen sie den Regularien für Pedelecs. Das heißt, der Motor regelt bei 25 km/h Spitzengeschwindigkeit ab, die Dauerleistung ist auf 250 Watt limitiert. Diese Begrenzung macht sich bei Lastenrädern stärker bemerkbar als bei normalen E-Rädern. Je nach Auslegung des Motors kann das schwere Bike trotz der Begrenzungen flott anfahren und beschleunigen.

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Allerdings geht dem Motor bei Steigungen, die länger als ein paar Meter sind, deutlich die Puste aus. Hier macht sich die geringe Dauerleistung von 250 Watt deutlich bemerkbar, wenn tatsächlich Lasten transportiert werden. Visionen, die behaupten, man könne bis zu 500 Kilogramm Last mit so einem Rad transportieren, sollte man daher skeptisch beurteilen. Zum Vergleich: Der Motor eines Küchenrührgeräts leistet das Doppelte. Doch mit dem Gewicht von einem Erwachsenen und zwei Kindern sind normale Steigungen befahrbar, allerdings sinkt die Geschwindigkeit deutlich ab.

Welcher Motor?

Wenn man schon viel Geld für ein Lastenrad ausgibt, sollte man am Motor nicht sparen. Man benötigt einen Mittelmotor, der entweder von vornherein auf Lastenräder ausgelegt ist wie der Cargo Line von Bosch oder alternativ einen Mountainbikemotor mit hohem Drehmoment. Wegen der Unterschiede im Anfahrverhalten sind echte Lastenrad-Motoren die erste Wahl. Von schwächeren Motoren – bei Bosch etwa die Active Line – raten wir ab. Hier macht sich nicht nur das geringere Drehmoment bemerkbar, auch ist die kurzfristige Spitzenleistung beim Anfahren geringer – vor allem sind diese Motoren nicht dafür ausgelegt, viel Leistung bei geringem Tempo abzugeben.

Es werden auch Nabenmotoren aus China angeboten, doch bei ihnen reicht in der legalen 250-Watt-Variante das Drehmoment nicht aus, wenn Steigungen mit Last zu bewältigen sind. Vor einem Kauf sollte man das Rad auf jeden Fall auf der steilsten Strecke, die man befahren will, mit Last ausprobieren. Rauf und runter. Auch beim Akku sollte man die größere Variante wählen – da die Unterstützung bei einem Lastenrad höher ist, schrumpft die Reichweite.

Welche Form passt?

Lastenräder werden mit zwei und drei Rädern angeboten. Mit zwei Rädern sind die Räder schlanker, lassen sich leichter manövrieren und das Fahrgefühl entspricht eher einem "normalen" Fahrrad. Dreirädrige Modelle sind breiter und unhandlicher. Dafür ist die Ladungsbox kann aber auch größer und breiter. Sollen zwei Kinder nebeneinander Platz finden, greifen viel zu einem dreirädriges Modell, obwohl das nicht nötig ist. Das Fahrverhalten in Kurven ist wenig sportlich. Je breiter die  Lastenbox ist, umso unhandlicher wird das Rad im Verkehr. Die Städte stellen an Unfallschwerpunkten gern versetzte Bügelsperren auf, um Radfahrer zum Absteigen zu zwingen. Für Dreiräder ist da meist Endstation, sie lassen sich nicht durch die Sperre bugsieren.

Dafür kann das Dreirad im Stehen und bei geringer Geschwindigkeite nicht umfallen, das erleichtert das Be- und Entladen. Ampelstopps sind angenehmer und ein Dreirad beginnt anders als ein Zweirad auch bei geringen Geschwindigkeiten nicht zu flattern. Mit einem Dreirad kann man sicher so langsam fahren, wie ein Fußgänger geht, mit zwei Rädern funktioniert das nicht. In der Bewegung haben Dreiräder andere Tücken, sie reagieren empfindlich auf Niveauunterschiede zwischen den parallelen Reifen – vor allem in Kurven. Worst Case: In einer Kurve weicht das Dreirad aus und rutscht mit einem Reifen vom Kantstein, dann ist ein schwerer Sturz kaum zu vermeiden.

Welche Box oder Plattform für die "Ladung" am besten ist, hängt von den eigenen Wünschen ab. Große hohe Boxen aus Sperrholz sehen gut aus, doch sollte man bedenken, dass schwere Lasten über den Rand gehoben werden müssen. 

Preise

Ein Lastenrad ohne Motor kann man für weniger als 2000 Euro bekommen, mit Motor beginnen die Preise bei etwa 4000 Euro. Mit starkem Akku und Motor und einer schicken Box aus Holz sind 5500 Euro realistisch. Auch mit einem Zuschuss von 1000 Euro ist ein Lastenrad also ein teurer Spaß.

Wo liegen die Probleme?

Eigentlich hat ein Lastenrad nur ein Manko und das ist die Größe. Die Länge beträgt meist über 250 Zentimeter, die Breite liegt bei 80 Zentimeter. Das ist massiger als ein schweres Motorrad. Das Rad benötigt also einen Abstellplatz. Viele Lastenräder sind leichter, als sie ausschauen, aber wegen der Größe ist es meist nicht möglich, sie täglich in einen Keller zu transportieren. Sie können auf dem eigenen Grundstück oder einem Tiefgaragenplatz abgestellt werden.

Bei Dieben sind Lastenräder nicht besonders beliebt, vor allem wenn der Akku enternt wurde. Dennoch ist vom Abstellen auf der Straße ist abzuraten. Ein Rad mit einem E-Antrieb sollte nicht wochenlang im Regen stehen. Jeder Interessent wird selbst am Besten wissen, ob er so ein Rad in seiner Wohnanlage oder im Hinterhof gut abstellen oder nicht.

Das Abstellproblem dürfte für manche City-Bewohner ein K.o.-Kriterium darstellen. Breite und Größe machen auch das Rangieren schwierig. Wirklich hakelig wird es auf alten, engen oder zugestellten Radwegen. In Citylagen wird man nicht darum herumkommen, häufig auf der Straße zu fahren. Besser passt ein Lastenrad in die Vorstädte oder auf das Land. Hier wird es einfach im Car-Port untergestellt, man fährt auf den Wohnstraßen und die Durchgangsstraßen haben häufig großzügige Radwege. Weiteres Minus für Eltern: Ein Lastenrad kann man nicht mit in die Ferien nehmen, wenn man es am meisten benutzen würde. Auf einen Fahrradträger passen Lastenräder nicht.

Alternative I - Anhänger

Weniger schick, aber praktisch sind Fahrradanhänger. Sie können an fast jedes Rad mit einer Kupplung befestigt werden. Die Anhänger werden immer gezogen. Wenn man den Hänger nicht benötigt, kann man ihn einfach zu Hause stehen lassen. Viele Hänger können abgekoppelt als Buggy bewegt werden. Die Kinder oder die Last können also auch ohne das Rad weiter etwa über den Markt oder sogar wie ein Kinderwagen ins Geschäft mitgenommen werden. Viele Anhänger können auch sehr platzsparend zusammengefaltet werden. Das zulässige und empfehlenswerte Gewicht ist begrenzt, ein normaler Hänger kann nicht mit 100 Kilo beladen werden.

Die meisten Anhänger haben keine eigene Bremse, sie schieben beim Bremsvorgang also nach vorn. Fahrmanöver wie das Bremsen in abschüssigen Kurven wollen daher geübt werden. Es gibt auch reine Lastanhänger, die wie ein Pkw-Anhänger in klein aussehen. Einige davon werden mit eigener Auflaufbremse ausgestattet. Vor allem spricht der Preis für einen Anhänger. Einen guten Anhänger kann man für unter 400 Euro bekommen. Natürlich benötigt man noch ein Rad, doch in einem Haushalt, der den Kauf eines speziellen Lastenrades erwägt, sind Räder meist schon vorhanden. Mit einem Anhänger kann man zunächst einmal ausprobieren, wie häufig man ein Rad für Transporte benutzt. Später kann man updaten, oder man stellt fest, dass man doch lieber das Auto benutzt. Dann hat man viel Geld gespart.

Alternative II - kompakte Lastenräder

Ein kompaktes Lastenrad besitzt kein tief liegendes Lastenabteil wie die großen Geschwister. Meist werden kleine, sehr breite Reifen verbaut. Der stabile Rahmen ist darauf ausgelegt, verschiedene Module aufzunehmen wie Fußleisten, Kinderabteile, Körbe und Ähnliches. Da das Gewicht höher liegt, können diese Räder nicht so schwer beladen werden. Ihr Vorteil ist die kompakte Größe, sie sind nicht länger als ein 28er-Hollandrad. Meist sind günstige und nicht so leistungsfähige Motoren aus China verbaut. Das macht sich im Preis bemerkbar.

Wir haben das Radwagon4 getestet und waren durchaus angetan. Es ist nicht mit einem großen Lastenrad zu vergleichen, transportiert aber auch eine Menge. Hier wird die Last hinten aufgelegt, das Rad fährt sich daher wie ein normales Zweirad. Das Radwagon4 kostet nur 1800 Euro – hinzukommen dann die Kosten für Anbaumodule wie Kinderkabine, Hundekorb etc.

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