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Lowbudget Autokauf: Wenn das neue Auto vor allem billig sein muss

Der Alte bricht zusammen, für einen Neuen reicht es nicht. Dieses Problem beschäftigt weit mehr Bürger als die Frage, ob es ein dicker SUV sein darf. Unsere Tipps für automobile Underdogs auf der Suche nach einem neuen Fahrzeug.

Was tun, wenn der Alte zusammenbricht  und kein Geld für einen Neuwagen da ist?

Was tun, wenn der Alte zusammenbricht  und kein Geld für einen Neuwagen da ist?

Kein Geld im Portemonnaie und trotzdem muss man mobil sein? Diese Alltagssorgen der finanziellen wie automobilen Unterklasse beschäftigen Medien und Politik wenig. Auch für die Hersteller sind diese Leute denkbar uninteressant. Schließlich sind sie allesamt keine Neuwagenkäufer.

Wenn ein alter Wagen das Budget mit regelmäßigen Ausfällen und Reparaturen belastet, wird es Zeit, sich von dem Auto zu trennen. Nur, was dann?

Gesuchte Billigwaren

Sparsame, "gute" Kleinwagen sind immer gesucht. Auch eine lahmende Autokonjunktur wird in diesem Segment nicht zu einem Überangebot und fallenden Preisen führen. Der Wunsch, für wenig Geld einen "guten" und sparsamen Gebrauchten zu finden, war schon immer schwer zu erfüllen. Wagen aus der Kompaktklasse oder noch kleinen Baureihen sind im Alter erstaunlich wertstabil.

Das Angebot wird knapper

Der Markt der sparsamen Kleinen wird immer enger. Das ist für viele kein Statusobjekt mehr, vor allem, wenn sie sich ein tolles Auto gar nicht leisten können. Hinzu kommen Sonderfaktoren. Immer mehr Menschen zieht es in die Städte. Bei vergleichsweise kleinen Entfernungen und knappem Parkraum ist ein Kleinwagen attraktiver als auf dem Land. Hinzu kommt der Trend zu kleineren Haushaltsgrößen.

Neu kann sich rechnen

Wenn Sie bereit sind, etwa 5000 Euro auszugeben, kann sich allerdings ein Leasing-Angebot oder sogar ein gekaufter Neuwagen lohnen. Gebrauchte Kleinwagen werden nur selten mit Sonderaktionen in den Markt gedrückt - billige Neuwagen bzw. Tageszulassungen aber durchaus. Bei diesen Aktionen profitieren auch Personen von niedrigen Zinsen, die bei der Bank nur schlechtere Konditionen zu erwarten hätten. Für 120 Euro im Monat lässt sich durchaus ein leasen, zu den Ausgaben für Sonderzahlung und Raten kommen dann noch Versicherung und Steuer. Manchmal geht es auch für noch weniger, wer etwas sucht, bekommt einen Kleinwagen auch für 80 Euro im Monat. Noch billiger geht es kaum. Doch einen Renault Twingo gibt es in einfacher Ausstattung schon ab 59 Euro im Monat.
Rechnet man mit Leasingkosten von etwa über 100 Euro im Monat kommen in drei Jahren etwa 3500 Euro bis 4000 Euro zusammen. Aber: Ein für 5000 Euro gekaufter Gebrauchter würde im gleichen Zeitraum auch einen entsprechenden "Wertverfall" von 2500 bis 3000 Euro hinnehmen.

Kosten Alt versus Neu

Für das Neukauf/ -Modell können sprechen: die Differenz der Finanzierungskosten durch die subventionierten Zinsen. Kalkulierbare Kosten mit Vollgarantie, das heißt, weitere Reparaturkosten sind kaum zu erwarten. Sicherheit, Verlässlichkeit und Ambiente eines neuen Fahrzeugs. Hinzu können noch eine geringere Steuer und ein reduzierter Verbrauch kommen.
Kosten treibend wäre die Vollkaskoversicherung zu erwähnen, die allerdings auch einen umfassenderen Schutz als Gegenleistung bietet. Auf jeden Fall sollte man sich die Kosten für eine Tageszulassung bzw. einen Halbjahres- oder Jahreswagen kalkulieren lassen, hier entfällt nämlich die Überführung von mindestens 500 Euro.
Eine exakte Gegenüberstellung der Kosten ist nur am Einzelbeispiel möglich, aber ein neuer Kleiner muss nicht unbedingt viel teurer sein als ein gebrauchter Alter.

Kredit, Bonität und Familiensolidarität

Beim sollte nicht allein auf den Fahrzeugpreis geachtet werden, es kommt auch auf die Finanzierungskonditionen an. Von den "Null-Zins"-Angeboten sind angejahrte Kleinwagen meist ausgenommen. Im Gegenteil, im Gebrauchtwagenmarkt werden unerfahrenen und unsicheren Kunden häufig schlechtere Konditionen angeboten, als am freien Markt üblich sind. Man muss sich also vorab bei der Bank oder im Internet nach den aktuellen Zinssätzen erkundigen. Achtung: Gute Zinssätze von etwa drei Prozent sind abhängig von der Bonität und einem komplizierten Kundenranking. Pauschal muss man leider sagen: Ärmere Kunden bekommen schlechtere Konditionen. Nur bei den Zinsknaller-Angeboten der Autohäuser können auch ärmere Kunden vom niedrigen Zins profitieren. Personen mit wenig Einkommen aber solventer Familie, sollten sich überlegen, einen billigeren Kredit von Mutter oder Vater aufnehmen zu lassen.

Auf jeden Fall muss man sich die Kalkulationen aushändigen lassen und sollte die gesamten Kosten ausrechen. Wichtig: Keine Finanzierung unterschreiben, die man nicht versteht. Auch wenn man es nicht wahrhaben will, viele Kunden lassen sich durch das Begriffsfeuerwerk von Sonderzahlung, Restrate etc. blenden.

Hohe monatliche Belastung

Gerade am unteren Ende der Einkommensskala müssen die monatlichen Unterhaltskosten genau berechnet werden. Die Vollkosten eines Autos liegen mindestens bei 200 Euro im Monat, realistischer sind 250 bis 300 Euro. Auch wenn man es nicht wahrhaben will, diese Kosten für Fahrzeug, Wartung, Sprit, Steuer und Versicherung fallen an. Der Blick allein auf die Tankquittung reicht nicht. Nur Personen, die einen Wagen kaum bewegen und eigentlich nicht brauchen, kommen günstiger weg. Oder die seltenen Glücksfälle, die jahrelang vollkommen abbezahlte Uralt-Wagen ohne Ärger und Reparaturen bewegen.

Gar kein Geld für einen Wagen

Das ist ein Problem, das mehr Haushalte haben, als man denkt: Eigentlich ist gar kein Geld in der Haushaltskasse. "Irgendwie" glaubt man aber eine Summe von 1500 bis 2000 Euro zusammen bekommen zu können. Dafür werden Freunde angepumpt, die Verwandten müssen spenden und die eiserne Reserve wird geplündert. Kreditwürdigkeit bei der Bank ist nicht gegeben.

Dann führen häufig schon die Kosten für Anmeldung, Nummernschildern, Steuer und Versicherung dazu, dass das finanzielle Kartenhaus zusammenbricht.

Leider gibt es in dieser Lage keinen zufriedenstellenden Rat. In der Preisklasse unter 2000 Euro kann man keinen Wagen kaufen, der die Sicherheit bietet, in den nächsten Jahren verlässlich und ohne zusätzliche Kosten zu arbeiten. Wenn es irgendwie möglich ist, sollte man dann auf den eigenen Wagen verzichten. Wer mit Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln auskommen kann, sollte es tun. Auch mit einem deutlich billigeren Motorroller oder einem E-Bike kann ein einzelne Person längere Strecken zurücklegen.

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