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Motorradschrauber Marcus Walz: "Ich hasse die ganze Reichenkacke"

Superstars wie Brad Pitt und Keanu Reeves müssen über ein Jahr auf ihre Custombikes aus dem Hause "Walz Hardcore Bikes" warten. Marcus Walz lebt in einem Universum aus wilden Maschinen, Totenköpfen, coolen Posen und selbsterarbeitetem Erfolg.

"Träume, als wenn Du ewig lebst. Lebe, als wenn Du morgen stirbst." Das Bekenntnis zur geistigen Unsterblichkeit ist wie ein Halsband auf den Körper von Marcus Walz tätowiert. Auf Englisch, denn der Spruch ist ein Zitat von James Dean, dem frühverstorbenen Rebellenschauspieler, der ernst gemacht hat mit dieser Lebensdevise.

Marcus Walz ist ein Customizer, einer, der Motorräder umbaut und verkauft. "Walz Hardcore Cycles" heißt seine Firma und fast jeder, der sich für Motorräder interessiert, kennt seinen Namen. Marcus ist ein international anerkannter Macher und Geschäftsmann. Auszeichnungen und Trophäen häufen sich in seinen Werkstätten, sein Auftragsbuch ist voll.

Die Welt des Marcus Walz

Im Huber Verlag ist nun sein Buch erschienen: "Marcus Walz - Hardcore for Life". Auf 200 Seiten zeigt Marcus Walz die Juwelen seiner Arbeit, seine Bikes, seine Autos, seine Freunde, seine Frauen und auf vielen Fotos immer wieder sich selbst. Das Buch ist dabei auch für Laien geschrieben worden, es erwartet einen keine endlose Zündkerzen-Litanei - eine gewisse Begeisterung vorausgesetzt kann das Walzsche Opus mit Genuss geblättert und gelesen werden.

Marcus besitzt inzwischen Werkstätten in Ungarn, der Schweiz, Spanien, Holland und der USA. Seiner Homebase "Hockenheim" bleibt der globale Schrauber bis heute treu. "Schon wegen des Namens", bekennt er. "Hockenheim ist im Rennsport ein Begriff, das half mir in den Anfangsjahren und spülte während der Rennen eine Menge Profis in den Showroom". So auch "Formel Eins" Pilot Kimi Räikkönen, der vor ein paar Jahren kurz vor dem Start des "großen Preises von Deutschland" in die Werkstatt kam, um sich sein Bike gestalten zu lassen. Mracus kann sich eine gewisse Verachtung seiner Kundschaft leisten. Sprüche wie "Ich hasse die ganze Reichenkacke" rotzt er schon mal raus.

Einer der Top-Schrauber der Welt

Marcus Lebensgeschichte liest sich wie ein Märchen. Aus einfachsten Verhältnissen stammend besaß er nichts außer Findigkeit, Fähigkeit und Charme. Und die Liebe seiner Mutter, die, ein herber Schicksalsschlag für den damals 32jährigen, vor zehn Jahren viel zu jung verstarb. Ihr Abbild ließ sich Marcus gleich zweimal auf den muskulösen Oberkörper tätowieren. Eines davon ziert der Spruch: "In ewiger Liebe".

Wie passt das zusammen: Harte Männer mit Muskeln und Tätowierungen und die unverbrüchliche Liebe zu seiner Mutter sowie der Hang zu Bekenntnissen wie auf einem seiner großflächigen Tattoos: "I believe in Jesus"?

Die Mutter gab ihm Selbstbewusstsein, um im Leben über sich und die engen Verhältnisse hinauszuwachsen. und Marcus dankte es ihr in seinem Buch in zahlreichen Liebes und Ehrbekundungen. Liebe, Treue - die Widmung im Vorspann gilt seiner verstorbenen Hündin "Tonka" - und saubere Arbeit. Fleiß, Präzision, ein bisschen Glück, echte Freunde und die Fähigkeit, Rückschlage wegstecken zu können. Das in etwa sind die inneren Werte im Walzschen Hardcore Universum. Außen sieht man eine Hülle aus coolen Bikes, Metal, Chrom, Leder und der Intimität von ölverschmierten Werkstätten. Die Männer tragen Jeans, Leder und Tattoos, die Mädchen enge Lederhosen. Wild und ein bisschen fetischmäßig erscheint diese Welt. Für die, die in ihr leben und arbeiten, ist das gewollte Normalität und für den Außenstehenden liegt darin ein Teil der Faszination.

Pitbull in eigener Sache

Marcus steht breitbeinig und erfolgreich mitten in dieser Welt. Er ist ein Botschafter in eigener Sache, das Posieren liegt ihm im Blut wie das Umbauen seiner Renngeschöpfe. Vom gelernten Industriemechaniker schraubte er sich zu Weltruhm, er zählt heute zu den ganz Großen dieser Zunft, entwickelte sich vom braven Jungen aus Heidelberg zum weltweiten Globalplayer in Sachen Custombikes.

Von Fahrrädern über Mofas, Krads und später Autos zerlegte er schon als Teenager alles und schraubte es verändert wieder zusammen. Marcus und seine kultigen Umbauten waren in den Siebzigern in der Umgebung von Heidelberg berüchtigt bei Freund und Feind.

Keine Show, Walz ist echt

Seit 1992 ist er unter dem Firmennamen "Hardcore Cycles" selbstständig. Der ultimative Durchbruch kam mit einer Erfindung, die sich Dragstyle nennt: Ein tiefergelegter Rahmen mit einer PS-starken Maschine, mit der man nicht nur cruisen sondern auch sportlich brettern kann. Diese Erfindung, gepaart mit seiner sauberen und eleganten technischen Arbeit, machte ihn quasi über Nacht zum Star der Customize Szene. Brad Bitt und Keanu Reeves zählen heute zu seinen Fans und Kunden und Marcus darf im Gegenzug die millionenschweren Hollywood Heroen behandeln wie Normalsterbliche. Promibonus gibt es nicht, auch sie müssen bis zu einem Jahr auf die 100.000 Euro Maschinen warten.

Seine erste Harley Davidson "Pan Shovel" lackierte Marcus Walz übrigens in exakt dem Porsche-Farbton des Spyder 550, in dem James Dean sich um Kopf und Kragen fuhr. Die Recherche-Odyssee führte den akribischen Tüftler vom Porschemuseum zu der Werkstatt in Los Angeles, wo der Kultschauspieler seinen Porsche gekauft hatte. Über die Fahrgestellnummer der Originalpapiere ermittelte Marcus Walz den genauen Farbton. Seitdem sind alle silbernen Bikes, die je die Werkstore seiner Firma verlassen, in genau dieser Farbe lackiert. Hardcore for ever.

Marina Kramper

Wissenscommunity