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Radpowerbikes RadRhino 6 Plus – dieses E-Rhinozeros walzt einfach alles nieder

Das RadRhino legt einen selbstbewussten Auftritt hin.
Das RadRhino legt einen selbstbewussten Auftritt hin.
© PR
Reifen so dick wie früher beim Auto – das RadRhino ist alles andere als eine Gazelle. Das Bike ist grundsolide, fällt enorm auf und ist ziemlich günstig.

Die Räder von RadPower sind keine filigranen Racer, sie erinnern mehr an ein "Moped mit Treten" als an agiles Rad. Dennoch sind sie in den USA ausgesprochen erfolgreich, der Newcomer, der seine Räder nur im Internet vetreibt, ist inzwischen der größte E-Bike-Hersteller der Staaten. Denn sie sind massiv, solide und besitzen clevere Detaillösungen.

Beim RadRhino ist der Name Programm. Mit dem Rhinozeros ist die Firma bekannt geworden. Es gibt eine zweite Generation (RadRhino 6 Plus), mit einigen Verzögerungen ist sie nun auch in Europa erhältlich. Das Rad ist ein Trumm, dafür sorgen die massiven Fat-Reifen im Format von 26x4 Zoll (Kenda Juggernaut). Anders als beim RadRunner wird der Eindruck nicht durch einen kleinen Durchmesser entschärft. Zwischen den gewaltigen Reifen wirkt der Rahmen fast zart, davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Auch er ist massiv und schwer.

Nabenmotor

Angetrieben wird das Rhinozeros über einen Bafang-Motor in der Hinterradnabe. Der Vorteil dieses Systems: Die Kräfte des Motors wirken nicht auf Kette und Schaltung ein, entsprechend länger sollten sie leben. In den USA werden die Bikes von einer Motorversion mit 750 Watt angetrieben, in EU-Europa ist ein schwächerer Motor verbaut. Es ist also nicht möglich, mit einem Trick 750 Watt aus der Maschine herauszukitzeln. Mehr Power dürfte gut zu dem bulligen Rhino passen, aber auch die 250 Watt bringen das Rad angemessen voran. In Europa ist man von anderen Motoren schließlich auch nicht mehr gewohnt.

Der Motor lässt einem auch bei Steigungen um zehn Prozent nicht in Stich. Das typische Motorgeräusch des inneren Getriebes ist vorhanden, fällt wegen der Abrollgeräusche der groben Reifen nicht weiter auf. Unserer Meinung lohnt es sich hier nicht, den Motor zu zerlegen und die Ritzel zu schmieren.

Zur Ansteuerung verwendet Radpowerbikes ein neues Display und einen besseren Controller. Letztlich bleibt es bei starren Unterstützungsstufen zwischen 0 und 250 Watt. Damit lässt sich das Rad gut bewegen. Wegen seines Charakters ist man mit 25 km/h Spitzengeschwindigkeit auch zufrieden.

Einfach und solide

Ein Wort zu den Bafang-Motoren. Sie kommen aus China. Als Nabenmotor (geared) entwickeln sie konstruktionsbedingt nicht das massive Drehmoment, der für Mountainbikes entwickelten Mittelmotoren. Sie mögen auch in Sachen Ansteuerung nicht die Speerspitze der Entwicklung, dafür sind die Bafang-Motoren millionenfach erprobt und grundsolide. Man muss also keine Angst vor "China-Gelump" haben, das schnell kaputt geht. Geschaltet wird mit der einfachen, aber soliden Nexus Schaltung von Shimano mit sieben Gängen.

Gebremst wird nun mit hydraulischen Scheibenbremsen. Neu ist, dass der 672 Wh-Akku mit Panasoniczellen nun halb im Rahmen integriert ist. Großes Plus: Er kann im eingebauten und ausgebauten Zustand aufgeladen werden. Er lässt sich einfach und ohne Fummelei nach oben entnehmen. 672 Wh sind derzeit die obere Grenze für handelsübliche Akkus. Mit hoher Geschwindigkeit und voller Unterstützung kommt das Rhino damit über 45 Kilometer, bei stärkerer Mitarbeit sind auch über 60 drin.

Fahren mit Treckerreifen

Die kaufentscheidende Besonderheit des Rhinos ist nicht der Akku und der Motor, es sind der solide Rahmen und die Treckerreifen. Wozu ist so etwas gut? Zuerst einmal sind die Reifen sehr stabil. Hier wird man kaum eine Acht reinfahren und auch ein Platter durch Dornen ist unwahrscheinlich. Die große Masse in der Rotation hält das Rad sicher in der Spur, und die dicken Gummis rumpeln über jede Unebenheit. Die Breite eignet sich vor allem gut für weiche und unebene Untergründe. In gewisser Weise ist das RadRhino ein prima Geländerad, das auf Wiesen, Matsch und am Strand weiterkommt als andere. Auf matschigen Grund fühlt es sich auch deutlich sicherer an als schmale Reifen, die schnell nervös wegrutschen. Aber: Das Rhino ist ein Trecker und kein Mountainbike für akrobatische Kunststückchen, dafür ist es zu schwer und zu unhandlich. Für schmale Trails würden wir es nicht empfehlen.

Das macht auch schon ein Blick auf den Sattel klar, aber ab Werk ist ein bequemer Sitz-Sattel und keine Sportflöte installiert. Das Rhino lässt sich durch den V-Rahmen und den tiefen Einstieg gut besteigen. Der Komfort- und Sicherheitszuwachs des V-Einstieges wird von vielen Kunden unterschätzt, macht sich hier aber besonders bezahlt, wenn die Anbaumöglichkeiten des Rades genutzt werden.

Das RadRhino wird nur in einer Größe angeboten, der Lenker kann durch die Spacer und seine Stellung unterschiedlich eingestellt werden. Außerdem sind ein handelsüblicher Lenker und Vorbau vorhanden, die einfach gegen andere Modelle ausgetauscht werden können. Bei "one size fits all" sollten Personen an den Rändern des Spektrums die Möglichkeit suchen, das Rad zu probieren. Mit einer Beinlänge zwischen 68 und 86 Zentimetern (Innenmaß) soll man bequem fahren können und kann auch locker über dem Rahmen stehen. Bei einer Beinlänge von bis zu 62 Zentimetern wird das Stehen über dem Rahmen unbequem.

An das Gewicht denken

Wird das Rad von Pedalen und Motor bewegt, fühlt es sich wuchtig an. Schieben lässt es sich ausgezeichnet. Gesteuert durch den Drehgriff schiebt es bis 5 km/h und anders als bei Mittelmotoren drehen sich hier die Pedale nicht störend mit. Schwierig wird es, wenn das Rad gehoben werden soll. Natürlich kann man es außerhalb der Saison in den Keller bugsieren, aber täglich geht das nur, wenn eine Rampe vorhanden ist. Mit 33,5 Kilogramm lässt es sich nur von zwei Personen hochheben. Für einen Pkw-Radträger ist es eher ungeeignet. Mit Anpassungen der Radaufnahmen dürfte es sich aber transportieren lassen. Mit dem Ausbau des Akkus kann man das Gewicht reduzieren.

Geliefert wird das Rad in einem großen Karton. Ist man bereit, den Karton an den Kanten aufzuschneiden, ist das "Auspacken" kinderleicht. Will man das Rhino herausheben, benötigt man zwei Personen. Zur Endmontage liegt eine gute Ableitung und brauchbares Werkzeug bei. In 20 Minuten sollte man das Rad fahrbereit haben. Tipp: Die Schrauben sind mit einer Paste beschichtet, die ein späteres Lockern verhindert, der Reindrehen erfordert daher etwas mehr Kraft als sonst.

Wie die anderen Räder von Radpowerbikes kann das RadRhino durch Anbauteile vervollkommnet werden. Wer nicht nur am Stand herumfährt, sollte die mitgelieferten Schmutzfänger unbedingt installieren, auf regennasser Straße machen die Reifen sehr viel Dreck. Wir haben einen optionalen Gepäckträger hinten montiert. Der Träger ist aus Stahl und sehr massiv. In seinen Gewindebohrungen haben wir den ebenfalls erhältlichen großen Metallkorb verschraubt. Man kann ab er auch eine Weinkiste montieren. Auch vorn kann man Träger und Korb aus dem offiziellen Zubehör anbringen. Aber man kann auch irgendeine andere Box montieren. Im Steuerrohr befindet sich eine Aufnahmeplatte mit vier Bohrungen. So wird es aus dem Traktor-Rad ein Lastenesel.

Ehrliches Angebot

Was hat an dem Rhino nicht so gefallen? Das schwere Rad hat einen stabilen Seitenständer, ein kräftiger Mittelständer hätte uns besser gefallen. Aber das ist Geschmackssache, mit einem Mittelständer muss man das schwere Bike jedes Mal aufbocken. Die Menge an Kabeln am Lenker wirken doch ganz schön üppig. Bei einem eigenen Rad wären sie Grund genug, einen Frontgepäckträger zu montieren. Dann könnte man die Kabel in einer einzigen Carbon-Hülle verschwinden lassen und die am Träger fixieren.

Ein Rad wie das Rhino muss man wollen. Es ist ein Trumm und fällt auf. Im Alltagsgebrauch wirkt es vor allem solide und verlässlich. Die "Unkaputtbar"-Aura gefällt, und zuletzt ist das Rad mit 1800 Euro alles andere als teuer. Gepäckträger und Korb sind super massiv. Ein Sturz kann diesen Teilen nichts anhaben. Gut gefällt die Möglichkeit, Behälter und anderes Zubehör in den dafür vorgesehenen Bohrungen anzubringen. Mit einem echten Lastenrad kann man sicher mehr transportieren - aber ein Kind plus Einkauf schultert das Rinozeros auch locker. Gemessen an einem ausgewachsenen Lastenrad ist es dann doch sehr handlich.

Die Originalteile sind ihr Geld wert, dennoch ist es ein schönes Angebot, dass man individuellere oder auch schlicht billige Module sicher fixieren kann. Vor allem ist das RadRhino eine ehrliche Haut: Es fährt genauso, wie es aussieht. Und ein graziles Sportbike würde man bei den Reifen auch kaum erwarten.


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