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Schwedenpanzer, Rennpappe, Flügeltürer – Kultautos und ihre Kosenamen

Nur die wenigsten Autos verdienen einen eigenen Spitznamen, sie müssen etwas Besonderes sein und den Menschen ans Herz wachsen. Der Illustrator Helge Jepsen und der Autoexperte Michael Köckritz stellen die Kultautos vor.

Trabant 601 - "Rennpappe"  "99 automobile Klassiker und ihre Spitznamen" 

Früher hatten die Autos noch Spitznamen. Koseformen, die sie sich erst verdienen mussten. Erst wenn eine Gesellschaft ein ganz besonderes Verhältnis zu einem "Ding" aufgebaut hat, prägt sich so ein Begriff ins kollektive Gedächtnis ein. Gesichtslose Allerweltautos haben keine Chance. Das Fahrzeug muss etwas Außergewöhnliches haben, nur die ganz "besonderen Autos, die mit ausgeprägten Eigenschaften und guten Geschichten Interesse wecken" regten zur Namensgebung an, sagen Illustrator Helge Jepsen und Schreiber Michael Köckritz – Herausgeber des Automagazins "Ramp". Gemeinsam haben sie den Band "99 automobile Klassiker und ihre Spitznamen" herausgebracht.

 Bei allem Respekt von Köckritz Textkünsten und seinem Wissen, der eigentliche Reiz des Buches liegt in den Illustrationen von Helge Jepsen. Berühmt geworden ist der mit seiner Reihe von Spielzeugbüchern "der lebensnotwendigen Dinge" wie etwa "Kinderspielzeug: Eine beinahe vollständige Sammlung lebensnotwendiger Dinge". Und auch die Illustrationen von "99 automobile Klassiker" erinnern mit ihrer Eleganz und der Abstraktion der Linien an die Zeichnungen von Hergé. Realistisch genug, um als Sammelbild zu gelten, huldigen die Zeichnungen nicht der Idee "realistischer als in Wirklichkeit" – sondern entführen die Fahrzeuge sanft in die Welt der Zeichnungen.

In der Sammlung der 99 findet man alte Bekannte, wie den Mercedes-Benz 300 SL Coupé W 198 - "Flügeltürer". Benannt nach den nach oben aufschwingenden Türen. Ein klassisches Sehnsuchtsmodell, dessen herausragendes Raumkonzept allerdings in der Großserie nie erfolgreich war. Weniger Sehnsucht ruft vermutlich der Trabant 601 – die sogenannte Rennpappe - hervor. Seinen Namen verdankte der Trabant seiner Karosserie aus harzgetränktem Kunststoff, dem sogenannten Duroplast. Auch der "Schwedenpanzer" dürfte den meisten noch geläufig sei. Hinter dem martialischen Namen verbarg sich der Volvo 244. Mit diesem Fahrzeug erarbeitet sich Volvo das Image, ganz besonders sichere zu bauen. Sicher sollten sie sein, weil sie angeblich aus besonders starkem Blech gefertigt wurden, aber auf jeden Fall streckte sich die Stoßstange trotzig jedem Gegner entgegen. Die "Fliegende Untertasse" hingegen dürften nur die wenigsten als einen Alfa Romeo 1900 C52 identifizieren können. Der italienische Name "Disco Volante" klingt allerdings um einiges sinnlicher als die spröde deutsche Untertasse. Gebaut für Zwerge und den Renneinsatz, blieb dem Wagen der sportliche Erfolg verwehrt. Sein Design fasziniert dagegen bis heute. 

Der Band "99 automobile Klassiker und ihre Spitznamen" ist bei teNeues erschienen und kostet 49,90 Euro. 

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