VG-Wort Pixel

Technik Ausfahrt Boxengasse

Aston Martin Valkyrie
Aston Martin Valkyrie
© press-inform - das Pressebuero
Die automobile Welt stellt sich nach anfänglichen Problemen schneller als von vielen erwartet auf den Elektroantrieb um. Was für Privatkunden im Alltag gut machbar ist und für Transportunternehmen bisweilen schwierig erscheint, stellt den Motorsport vor gewaltige Herausforderungen.

Am vergangenen Wochenende fanden mit dem 24-Stunden-Rennen vom Nürburgring und den 500 Meilen von Daytona zwei der größten weltweiten Motorsportveranstaltungen nahezu parallel statt. Beiläufig schlängelte sich am Sonntagnachmittag noch die Formel 1 durch die engen Straßen von Monaco – eigentlich alles wie immer. Und doch wieder nicht, denn die gigantischen Veränderungen in der Mobilität und speziell im Bereich der Fahrzeugantriebe gehen auch an den zahllosen internationalen Rennserien nicht mehr spurlos vorbei. Egal ob Rallye Weltmeisterschaft, Formel 1, Langstrecken- und Markenpokal oder Tourenwagensport – geht es um Höchstgeschwindigkeiten und entsprechende Streckenlängen, sieht es für die Elektroantriebe aktuell schlecht aus. Vor einigen Jahren wurde als elektrische Alternative die Formel E aus der Taufe gehoben. Nachdem viele Tophersteller mit ihren elektrischen Monoposti hier anfangs präsent sein wollte, kam die Ernüchterung schneller als erwartet. Von den meisten Motorsportfans wird die Formel E ebenso wie die verwandte Offroad-Serie der Extreme E als reiner Marketingevent ohne sportlichen Wert wahrgenommen. Das Publikumsinteresse ist auf den meisten Märkten winzig – die Marktrelevanz kaum spürbar und der erwünschte Imagetransfer blieb ohnehin aus. Viele Marken strichen ihr millionenschweres Engagement wieder.

Doch wohin geht es in ein paar Jahren mit dem Motorsport? Die renommierte Le-Mans-Serie bemüht sich ab 2024 um eine neue hybride Klasse von Superautos und kleinere Elektrifizierungen gibt es seit Jahren in Topklassen wie Formel 1 oder der Prototypenliga von Le Mans. Doch die breite Masse schaut in die Röhre und so besteht die Gefahr, dass eine Großveranstaltung wie das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring in ein paar Jahren zu einem reinen Klassikevent herabgestuft wird. Bereits jetzt fahren einige Tophersteller ihre Engagements spürbar zurück – schließlich passt der Motorsport von brüllenden Boliden, die im Kreis fahren, nicht in das Saubermann-Image von Elektromodellen mit Logo von ID, EQ, E-Tron, oder i. Hersteller wie Volkswagen, Audi, BMW, Mercedes, Ford oder General Motors haben sich längst lautstark dafür ausgesprochen, in einigen Jahren vollends elektrisch werden zu wollen. Besonders stark spürbar ist das bei Porsche. Die Stuttgarter – einst eine reine Sportwagenfirma - elektrifizieren in den kommenden Jahren jedes neue Modell, das auf den Markt rollt. Frische Verbrenner wird es nicht mehr geben und so bleibt der Porsche 911 der einsame Rufer auf Straße und Rennstrecke. Er muss erst einmal mit einer Hybridisierung auskommen, dürfte auf lange Sicht aber in den 2030er Jahren ebenfalls zu einem Elektromodell werden.

Das wäre nicht weiter problematisch, wollten die Autohersteller mit dem eigenen Rennengagement nicht insbesondere ihre neuesten Modelle und innovativsten Technologien in den Vordergrund stellen. Denn schließlich ist der professionelle Motorsport im Unterschied zu den reinen Kundenteams in erster Linie eine Marketingveranstaltung wie die Formel E und nebenbei noch ein rasendes Techniklabor. Dabei wird oft vergessen, dass viele Rennwagen für die Autohersteller jedoch durchaus ein rentables Geschäftsfeld sind. Marken wie Mercedes-AMG oder Porsche verkaufen ihre hochgerüsteten Hightech-Sportler an weltweite Teams mit Gewinn – insbesondere weil auch Ersatzteile und Komponenten den Rubel am Rennwochenende durchaus rollen lassen. Der in diesem Jahr auslaufende Mercedes AMG GT3 ist mit seinen mehr als 220 Fahrzeugen einer der erfolgreichsten Tourenwagen weltweit. Bei Porsche 911 GT3 oder einem Audi R8 LMS sieht es kaum anders aus und auch Aston Martin, Lamborghini, Aston Martin oder General Motors mit seiner Corvette betreiben den Motorsport nicht als Zuschussgeschäft, sondern als ertrag- und imagebringenden Wochenendspaß zwischen Bathurst, Le Mans, Daytona oder Suzuka.

Die meisten sind sich derweil einig, dass es spannende Rundstreckenrennen und insbesondere Mittel- oder Langstreckenrennen wie in Formel 1, Le Mans Serie, Indycar / Nascar oder Tourenwagenpokale rein elektrisch in absehbarer Zeit nicht geben wird. Dazu verlieren die Akkus unter Volllast zu schnell ihre Leistung und das Nachladen dauert zu lang – ein Killer für Publikum und Rennausgang. So wäre denkbar, dass die Akkupakete des Elektroautos wie bei einem Reifenwechsel ausgetauscht werden oder bei kürzeren Rennen ein besonders schneller Boost den wohl dann hybriden Rennwagen nachladen lässt – am besten noch perfekt für die Motorsportfans an der Strecke und dem TV inszeniert. Für die professionellen Teams und Rennengagements scheint das zumindest mittelfristig machbar. Anders sieht es jedoch für den breiten Motorsport aus. Hier besteht die Gefahr, dass derartige Rennveranstaltungen zumindest ab Anfang des kommenden Jahrzehnts zu reinen Klassikevents verkommen. Doch vielleicht bekommt dann ein 24-Stunden-Rennen am Nürburgring, in Le Mans, Daytona oder Spa seinen ganz eigenen Reiz. Zu den Höhepunkten des jeweiligen Rennwochenendes gehören sie ohnehin bereits jetzt wie nicht nur die Events von Le Mans, Laguna Seca oder an der Nordschleife zeigen.

Doch wie sieht es abseits befestigter Pisten aus? In Süd- / Nordeuropa oder Südamerika ist der Rallyesport beliebter denn je und auch die Extremveranstaltung der Rallye Dakar ist Anfang jeden Jahres ein großes Thema in der Öffentlichkeit. Hier versucht Audi einen schweren Spagat mit seinem RS Q E-Tron, einem Elektro-Buggy, der von einem Akkupaket angetrieben wird, das von einem DTM-Triebwerk als Reichweitenverlängerer zu sportlichen Höchstleistungen getrieben wird. Auch das könnte eine Alternative für elektrischen Motorsport – wenngleich auch nur abseits der Rundstrecken – sein. Kaum eine Chance wird hingegen der Brennstoffzelle eingeräumt. Auch wenn Hersteller wie Toyota oder Honda immer wieder neue Versuche machen, die Brennstoffzelle motorsporttauglich zu machen – aktuell stehen die Chancen alles andere als gut. Das droht auch für den normalen Motorsport, denn gerade für die beliebtesten Rennevents der Welt gibt es aktuell kaum eine Lösung, wohin die Reise zumindest im kommenden Jahrzehnt gehen könnte.

pressinform

Mehr zum Thema

Newsticker