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Veränderungen im Konzern Porsche-Piëch-Clan strebt straffere VW-Führung an – "Der Hauptgrund ist Macht"

Ein VW-Gebäude steht unter einem Wolkenhimmel
Bei VW kommt es zu einem Machtspiel
© Melissa Erichsen / DPA
Hinter dem Wechsel an der Konzernspitze bei VW steckt ein ausgeklügelter Plan des Porsche-Piëch-Clans. Demnach wollen die Familien wieder eine straffere Führung erzielen. Dabei geht es vor allem um Macht.

Der aktuelle VW-Chef Herbert Diess muss seinen Posten nach gut fünf Jahren räumen. Sein Nachfolger, Porsche-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume, wird ihn zum 1. September ablösen und damit die Konzernführung übernehmen. Angetrieben wird die große Veränderung offenbar vor allem vom Porsche-Piëch-Clan. 

Die mächtigen Familien hinter dem Konzern streben eine straffere Führung an und wollen wieder mehr Mitspracherecht bei strategischen Fragen haben – ein Machtspiel vor dem geplanten Börsengang, wie eine Person mit Kenntnis der Vorgänge gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte.

Differenzen bei VW-Führung unter Herbert Diess

Der Porsche-Piëch-Clan, welcher die meisten Stimmrechte bei Volkswagen besitzt, will den Konzern damit wieder in ruhigeres Fahrwasser leiten, heißt es weiter. "Sie wollen die Umsetzung der strategischen Leitlinien genauer im Auge behalten", so eine mit den Überlegungen der Familien vertraute Person gegenüber Reuters.

Herbert Diess brachte zwar die Elektrifizierung bei VW voran, intern gab es aber wiederholt Differenzen aufgrund seines direkten Führungs- und Kommunikationsstils. Blume soll vielmehr eine Konzernführung verfolgen, "die den Teamgedanken in den Mittelpunkt stellt". Zugleich soll er aber ebenso Chef bei Porsche bleiben – auch nach dem lang ersehnten Börsengang, der bis zum Jahresende erfolgen soll.

Blumes Doppelrolle hatte bei einigen Branchenexperten Zweifel aufkommen lassen. Die genaue Aufteilung der Aufgaben an der VW-Konzernspitze ist allerdings noch nicht festgelegt, wie Finanzchef Arno Antlitz, der Blume im Tagesgeschäft unterstützen soll, Ende Juli mitteilte. Details zum Zuschnitt der Funktionen werde es demnach in einigen Wochen geben.

Porsche-Piëch-Clan strebt größere Einflussnahme an

Porsche und Volkswagen wollten sich auf Anfrage von Reuters nicht zu der neuen Konzernstrategie äußern. Klar ist indes: der Börsengang von Porsche soll den Familien wieder direkten Einfluss auf den Sportwagenhersteller verschaffen. 25 Prozent plus eine Aktie der Stammpapiere sollen zurück an Porsche gehen.

"Die Struktur des Börsengangs entspricht in erster Linie dem Interesse der Familien, Porsche weiter fester im Griff zu haben, und sie lassen sich von diesem Vorhaben nicht abbringen", meint Hendrik Schmidt, Corporate-Governance-Experte bei der an Porsche beteiligten Fondsgesellschaft DWS, die sowohl Anteile an Volkswagen als auch an der Porsche Holding hält.

Manuel Theisen, emeritierter Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Spezialist für Corporate Governance, sagt, dies sei eine Möglichkeit, den Einfluss der Familien zurückzugewinnen. "Der Hauptgrund ist Macht."

Quellen: Reuters, mit Material der dpa

nk

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