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Software namens "Bob": Vor 23 Jahren startete Microsofts größter Reinfall

Es sollte das große Ding für Microsoft werden: Im März 1995 wollte der Windows-Hersteller mit der Software Bob die PC-Welt umkrempeln. Es wurde einer der größten Flops in der Unternehmensgeschichte.

Der 7. Januar 1995 sollte ein großer Tag für Bill Gates werden: An jenem Freitag betrat der damalige Microsoft-Chef die Bühne der Hightech-Messe CES (Consumer Eletronics Show) und zeigte der Welt voller Stolz die neueste Schöpfung des Windows-Herstellers: "Bob". Dahinter verbarg sich eine Software für Windows 3.1, die das Betriebssystem intuitiver und übersichtlicher gestalten sollte. Denn Microsoft wusste, dass das damals aktuelle Windows nicht besonders nutzerfreundlich war. Ein Großteil der stetig wachsenden PC-Nutzer kam mit der drögen und abstrakten Oberfläche des Betriebssystems nicht klar.

Doch Bob brachte nicht die erhoffte Erlösung für geplagte PC-User, sondern wurde für Microsoft ein historischer Griff ins Klo.

Arbeiten in der Comic-Wohnung

Statt des klassischen Desktops mit seiner Schreibtisch-Analogie - jeder kennt den Papierkorb, Ordner und Dokumente - sollte Bob die Nutzer in eine Art virtuelle Wohnung mitnehmen. Die Benutzeroberfläche erinnert an ein albernes Comic-Wohnzimmer. Über dem Bücherregal hängen Spinnweben, im Regal steht eine Lavalampe, an der Wand knistert ein Pixel-Kamin. Beim Arbeiten am PC sollte man sich wie Zuhause fühlen. Mit einem Klick auf den Wandkalender konnte man die eigene Terminübersicht öffnen, klickte man auf den Papierstapel auf dem Schreibtisch, öffnete man die Textverarbeitung.

Bei Fragen stand dem User ein kleiner, etwas einfältig dreinblickender Hund namens Rover zur Seite. Den dürften die meisten Nutzer noch aus Windows XP kennen, dort tauchte der Vierbeiner Jahre später noch einmal in der Suchfunktion auf.

Ein Flop an der Ladenkasse

Doch die Software wirkte nicht besonders durchdacht und täuschte über das Grundproblem hinweg: Durch die verkitschte Oberfläche setzten sich Nutzer nicht mit der klassischen Windows-Umgebung auseinander, sodass der Lernprozess vor allem bei PC-Anfängern behindert wurde.

Besonders skurril waren die fehlenden Sicherheitsvorkehrungen: Gab ein Nutzer mehrfach ein falsches Kennwort ein, konnte er ohne Sicherheitsabfragen einfach ein neues Passwort vergeben. Kein Wunder, dass die Software sowohl bei Fachleuten als auch bei Otto-Normal-Nutzern durchfiel. Beim Fachmagazin "PC World" landete Bob später auf Platz sieben der 25 miserabelsten Tech-Erfindungen aller Zeiten, "Cnet" erklärte die Software zum schlechtesten Produkt des Jahrzehnts. Auch das renommierte "Time"-Magazin ließ kein gutes Haar an dem Programm, das von Bill Gates Ehefrau Melinda Gates mitentwickelt wurde: Dort landete Bob in den Top 50 der schlechtesten Erfindungen aller Zeiten.

Bob verkaufte sich weltweit nur 30.000 Mal. Zum Vergleich: Wenige Monate später erschien Windows 95, dass sich in nur drei Monaten stolze 45 Millionen Mal verkaufte. Bob war ein beispielloser Flop, an den sich nur noch die wenigsten Nutzer erinnern dürften. Nur ein Überbleibsel hinterlässt bis heute seine Spuren, obwohl es im ursprünglichen Programm gar nicht zum Einsatz kam: die Schriftart Comic Sans. Eigentlich überraschend, denn die runde, krakelige Kinderschrift zählt zu einer der größten Geschmacksverirrungen der PC-Ära - und erfreut sich vielleicht gerade deshalb bis heute großer Beliebtheit.