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Angeblich leer: Die dreiste Abzocke mit Tintenpatronen

Wie voll sind angeblich leere Tintenpatronen wirklich? Ein Druckdienst hat das jetzt überprüft - und war schockiert. In einigen Kartuschen steckte immer noch Tinte im Wert von mehreren Hundert Dollar.

Von Malte Mansholt

Druckerpatronen in einem Drucker

Die Abzocke mit den Druckerpatronen: In angeblich leeren Patronen war Tinte im Wert Hunderter Euro.

Das Gefühl, beim Kauf von Druckertinte über den Tisch gezogen zu werden, kennt wohl jeder, der eines der Geräte zu Hause stehen hat. Werden die Ausdrucke schwach oder blinkt die entsprechende Anzeige, kann es schnell teuer werden. Denn zumindest die Originalkartuschen lassen sich die Händler fürstlich entlohnen. Wieviel Geld aber wortwörtlich im Mülleimer landen kann, erschreckt dann aber doch.

Der Druckdienst Bellevue Fine Art aus dem US-amerikanischen Seattle verbraucht regelmäßig ganze Batterien von Druckerpatronen. Der von ihnen eingesetzte Profidrucker Epson 9900 gibt sich nicht mit den bekannten vier kleinen Patronen für Schwarz, Cyan, Magenta und Gelb zufrieden. Stattdessen kommen Kartuschen mit 350 und 700 Millilitern Tinte zum Einsatz. Durch die zehn benötigten Farben kostet eine Füllung so knapp 2800 Euro. Aus reiner Neugier schnitten die Betreiber einige der als leer angezeigten Patronen auf - und waren entsetzt, wie viel Geld sie jeden Monat verschwendeten.

Hunderte Euro im Müll

Denn obwohl die Patronen nur noch einen Stand von unter einem Prozent anzeigten und der Drucker daher den Dienst verweigerte, waren sie alles andere als leer. Zwischen 100 und 150 Millilitern Tinte ließen sich aus jeder Kartusche holen. Im Schnitt waren noch etwa 120 Milliliter unbenutzte Tinte in jedem Tintentank zu finden. Das sind knapp 17 Prozent. Auf eine ganze Batterie der Patronen gerechnet, werfen Besitzer dieses Druckermodells Tinte im Wert von etwa 500 Euro weg. Bei einem Druckdienst hält eine solche Ladung manchmal auch nur einige Tage. Das läppert sich.

Ob die riesigen Überschüsse technische Gründe haben, ist nicht bekannt. Man könnte also vermuten, das Epson die Patronen voller macht, als angegeben, um seinen Kunden die angepriesene Menge an Tinte zu bieten. Das ist aber nicht der Fall. Man habe auch volle Patronen getestet, sie seien mit genau 700 Millilitern befüllt, sagten Betreiber des Druckshops dem Techblog "Ars Technica".

Youtube als letzter Ausweg

Epson hat auch auf wiederholte Nachfragen der Betreiber nicht reagiert oder schlicht behauptet, diese haben sich geirrt. In einem letzten Versuch, die Aufmerksamkeit des Unternehmens zu bekommen, haben die sich deshalb entschieden, ein Beweisvideo auf Youtube hochzuladen. Vielleicht bringt das Epson ja dazu, die geldverbrennende Praxis zu kommentieren.