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Privatsphäre Microsoft verzichtet bei neuen Surface-Geräten auf eine abschaltbare Kamera - das ist der Grund

Das neue Surface Book 3 hat eine nicht schließbare Kamera
Das neue Surface Book 3 hat eine nicht schließbare Kamera
© Microsoft
Bei Business-Modellen gehören sie längst zur Standard-Ausstattung: Webcams und Mikrofone, die sich per Schalter oder Riegel abklemmen lassen. Bei seinen neuen Surface-Geräten hat Microsoft nun darauf verzichtet - und liefert dafür einen erstaunlich guten Grund.

Selbst Tech-Milliardär und Privatsphäre-Leugner Mark Zuckerberg wurde schon dabei erwischt: Unmengen von Nutzern fühlen sich angesichts der Kameras und Mikrofone von Laptops unwohl - und kleben sie einfach ab. Doch bei den gerade vorgestellten Surface-Modellen verzichtet Microsoft auf die längst etablierte Kamera-Abdeckung. Stattdessen setzt der Konzern auf einen smarten Trick. 

Die letzte Woche neu vorgestellten Modelle - das Hybrid-Notebook Surface Book 3 und das Arbeitstablet Surface Go 2 bräuchten die Abdeckungen nicht, erklärte Microsoft-Techniker Stevie Bathiche gegenüber "PC World". Der einfache Grund: Sie hätten eine LED-Leuchte, die genauso zuverlässig davor warnt, dass die Kamera eingeschaltet wurde.

Nicht zu knacken

Dazu bedient sich Microsoft dem Techniker zufolge eines cleveren Tricks. Die Stromverbindung der Kamera und der LED-Leuchte sind direkt miteinander gekoppelt. "Das Licht wird nicht über Software gesteuert. Die Leuchte wird von der Kamera selbst eingeschaltet", erklärt Bathiche. "Es ist daher unmöglich, die Kamera einzuschalten, ohne dabei auch das Licht anzuknipsen." Hacker können sie also nicht voneinander getrennt einschalten.

Vor allem im Business-Bereich - an den sich auch Microsoft mit seinen Surface-Geräten richtet - hat sich längst ein Wettlauf um die cleverste und sicherste Lösung der Spionage-Gefahr durch die Webcam entwickelt. Hersteller wie Lenovo setzen bereits seit Jahren auf eine eingebaute Abdeckung, die man direkt im Display-Rahmen vor die Linse schieben kann. HP geht bei seinen neuesten Dragonfly-Modellen noch weiter: Mit einem Schalter an der Seite lässt sich die Kamera physisch vom Strom abkoppeln, sie ist dann nicht mal mehr in den Hardware-Einstellungen zu finden.

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Apple setzt auf Software-Tricks

Ein prominenter Konkurrent verzichtet bisher auf diese Option: Bei Apple findet sich weder bei den Mac-Rechnern noch beim in letzter Zeit vermehrt für den Business-Bereich beworbenen iPad eine Option, die Kamera abzuschalten. Zumindest bei den Mac-Rechnern, etwa dem Macbook Pro oder auch dem iMac, geht Apple einen ähnlichen Weg, wie Microsoft. Auch hier weist eine kleine Leuchte neben der Webcam darauf hin, dass die Kamera aktiv ist.

Tatsächlich wurde bei älteren Macs eine Möglichkeit gefunden, die Kameras ohne die LED-Leuchte einzuschalten. Mittlerweile ist der Konzern dagegen vorgegangen. Nach Aussage eines Apple-Mitarbeiters gegenüber "Daring Fireball" lässt sich die Verknüpfung nur aufheben, indem man eine andere Firmware für die Kamera installiert - was wiederum durch andere Sicherheitsmaßnahmen verhindert wird.

Dass sich die Laptop-Hersteller so beim Schutz der Webcam überbieten, hat triftige Gründe. Immer wieder gibt es Versuche, sich per Massenangriff oder gezielten Attacken Zugriff auf die Kameras zu verschaffen. Sei es, um dadurch Industriespionage zu betreiben oder um die Benutzer bei einem "unangemessenen" Umgang des Rechners zu erwischen - und dann erpressen zu können. Dass die Sicherheitsmaßnahmen vor allem in Business-Geräten Standard geworden sind, liegt schlicht an den höheren Sicherheitsvorgaben. Während die Firmen-IT einen Rechner ohne das Feature nicht genehmigen würde, ist es vielen Privatanwendern scheinbar immer noch nicht allzu wichtig.

Quellen: PC World, Daring Fireball


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