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Scheibes Kolumne: Spendable Russen!

stern.de-Kolumnist Scheibe hat kaum alle Mails von der Nigerian Connection gelöscht, da klopfen auch schon die ersten Russen an sein Postfach. Dieses Mal geht's um richtig viele Millionen Euro und um Reichtum bis ans Lebensende. Schade, dass das alles nur ein dicker, fetter Betrugsversuch ist.

Manchmal muss man ja an der Leichtgläubigkeit der Menschen zweifeln. Noch immer gelingt es den Vertretern der so genannten Nigerian Connection ohne Probleme, dusselige Europäer um ihr Geld zu bringen. Die Masche dieses seit 1988 inszenierten E-Mail-Betrugs ist immer die gleiche. Meist kommen die entsprechenden Mails aus Nigeria oder einem benachbarten afrikanischen Land, was der ganzen Betrugskiste den Beinamen "Nigerian Connection" eingebracht hat.

Die Betrüger wenden sich meist in Englisch oder in gebrochenem Deutsch an den hoffnungsfrohen Empfänger. Stets wird in langen Sätzen eine abenteuerliche Geschichte aufgetischt. Etwa die, dass ein afrikanischer Großgrundbesitzer ohne Erben verstorben sei und sein ganzes Vermögen in Höhe von 8 Millionen Dollar nun auf einem vergessenen Konto Staub ansetzt. Dieses Geld würde der Mail-Versender gern heimlich außer Landes schaffen - und sucht dafür einen Komplizen in Europa, der sein Girokonto zur Verfügung stellt. Für diesen kleinen Akt der Freundschaft wäre der Mail-Versender bereit dazu, bis zu zehn Prozent des Vermögens springen zu lassen. Bei 8 Millionen Dollar wären das immerhin 800.000 Dollar.

Lieschen Müller schafft Millionen aus Afrika

Die meisten Empfänger sind schlau genug, um sich selbstkritisch zu fragen, warum ausgerechnet sie eine solche Mail bekommen - und nicht all die anderen Spezis, die dafür vielleicht besser geeignet wären als Lieschen Müller aus Kirchwalde-Riekenbostel. Sie ahnen bereits, dass sie einer tumben Spam-Mail aufsitzen, die an viele tausend Empfänger geht - und löschen die Nachricht in der Folge. Oder sie wissen zumindest, dass jede Bank sofort Wind von dieser Geldtransaktion bekommen würde und das aufgrund des Geldwäschegesetzes melden müsste. Denn kriminell wäre eine solche Geschichte ganz bestimmt.

Die Erfahrung lehrt: Es finden sich auch heute noch viele arme Seelen, die auf eine Mail der Nigerian Connection hereinfallen und auf sie antworten: "Ja, hurra, Danke, ich will reich werden, hier ist meine Kontoverbindung."

Wer seine Kontoverbindung meldet, bekommt leider keine Millionen, sondern stattdessen ein weiteres Schreiben. In dem steht, dass es noch ein paar allerletzte klitzekleine Probleme gibt, die zu meistern sind. Da geht es dann etwa darum, dass wichtige Urkunden ausgestellt werden müssen oder Vorgesetzte zu bestechen sind. Das Geld dafür muss der Deutsche vorstrecken: Und schon ist das eigene Geld weniger statt wie erwartet mehr geworden. Diese Schröpf-Masche greift in der Folge so lange, bis der Europäer kein Geld mehr hat oder irgendwann einmal aufgibt. Klar muss nur sein: Die versprochenen Millionen gibt es einfach nicht.

Jetzt kommen die Russen: Rubel aus dem Kreml

Noch immer trudeln täglich neue Briefe der Nigerian Connection in den Postfächern der Anwender ein. Viele schaffen es dabei sogar, gute Spamfilter auszutricksen und direkt im Posteingang aufzuschlagen. Völlig überraschend tauchten in den letzten Tagen sogar völlig neue Mails auf - mit Absendern nicht in Nigeria, sondern in Moskau. Emsi Software sprach in diesem Kontext als erster von einer neuen "Russian Connection".

Mir schreibt der gute Andrei. Er stellt sich als "business tycoon" vor, der im Schatten des russischen Kreml Geschäfte macht, nun aber Probleme bekommt, weil er eine andere politische Meinung hat als die russische Führung. Und so sucht der Geschäftsmann nach einer Möglichkeit, um mal eben 52,2 Millionen Euro aus der Stadt zu schaffen - ins westliche Ausland. Klar, die Russen kleckern nicht, sie klotzen. Und so haben die müden Dollar in der Mail nix verloren, jetzt geht es schon um harte Euronen - und gleich um 52 Millionen davon.

Natürlich wendet sich der Russe wieder einmal an einen ganz normalen Durchschnittsbürger aus dem Volk, um ihn darum zu bitten, das Geld auf sein Konto überweisen zu dürfen. 8 Prozent gibt es dafür, das sind bei 52,2 Millionen bereits 4,2 Millionen Euro. Das reicht doch locker aus, um damit nach Nigeria zu fliegen und da seinen Lebensabend zu verbringen.

Aber so spendabel die Russen auch sind - auch das ist nur ein Betrugsversuch, wenn auch einer mit neuen Geschichten und viel russischer Seele. Man darf sich über sie amüsieren, aber nicht auf sie reagieren. Deswegen: Wenn jemand in einer Mail mit geschenktem Geld droht, dann sollte immer als erstes die ENTF-Taste gedrückt werden.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.